Am 03. Oktober empfing unsere Mutter Dorothea Flandera OSB aus der Hand von Bischof Georg die Äbtissinnenweihe. Für Bischof Georg war dies die erste offizielle Amtshandlung. Mutter Dorothea wurde am 10. Dezember 1952 geboren und wuchs in Kirchhain auf. Sie studierte Mathematik in Marburg und trat nach dem Diplom 1979 in unsere Abtei ein. Ihr Wahlspruch ist das Petruswort aus Joh 21,7: „Es ist der Herr“ (Dominus ipse est).
PDF Download Faszikel Äbtissinnenweihe
PDF Download Predigt Bischof Georg
Der Begriff „Abt“, „Äbtissin“ geht zurück auf den biblischen Gebrauch des aramäischen Wortes „ab,abba“ = Vater, mein Vater, mit dem Jesus Gott voll Vertrauen und in inniger Vertrautheit ansprach. Seit den Anfängen des christlichen Mönchtums (Ende des 3. Jahrhundert) wurde dieser Titel denjenigen zuerkannt, die als charismatische Geistträger Vater bzw. Mutter für ihre Jünger und Jüngerinnen waren und die geistliche Leitung einer Gemeinschaft innehatten. In der Benediktsregel (um 530 verfasst) wird dem Abt bzw. der Äbtissin nicht nur die geistliche Führung zugedacht, sondern auch eine umfassende rechtliche und materielle Leitung des Klosters. Für den heiligen Benedikt vertreten Abt und Äbtissin die Stelle Christi im Kloster. Sie sind Vater, Mutter, Lehrer, Hirte und Arzt und müssen sich mehr um das Heil der ihnen anvertrauten Seelen als um den materiellen Zustand des Klosters mühen. Abt und Äbtissin werden von ihrer Gemeinschaft gewählt (mit Zweidrittelmehrheit). Während der heilige Benedikt noch voraussetzte, dass sie auf Lebenszeit gewählt wurden, sind Abt und Äbtissin heute gehalten, mit 70 Jahren ihr Amt in die Hand eines/r Jüngeren zu legen.
Der Abt und die Äbtissin empfangen die Abts,- bzw. Äbtissinnenweihe, die keine Weihe im sakramentalen Sinne ist, sondern eine feierliche Benediktion, ein feierlicher Segen. Die Weihe wird in der Regel vom Ortsbischof des jeweiligen Klosters – oder in Ausnahmefällen – von einem anderen Bischof vorgenommen. Sie weist eine Vielzahl von Parallelen zur Bischofsweihe auf und ist eingebettet in die Eucharistiefeier, genauer gesagt zwischen Predigt und Opferung.
Zu Beginn der Weihehandlung in St. Hildegard wurde die künftige Äbtissin von Bischof Georg ausführlich befragt:
Bischof: Bevor ich Ihnen die Weihe erteile, frage ich Sie, liebe M. Dorothea:
Sind Sie bereit, Ihren Gelübden treu zu bleiben, die Regel des hl. Benedikt zu beobachten und dazu auch Ihre Schwestern anzuleiten und sie so zur Gottesliebe, zu einem Leben nach dem Evangelium und zur schwesterlichen Liebe anzuspornen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie breit, durch Ihr monastisches Leben, mehr durch Tun als durch Worte, Ihren Schwestern den Weg des Heils zu weisen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, die Ihnen anvertrauten Schwestern zu Gott zu führen, und die Sorge für deren Heil als Ihre erste Pflicht anzusehen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, Ihre Schwestern anzuleiten, der monastischen Tradition treu zu bleiben und dem Wachstum des Volkes Gottes zu dienen durch ihr kontemplatives Leben, das seine Frucht in der Verborgenheit bringt?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, den Besitz des Klosters treu zu verwalten zum Wohl der Schwestern, aber auch der Armen und der Gäste?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, der heiligen Kirche allezeit zu dienen, und dem Papst sowie seinen Nachfolgern Treue, Gehorsam und Ehrfurcht zu erweisen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, Ihrem kirchlichen Oberen, gemäß dem kanonischen Recht und den Ordensstatuten, in der Leitung Ihres Klosters Gehorsam zu erweisen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Dazu helfe Ihnen der Herr mit seiner Gnade; er beschütze und behüte Sie immer und überall.
