„Am Aschermittwoch ist alles vorbei…“ heißt es in einem bekannten Karnevalsschlager. Ich wage zu widersprechen: Am Aschermittwoch fängt alles neu an! 40 Tage sind es von jetzt an bis Ostern. Die Kirchen legen uns in dieser (Fasten)-Zeit nahe, altbekannte Gewohnheiten einmal zu überprüfen, uns von echten oder vermeintlichen Zwängen zu befreien, Überflüssiges loszulassen, um zum Kern, zum Eigentlichen des Lebens, vorzustoßen. Entschlackung an Körper, Geist und Seele tut gut und oftmals auch not. Sich öffnen für Neues, vielleicht aber auch für Altes, das nur zugeschüttet war. Die Glut unter der Asche neu entfachen und das eigene innere Feuer wieder zum Leuchten bringen. Das ist für mich der eigentliche Sinn der Fastenzeit. In diesen Wochen können wir Gott, dem Urgrund unseres Seins, wieder näherkommen oder zumindest kann die Sehnsucht und Suche nach ihm in uns wieder neu wach werden. Wie wir diese Zeit im Einzelnen gestalten, ist jeder und jedem von uns überlassen. Da gibt es kein Patentrezept. Wichtig ist nur, sich einen Punkt einmal ganz konkret vorzunehmen. „Sieben Wochen ohne…“ heißt eine Initiative, in der sich Menschen seit einigen Jahren zusammenfinden, die die Fastenzeit nicht sang- und klanglos verstreichen lassen, sondern sie bewusst nutzen wollen. Sie teilen die Erfahrung, dass weniger mehr sein kann, dass Verzicht Gewinn bringen kann. Dieser Tage hörte ich im Autoradio eine Sendung, in der berichtet wurde, dass Facebook, Instagram und Tik-Tok-Nutzende in der Regel weniger glücklich sind als andere Menschen. Warum? Ich vermute, weil sie sich täglich neu mit anderen vergleichen, weil sie neidisch und eifersüchtig werden, wenn sie sehen und hören, was andere tun, können oder haben. Das Sich-Vergleichen gehört im Mönchtum, d.h. bei Klosterleuten, zu den „Ursünden“ schlechthin, weil es wie von selbst Unfrieden, Zwietracht und Streit mit sich bringt. Als Heilmittel dagegen haben weise Altväter und Altmütter die Dankbarkeit empfohlen. Wer dankbar sein kann – für das, was er ist, was er kann und was er hat -, der braucht nicht auf andere zu schielen, der ist zufrieden, d.h. in Frieden mit sich und der ihn umgebenden Welt. Wie wäre es, einmal 40 Tage lang auf das Sich-Vergleichen zu verzichten? Ich bin überzeugt, dass wir dann vieles mit neuen Augen sehen würden. Und noch mehr: unsere Welt würde Schritt für Schritt friedlicher und lebensfreundlicher werden.

Sr. Philippa Rath

„Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich!
Da warf er den Mantel weg,
sprang auf und lief auf Jesus zu.“

(Mk 10,49f.)

 

In den frühen Morgenstunden des 23. Januar 2026 durfte unsere

SCHWESTER VERONICA METTE MARIA ERICHSEN OSB

geb. 24.05.1938 – Profess in Åsebakken 30.11.1961 – Stabilitätsübertragung 09.02.1987
ihre Seele in die Hand des Schöpfers zurückgeben.

Sr. Veronica stammte aus Kopenhagen und blieb ihrer Heimat Dänemark ihr Leben lang sehr verbunden. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester trat sie im April 1960 in das Benediktinerinnenkloster Unserer Lieben Frau in Birkerød/Åsebakken ein und war dort in vielen Bereichen tätig, u.a. als Infirmarin und Magistra. Am Vorabend des Festes der hl. Scholastica, dem 22. Jahrestag ihrer ewigen Profess und Jungfrauenweihe, übertrug sie 1987 ihre Stabilität auf unser Kloster.
Sr. Veronica war ein sehr lebensfroher und innerlicher Mensch. Sie liebte die Kontemplation und lebte aus einer tiefen Christusbeziehung, die sie alle Herausforderungen des Lebens bestehen ließ. Vielen Menschen war sie eine wichtige geistliche Begleiterin, bei der sie guten Rat und ein offenes Herz fanden. Ebenso unvergessen wird uns Sr. Veronicas herzlicher Charme und Humor bleiben, mit dem sie unzähligen dänischen Gruppen unseren Wein und Likör anzupreisen verstand. Auch hier gingen bei ihr Verkündigung, pastoraler Dienst und ein überzeugendes Verkaufstalent Hand in Hand.
Seelsorge am Nächsten, Zeugnisgeben für Christus und Liebe zur Gemeinschaft zogen sich als Ausdruck einer inneren Haltung durch ihr Leben. Gerade in den langen Jahren der Krankheit zeigte sich noch einmal in vielen kleinen Gesten der Dankbarkeit und der Geduld, wie tief und echt diese Haltung bei ihr war. Immer wieder betonte Sr. Veronica, dass Gott seit ihrer Kindheit den Mantel seiner Liebe und Barmherzigkeit über sie gebreitet und alles gut gemacht habe. Diese Gewissheit trug sie auch in schweren und dunklen Stunden. Wir danken Gott für das Leben unserer Sr. Veronica und für die vertrauensvolle Hoffnung, die sie ausstrahlte. Möge sie ruhen in seinem ewigen Frieden.

Wir bitten um das Gebet für Sr. Veronica.
Die Schwestern der Abtei St. Hildegard und Familie Erichsen

Das Auferstehungsamt feiern wir am Donnerstag, den 29. Januar 2026, um 11.00 Uhr.
Anschließend ist die Beisetzung auf dem Klosterfriedhof.

Schauend von fern,

gewahr’ ich Gottes Macht, die kommt

– Wolkendunkel bedeckt die ganze Erde –

Eilt ihm entgegen…

Diese vier kurzen Zeilen entstammen einem Adventslied aus den frühen Anfängen des Christentums, das wir traditionsgemäß am Vorabend des Ersten Advent in den Vigilien singen. So alt es auch ist, so sehr kann es auch uns heute ganz tief aus dem Herzen sprechen.

„Schauend von fern“  – Sehnsucht und Verheißung liegt in diesen Worten. Kennen wir nicht auch Situationen, in denen wir lernen mussten und müssen, mit einer nur geahnten, letztlich aber unerfüllten Sehnsucht zu leben? Der Advent ist eine Zeit, in der uns unsere Sehnsucht nach erfülltem Leben, nach Licht, Wärme und Geborgenheit ganz besonders bewusst wird.

„…Gewahr’ ich Gottes Macht, die kommt“ – in diesem Vers leuchtet der Psalm 80 auf mit seinem Ruf: „Wecke auf deine Macht; komm und erlöse uns“. Es ist der immer neue Ruf der Menschen nach Erlösung, nach Rettung und nach Heil. Es ist aber noch mehr: es ist der Schrei eines gläubig Vertrauenden, eines Menschen, der im Tiefsten weiß, dass Gott da ist, und dass er die Macht hat, unser Schicksal zu wenden.

„Wolkendunkel bedeckt die ganze Erde“. Was mag der Dichter dieses Textes hier vor seinem inneren Auge gesehen haben? Welche Dunkelheiten mag er gemeint haben? Die in seinem eigenen Herzen oder die in der nahen und weiten Welt? Jedem mag hier ganz Persönliches in den Sinn kommen. Auch dies gehört zur Grundstimmung des adventlichen Menschen, der sich aus dunkler Schwere heraus in das Licht der Hoffnung und des neuen Anfangs erhebt. Ist uns dieser Vers nicht aus dem Herzen gesprochen, gerade in einer Zeit, in der das Dunkel Überhand zu nehmen scheint und wir manchmal nur gegen alle Hoffnung hoffen?