Alle: Amen.
Nach der Befragung folgten die Allerheiligenlitanei, während der die Äbtissin – wie bei der Diakonen,- Priester- und Bischofsweihe – ausgestreckt auf dem Boden lag. Nach den Fürbitten folgte das große Segensgebet, dessen Grundgedanken weitgehend der Benediktsregel entnommen sind.
Segensgebet
„Wir preisen dich, Gott, allmächtiger Vater: Denn du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, damit er den Menschen diene und als guter Hirte sein Leben hingebe für seine Herde.
Wir bitten dich: Segne + und stärke deine Dienerin Dorothea, die zur Äbtissin dieses Klosters erwählt ist. In deiner Kraft sei sie allen ein Vorbild im klösterlichen Leben; in deiner Gnade sei sie würdig des Namens „Äbtissin“, den sie von nun an tragen wird. Das Wort ihrer Weisung wirke als Sauerteig in den Herzen ihrer Schwestern, damit sie deinem Willen in allem folgen. Allezeit lass sie bedenken, welch schweres und mühevolles Amt sie übernommen hat: Menschen auf dem Weg des Heiles zu führen und der Eigenart vieler zu dienen; sie wisse, dass sie mehr vorsehen als vorstehen soll. Gib ihr ein wachsames Herz, damit sie keine von denen verliere, die du ihr anvertraust. Unter der Führung deines Geistes trage sie Sorge für alles. Sie halte Maß und treffe ihre Weisungen, so dass ihre Schwestern wachsen in der Liebe zu Christus und zueinander und den Weg deiner Gebote mit weitem Herzen laufen. Erfülle deine Dienerin, Herr, mit den Gaben deines Geistes, damit sie sich zusammen mit ihren Schwestern dem Lob deiner Herrlichkeit hingebe und dem Dienst an deiner Kirche. Sie soll Christus nichts vorziehen und ihre Schwestern lehren, ihn über alles zu lieben. So werden sie auch, wenn er dann am Jüngsten Tag kommt, gemeinsam Anteil erhalten an deinem Reich.“

Nach dem Segensgebet übergab Bischof Georg Mutter Dorothea, die Benediktsregel mit den Worten: „Leiten und bewahren Sie die Gemeinschaft nach dieser Regel.“ Danach steckte er ihr den Äbtissinnenring an, der die Treue zu Gott und zu ihrer Gemeinschaft symbolisiert. Mutter Dorothea wird den Äbtissinnenring und auch das Brustkreuz unserer am 2. Juli verstorbenen Mutter Clementia Killewald tragen. Schließlich erfolgte die Übergabe des (Hirten)-Stabes als Zeichen ihres Amtes. In der Tradition unserer Abtei wird der Äbtissinnenstab über die Generationen hinweg jeweils an die neue Äbtissin weitergegeben. Der kostbare Stab, den Mutter Dorothea nun in Empfang genommen hat, ist im Beuroner Kunststil gefertigt und war einst ein Geschenk zur Weihe der Gründeräbtissin der wiederbegründeten Abtei St. Hildegard, Regintrudis Sauter, am 8. September 1908.

„Das ist mein Platz“ – ein Film über Sr. Judith
Schwester Judith Nessel ist Goldschmiedin. Doch die Aufträge in ihrem Atelier werden weniger. Das hat einen bestimmten Grund.
Schwester Judith Nessel ist Benediktinerin im Kloster St. Hildegard bei Rüdesheim und gelernte Goldschmiedin. In früheren Jahren hatte sie viele Aufträge vor allem für Primizkelche für Neupriester oder liturgische Geräte. Heute konzentriert sie sich auf Schmuckarbeiten und private Goldschmiedeaufträge.
Beim Klick auf das Bild geht zum Film.
Jahreschronik Advent 2015 – Advent 2016
Jahreschronik„Es ist der Herr“ (Joh 21,7)
Im Kind von Bethlehem den Herrn erkennen – das war die große Herausforderung der Hirten und der Könige an der Krippe.
Dem Herrn in allem und überall begegnen – das ist unser Wunsch für uns und das wünschen wir auch Ihnen.
Chronik lesen mit Klick auf das Bild
IKONEN & IMPROVISATIONEN
KunstkellerKurzfilme zur Ausstellung „Punkt Omega“
HERZLICH WILLKOMMEN!
Samstag, 05. November 2016, 14.30 bis 16.00 Uhr (Treffpunkt vor dem Klostercafé)
Annette Philp, die seit 2012 mit der Kurzfilmreihe „Deutschlandlieder“ den Prozess nationaler Identitätsveränderung beobachtet, zeigt erstmals ein Programm von acht Filmen zum Thema Spiritualität und Religion, darunter auch Filme zu Hildegard von Bingen und Elisabeth von Thüringen. Dabei hat der neue Kurzfilm „Eibingen“ Premiere. Ihre Beobachtungen aus Deutschland werden von Bildern aus Indien ergänzt, die eine gemeinsame Grunderfahrung, eine Tiefendimension der Spiritualität sichtbar werden lassen.
Dr. Annette Philp ist Kunsthistorikerin, Kunstpädagogin und Filmemacherin.
Bildergalerie zur Äbtissinnenweihe
aebtissinam 3. Oktober
Am Montag, dem 03. Oktober, hat unsere Mutter Dorothea im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes in unserer Abteikirche die Äbtissinnenweihe empfangen. Der neue Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing, stand dem Pontifikalamt vor und spendete die Weihe. Mit ihm zusammen konzelebrierten mehr als 30 Bischöfe, Äbte und Priester, darunter Altbischof Dr. Franz Kamphaus, der ehemalige Diözesanadministrator des Bistums Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, der Limburger Weihbischof Dr. Thomas Löhr und der Präses der Beuroner Benediktinerkongregation, Abt Albert Schmidt OSB, Beuron.
Unsere Abteikirche war mit fast 600 Gottesdienstbesuchern, darunter viele Äbten und Äbtissinnen, Mitbrüdern und Mitschwestern aus anderen Ordensgemeinschaften sowie der Familie und Freunden von Mutter Dorothea bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine Bild,- und Ton-Übertragung auf den Kirchenvorplatz ermöglichte es vielen weiteren Besucherinnen und Besuchern, auch draußen an der Heiligen Messe und der Weihe von Mutter Dorothea teilzunehmen. Besonders gefreut hat uns auch die rege Anteilnahme der Rheingauer Bevölkerung.
Wir danken allen, die gekommen sind, für ihre Verbundenheit, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen Helferinnen und Helfern (nicht zuletzt der Eibinger Feuerwehr und dem Malteser Hilfsdienst) für ihre Unterstützung und ihre Mitfreude.
Ihre Schwestern der Abtei St. Hildegard
P.S. Die Kollekte in der Heiligen Messe wird zur Unterstützung von Projekten der Jugendhilfe Rüdesheim verwendet. Auch gegebenenfalls zugedachte Geschenke werden für diesen Zweck eingesetzt. Wer noch eine Spende in diesem Sinne überweisen möchte, hier die Kontoverbindung: Kontoinhaber: Abtei St. Hildegard; Konto-Nr: 4 003 414 014 Pax-Bank eG (BLZ 37060193); IBAN: DE 53 370601934003414014; BIC: GENODED1PAX
am 3. Oktober
Ablauf der Äbtissinnenweihe
aebtissinAm 03. Oktober empfing unsere Mutter Dorothea Flandera OSB aus der Hand von Bischof Georg die Äbtissinnenweihe. Für Bischof Georg war dies die erste offizielle Amtshandlung. Mutter Dorothea wurde am 10. Dezember 1952 geboren und wuchs in Kirchhain auf. Sie studierte Mathematik in Marburg und trat nach dem Diplom 1979 in unsere Abtei ein. Ihr Wahlspruch ist das Petruswort aus Joh 21,7: „Es ist der Herr“ (Dominus ipse est).