„Eilt ihm entgegen“ – wem? Der Ankunft Gottes mitten hinein in unsere Welt. Die Kerzen sind dabei zum Sinnbild für adventliches Warten und Ausschauhalten geworden, für die Wachsamkeit und Bereitschaft. Wir könnten uns fragen: Warten wir eigentlich noch? Sind wir eigentlich bereit für die Ankunft Gottes – auch im eigenen Herzen? Dies ist ja das unterscheidend Christliche: dass dieser Gott Mensch geworden und uns so nahe gekommen ist, dass wir ihm ganz persönlich begegnen können. Versuchen wir doch in diesen Tagen des Advent wieder neu, sein Kommen durch die Intensität unserer Liebe, durch die Stärke unseres Glaubens und durch das Licht unserer Hoffnung zu erfahren und weiter zu schenken.

Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Advent.

 

Sr. Philippa Rath OSB

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Trotzdem

  • Sind Sie aus der Kirche ausgetreten und trotzdem gläubige Christen geblieben?
  • Sind Sie auf Distanz zur Kirche gegangen und trotzdem Suchende?
  • Sind Sie von der Institution oder einzelnen Vertretern verletzt worden und wollen trotzdem nicht aufgeben?
  • Haben Sie vielleicht ihren Glauben gänzlich  verloren, sind aber trotzdem auf der Suche nach Sinn? 

Dann seien Sie uns herzlich willkommen!

Wir Schwestern von der Abtei St. Hildegard möchten Ihnen einen Raum bieten, wo sie mit Gleichgesinnten zusammentreffen können, wo Sie sich Ihre Sorgen, Ihre Enttäuschungen und Ihren Frust frei von der Seele reden können, wo Ihnen jemand vorurteilsfrei zuhört, wo Sie sich geschwisterlich angenommen fühlen dürfen, und wo sich für Sie vielleicht neue Perspektiven eröffnen.

Wir laden Sie ein: zu Zeiten des Austauschs, zu Zeiten der Stille, zu Zeiten für alles Mögliche, vielleicht auch für  Gebet. 

Ihre Sr. Petra Knauer und Sr. Philippa Rath

Die Termine für unsere Trotzdem-Treffen 2026 sind:
Freitag, 06.03./ Freitag, 10.04./ Freitag, 08.05./ Freitag, 05.06. /Freitag, 03.07./ Freitag, 07.08./ Freitag, 04.09./ Freitag, 02.10./ Freitag, 06.11./ Freitag, 04.12., jeweils um 15.00 Uhr an der Klosterpforte

 

Ein Netzwerk entsteht

Inzwischen haben auch andere Ordensgemeinschaften eine Trotzdem-Gruppe ins Leben gerufen.

In DORTMUND sind die Termine für das erste Halbjahr 2026:

Donnerstag, 12.02. / Donnerstag, 12.03. / Donnerstag, 16.04. / Donnerstag, 21.05. / Donnerstag, 18.06,  jeweils um 18.30 Uhr

Die Abende können ohne Anmeldung besucht werden.

Leitung: Schwester Annette Eisele (annette.eisele@erzbistum-paderborn.de) und Pastor Stefan Tausch (stefan.tausch@katholisches-forum-dortmund.de)

Ort: Refugium, Propsteihof 5, 44137 Dortmund, Telefon: 0231 / 1848-112

 

Im Stadtkloster BAD MERGENTHEIM sind die ersten Termine für 2026:

Mittwoch, 04.03. / Montag, 13.04. / Dienstag, 19.05. / Donnerstag, 09.07., jeweils 19.30 – 21.00 Uhr

Die Abende können ohne Anmeldung besucht werden.

Leitung: Schwester Ursula Hedrich, Dr. Jonatan Burger, Jens Jörgensmann

Ort und Kontaktdaten:
Stadtkloster Bad Mergentheim
Sr. Ursula Hedrich
Marienstr. 1/1

97980 Bad Mergentheim
Tel.: 07931/4833790
E-Mail: srursula.Hedrich@drs.de 

 

Im Kloster NETTE sind die Termine für das erste Halbjahr 2026:

Donnerstag, 26.02. / Mittwoch, 18.03. / Donnerstag, 16.04. / Donnerstag, 21.05. / Mittwoch, 17.06., jeweils 19.00 Uhr 

Begleitung: Schwester M. Rita Niehaus, Michael Göcking, Reinhard Grave

Ort und Kontakt: Kloster Nette, Östringer Weg 120, 49090 Osnabrück

Anmeldung und weitere Informationen: schwester.rita@web.de

Nach fast einem Jahr Bauzeit konnten wir am 30. September endlich unseren neuen Aufzug einweihen. Auf diesen Moment haben Generationen von Mitschwestern seit 125 Jahgren gewartet. Der Bau war höchst kompliziert, da mehrere Gewölbe durchbrochen werden mussten, was höchste Vorsicht und große Präzision erforderte. Der Aufzug verbindet nun Kellergeschoss, Erdgeschoss und Obergeschoss und hat seinen Standort genau in der Mitte unseres Abteigebäudes. In einem kleinen Festakt dankten wir dem Architekten sowie allen beteiligten Firmen und vor allem unserer Sr. Klara Antons, die den Bau von der ersten bis zur letzten Minute kompetent und akribisch beaufsichtigt hat.

Feier anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung unserer Abtei am Samstag, 5. Juli 2025

Wir möchten diesen Festtag gerne mit Ihnen, unseren Verwandten, Freunden und Nachbarn und allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern feiern.

Programm:

Musikalische Einstimmung

14.30 Uhr: Begrüßung durch Äbtissin Katharina Drouvé

14.45 Uhr: Festvortrag von Sr. Dr. Klara Antons zum Thema:

„Grundsteinlegung. Raum für die Ewigkeit“

Grußworte

ca. 16.00 Uhr: Empfang und Möglichkeit zur Begegnung

17.30 Uhr: Vesper in der Abteikirche

 

Seien Sie uns herzlich willkommen. Wir freuen uns, Sie möglichst zahlreich begrüßen zu dürfen

 

„Eine Schatzkammer unerschöpflicher Gnaden“

 Es war ein langer und steiniger Weg bis hin zum Bau der heutigen Abtei St. Hildegard. Viele Hindernisse mussten im Vorfeld umschifft werden bis endlich am 2. Juli 1900 der Grundstein gelegt werden konnte. Auch damals war eine Klosterneugründung keineswegs selbstverständlich und nicht wenige fragten nach dem Sinn eines solchen Unternehmens. Umso größer waren dann die Freude und dankbare Anteilnahme der Bevölkerung an jenem historischen Montag im Jahr 1900 …

125 Jahre Grundsteinlegung der Abtei St. Hildegard. Lang ist es her und die Zeiten haben sich geändert, ist vielleicht der erste Gedanke. Doch sind die Zeiten wirklich so anders?

Über den 2. Juli 1900 berichten erstaunlich viele Quellen. Vier Artikel in der Rheinischen Volkszeitung, einer in Bohemia, der deutschen Zeitung in Prag, eine ausführliche Berichterstattung mit dem Wortlaut der Ansprachen, der Predigt in der Pfarrkirche und der Festrede am Bauplatz, in den Benediktus-Stimmen, einer in Prag herausgegebenen benediktinischen Zeitschrift, und nicht zuletzt in Briefen, von denen einer besonders heraussticht.

Es ist der Brief einer jungen Frau, Katharina Huschke, die als Lehrerin in Limburg den früheren Sekretär von Bischof Blum kennenlernte. Matthias Höhler, später Domkapitular, war mit Bischof Blum während des Kulturkampfes beim Fürsten Löwenstein auf Schloss Haid in Böhmen im Exil und erlebte dort die Entstehung der Idee einer Neugründung in Eibingen hautnah mit. So eng mit der Aufbruchsstimmung des Bischofs und des Fürsten verbunden, konnte er Katharina und eine weitere junge Frau, Maria Saling, begeistern, in die Abtei Solesmes in Frankreich einzutreten, die sich bereit erklärt hatte, deutsche Ordensanwärterinnen für die Neugründung auszubilden. Bevor sie 1893 dort eintrat, fuhr Katharina sogar nach Eibingen, um sich den Ort, der für die Klostergründung vorgesehen war anzusehen, einen Hang mit Weinbergen oberhalb des alten Klosters. Familiäre Gründe zwangen Katharina im gleichen Jahr noch nach Hause zurückzukehren, aber ihren Klostertraum begrub sie deswegen nicht. Nach dem Tod ihrer Eltern startete sie einen zweiten Anlauf in der Abtei St. Gabriel, auf die inzwischen die Gründung übergegangen war.