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PDF Download Predigt Bischof Georg
Der Begriff „Abt“, „Äbtissin“ geht zurück auf den biblischen Gebrauch des aramäischen Wortes „ab,abba“ = Vater, mein Vater, mit dem Jesus Gott voll Vertrauen und in inniger Vertrautheit ansprach. Seit den Anfängen des christlichen Mönchtums (Ende des 3. Jahrhundert) wurde dieser Titel denjenigen zuerkannt, die als charismatische Geistträger Vater bzw. Mutter für ihre Jünger und Jüngerinnen waren und die geistliche Leitung einer Gemeinschaft innehatten. In der Benediktsregel (um 530 verfasst) wird dem Abt bzw. der Äbtissin nicht nur die geistliche Führung zugedacht, sondern auch eine umfassende rechtliche und materielle Leitung des Klosters. Für den heiligen Benedikt vertreten Abt und Äbtissin die Stelle Christi im Kloster. Sie sind Vater, Mutter, Lehrer, Hirte und Arzt und müssen sich mehr um das Heil der ihnen anvertrauten Seelen als um den materiellen Zustand des Klosters mühen. Abt und Äbtissin werden von ihrer Gemeinschaft gewählt (mit Zweidrittelmehrheit). Während der heilige Benedikt noch voraussetzte, dass sie auf Lebenszeit gewählt wurden, sind Abt und Äbtissin heute gehalten, mit 70 Jahren ihr Amt in die Hand eines/r Jüngeren zu legen.
Der Abt und die Äbtissin empfangen die Abts,- bzw. Äbtissinnenweihe, die keine Weihe im sakramentalen Sinne ist, sondern eine feierliche Benediktion, ein feierlicher Segen. Die Weihe wird in der Regel vom Ortsbischof des jeweiligen Klosters – oder in Ausnahmefällen – von einem anderen Bischof vorgenommen. Sie weist eine Vielzahl von Parallelen zur Bischofsweihe auf und ist eingebettet in die Eucharistiefeier, genauer gesagt zwischen Predigt und Opferung.
Zu Beginn der Weihehandlung in St. Hildegard wurde die künftige Äbtissin von Bischof Georg ausführlich befragt:
Bischof: Bevor ich Ihnen die Weihe erteile, frage ich Sie, liebe M. Dorothea:
Sind Sie bereit, Ihren Gelübden treu zu bleiben, die Regel des hl. Benedikt zu beobachten und dazu auch Ihre Schwestern anzuleiten und sie so zur Gottesliebe, zu einem Leben nach dem Evangelium und zur schwesterlichen Liebe anzuspornen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie breit, durch Ihr monastisches Leben, mehr durch Tun als durch Worte, Ihren Schwestern den Weg des Heils zu weisen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, die Ihnen anvertrauten Schwestern zu Gott zu führen, und die Sorge für deren Heil als Ihre erste Pflicht anzusehen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, Ihre Schwestern anzuleiten, der monastischen Tradition treu zu bleiben und dem Wachstum des Volkes Gottes zu dienen durch ihr kontemplatives Leben, das seine Frucht in der Verborgenheit bringt?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, den Besitz des Klosters treu zu verwalten zum Wohl der Schwestern, aber auch der Armen und der Gäste?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, der heiligen Kirche allezeit zu dienen, und dem Papst sowie seinen Nachfolgern Treue, Gehorsam und Ehrfurcht zu erweisen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Sind Sie bereit, Ihrem kirchlichen Oberen, gemäß dem kanonischen Recht und den Ordensstatuten, in der Leitung Ihres Klosters Gehorsam zu erweisen?