 

 

 

Katharina Huschke, Foto um 1900 (Archiv Abtei St. Hildegard)

 

 

 

 

Auch die Bauplanung der neuen Abtei brauchte viel länger als zunächst gedacht. Nachdem die Eibinger und Rüdesheimer Bürger sich beim Verkauf von Grundstücken für die Zahnradbahn übervorteilt gefühlt hatten, war es für den Fürsten fast unmöglich, eine genügend große Grundstücksfläche für die Neugründung zu erwerben. Der Plan, das alte Kloster wieder zu besiedeln wurde als undurchführbar fallengelassen und eine Fläche oberhalb von Eibingen erworben.

 

 

Bis 1893 für das Kloster erworbene Grundstücke. Brief von Matthias Höhler an Katharina Huschke. (Archiv Abtei St. Hildegard)

 

 

 

 

Nach dem plötzlichen Tod der Tochter des Fürsten Löwenstein, die als Gründungsäbtissin für Eibingen vorgesehen war, verschob sich die Gründung aufs Neue. Auch erschien eine französische Gründung so kurz nach dem Deutsch-Französischen Krieg unangebracht und es musste ein neues Gründungskloster gesucht werden. Dieses fand sich schließlich in der selbst erst 1889 gegründeten Abtei St. Gabriel in Prag, die zur damals im Aufschwung stehenden Reform-Kongregation der Benediktiner von Beuron gehörte.

Bevor nun Katharina im August 1900 in Prag eintrat, kam sie mit ihrer Schwester und einer Freundin zur Grundsteinlegung nach Eibingen und konnte so als einzige den Nonnen, die fünf Jahre später in die neue Abtei einzogen, als Augenzeugin von der Grundsteinlegung erzählen.

Am Morgen des 2. Juli 1900, einem Montag, fand in der alten Abteikirche ein Gottesdienst statt, in dem Johannes Ibach, Dekan aus Villmar, früherer Zentrums-Abgeordneter und „katholischer Wortführer“, predigte: „Wir begehen die für unsere Zeit seltene Feier der Grundsteinlegung eines Klosters.“ Auch damals war es also nicht selbstverständlich, ein Kloster zu gründen. Ibach rühmte zunächst die Eibinger Pfarrer Schneider und Schmelzeis, die sich um die Erforschung der Hildegardreliquien bemüht hatten, und nannte dann als Beweis der Echtheit die Anerkennung durch die Seherin Anna Katharina Emmerich. Weiter fragt er, was wieder erstaunlich heutig klingt: „Was braucht unsere Zeit mehr als geheiligte Stätten, worin das Lob des Herrn nicht verstummt und das beständige Gebet die Erde mit dem Himmel verbindet und die Erde befruchtet?“ Er versteht das Kloster als Energiequelle „für unserer so ganz in das Materielle versunkene Zeit, die allen Sinn und Geschmack für die Güter einer höheren Welt verloren hat.“ Wir nennen das heute „Andersorte“; Orte, die einladen, nach dem „Es muss doch mehr geben“ zu suchen.

Alle Berichte beschreiben dann eine sehr große Prozession „bei hundert Priestern und Tausende aus der Umgebung“, die zum Ort der Grundsteinlegung zog, die durch den Erzabt von Beuron, Placidus Wolter, vorgenommen wurde, da Bischof Dominikus Willi von Limburg plötzlich an Gallenkrämpfen erkrankt war. Als Grundstein war ein übrig gebliebener Stein vom Kaiseraltar aus Maria Laach geschickt worden, 40 x 40 x 30 cm groß; es wurde der Text der Gründungsurkunde verlesen, der die Stifter und alle am Bau Beteiligten benennt, und ähnlich endet wie die Predigt des Dekans Ibach: „Möge das Kloster zur unerschöpflichen Segensquelle werde.“

Der erkrankte Bischof von Limburg, Dominikus Willi, schickte zum 2. Juli ein Telegramm mit folgendem Inhalt:

„Durch Krankheit an persönlicher Teilnahme leider verhindert nehme ich am Feste im Geiste lebhaften Antheil und flehe, daß der über dem geweihten Grundstein sich erhebende materielle und geistliche Tempel auf Jahrhunderte Gott zu Lobe, der großen Familie des Hl. Benedict zum Troste, der ganzen Kirche und besonders dem Bistum Limburg zum Segen gereichen möge.“ (Archiv Abtei St. Hildegard)

Danach folgte dann die eigentliche Festpredigt durch den Prior der Abtei Emaus in Prag, Odilo Wolff, der von der Gründungsäbtissin aus St. Gabriel als ihr Vertreter für die Bauangelegenheiten eingesetzt worden war. Das Setting ist heute kaum vorstellbar: Er stand „auf dem höchsten Punkt der Grundmauern der Kirche und hielt in gewählter Sprache und mit weitschallender Stimme an die vieltausendköpfige Versammlung die Festrede.“ Ohne Verstärker, im Freien, und doch wurde er verstanden und die Predigt begeisterte, rhetorisch gut aufgebaut mit der wiederholten Frage: „Ist das Gebet denn eine soziale Tat?“ Mit heutigen Worten: Nützt ein Kloster der Gesellschaft?

Und wieder: „Es soll eine Quelle eröffnet werden des Segens und der Gnade für Volk und Land. … Ein Gottesbau, ein Haus, dessen Bestimmung es ist, der Ehre und Verherrlichung Gottes zu dienen. Doch vielleicht regt sich hie und da der Einwand, dass eine solche Gründung unzweckmäßig oder doch unzeitgemäß sei. Häuser für Kranke und Schulen, für Industrie und selbst für Wissenschaften oder Künste kann man sich noch gefallen lassen, diese haben doch eine soziale Bedeutung; aber ein beschauliches Kloster, was leistet das für die Gemeinschaft, was für die Gesellschaft? Die Zeiten sind anders geworden, sagt man, täglich wächst die Not, diese Nonnen in ihrer Klausur sind ein Luxus geworden, den können wir uns nimmer vergönnen, sie sind ein ‚unrentabler Anachronismus‘.“ Aber: „Glaube lehrt die Erde verstehen und den Himmel erkennen, die Zeit beurteilen und die Ewigkeit begreifen. … Und so wird dieses Kloster eine Schatzkammer, ein Fruchtspeicher unerschöpflicher Gnaden und Tröstungen werden für das ganze Land.“

Die Prozession zog zurück nach Eibingen, wo die Feier in der Pfarrkirche ihren Abschluss fand. Fünf Jahre später konnte das Kloster dann von 15 Nonnen aus Prag besiedelt werden. Sr. Benedikta, wie Katharina mit Ordensnamen hieß, und zwei Freundinnen, die sie für das neue Kloster begeistert hatte, gehörten dazu.

 

Sr. Dr. Klara Antons

Palmsonntag:

8.45 Uhr : Palmweihe

9.00 Choral-Hochamt

Gründonnerstag:

6.00 Uhr   Laudes

8.00 Uhr    Terz

18.30 Uhr   Abendmahlsamt

Anschließend Komplet (Vesper entfällt)

Karfreitag:

6.00 Uhr   Matutin

8:00 Uhr  Laudes

9.00 Uhr   Terz

12.00 Uhr  Mittagshore

15.00 Uhr   Gedächtnisfeier des Herrenleidens

19.30 Uhr    Komplet (Vesper entfällt)

Karsamstag:

6.00 Uhr   Matutin

7.30 Uhr   Laudes

8.45 Uhr   Terz

12.00 Uhr  Mittagshore

17.30 Uhr   Vesper

21.00 Uhr   Osternachtfeier

Ostersonntag:

7.00 Uhr   Laudes

9.00 Uhr   Choral-Hochamt

12.00 Uhr   Mittagshore

17.30 Uhr   Vesper

19.30 Uhr   Komplet

Ostermontag:

9.00 Uhr   Terz/Choral-Hochamt

12.00 Uhr   Mittagshore

17.30 Uhr   Vesper