Äbtissin: Ich bin bereit.
Bischof: Dazu helfe Ihnen der Herr mit seiner Gnade; er beschütze und behüte Sie immer und überall.
Alle: Amen.
Nach der Befragung folgten die Allerheiligenlitanei, während der die Äbtissin – wie bei der Diakonen,- Priester- und Bischofsweihe – ausgestreckt auf dem Boden lag. Nach den Fürbitten folgte das große Segensgebet, dessen Grundgedanken weitgehend der Benediktsregel entnommen sind.
Segensgebet
„Wir preisen dich, Gott, allmächtiger Vater: Denn du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, damit er den Menschen diene und als guter Hirte sein Leben hingebe für seine Herde.
Wir bitten dich: Segne + und stärke deine Dienerin Dorothea, die zur Äbtissin dieses Klosters erwählt ist. In deiner Kraft sei sie allen ein Vorbild im klösterlichen Leben; in deiner Gnade sei sie würdig des Namens „Äbtissin“, den sie von nun an tragen wird. Das Wort ihrer Weisung wirke als Sauerteig in den Herzen ihrer Schwestern, damit sie deinem Willen in allem folgen. Allezeit lass sie bedenken, welch schweres und mühevolles Amt sie übernommen hat: Menschen auf dem Weg des Heiles zu führen und der Eigenart vieler zu dienen; sie wisse, dass sie mehr vorsehen als vorstehen soll. Gib ihr ein wachsames Herz, damit sie keine von denen verliere, die du ihr anvertraust. Unter der Führung deines Geistes trage sie Sorge für alles. Sie halte Maß und treffe ihre Weisungen, so dass ihre Schwestern wachsen in der Liebe zu Christus und zueinander und den Weg deiner Gebote mit weitem Herzen laufen. Erfülle deine Dienerin, Herr, mit den Gaben deines Geistes, damit sie sich zusammen mit ihren Schwestern dem Lob deiner Herrlichkeit hingebe und dem Dienst an deiner Kirche. Sie soll Christus nichts vorziehen und ihre Schwestern lehren, ihn über alles zu lieben. So werden sie auch, wenn er dann am Jüngsten Tag kommt, gemeinsam Anteil erhalten an deinem Reich.“
Nach dem Segensgebet übergab Bischof Georg Mutter Dorothea, die Benediktsregel mit den Worten: „Leiten und bewahren Sie die Gemeinschaft nach dieser Regel.“ Danach steckte er ihr den Äbtissinnenring an, der die Treue zu Gott und zu ihrer Gemeinschaft symbolisiert. Mutter Dorothea wird den Äbtissinnenring und auch das Brustkreuz unserer am 2. Juli verstorbenen Mutter Clementia Killewald tragen. Schließlich erfolgte die Übergabe des (Hirten)-Stabes als Zeichen ihres Amtes. In der Tradition unserer Abtei wird der Äbtissinnenstab über die Generationen hinweg jeweils an die neue Äbtissin weitergegeben. Der kostbare Stab, den Mutter Dorothea nun in Empfang genommen hat, ist im Beuroner Kunststil gefertigt und war einst ein Geschenk zur Weihe der Gründeräbtissin der wiederbegründeten Abtei St. Hildegard, Regintrudis Sauter, am 8. September 1908.
Die neue Äbtissin der Abtei St. Hildegard
aebtissinUnser Konvent hat am Dienstag, dem 2. August 2016, die bisherige Priorin unserer Abtei, Sr. Dorothea Flandera (63) zur neuen Äbtissin und damit zur 40. Nachfolgerin der heiligen Hildegard gewählt. Mutter Dorothea stand der am 2. Juli verstorbenen Äbtissin Clementia Killewald seit 2004 als Priorin und Stellvertreterin zur Seite. Sie wurde am 10. Dezember 1952 geboren und wuchs in Kirchhain auf, wo sich ihre Eltern, die aus dem Sudetenland stammten, nach dem Krieg niedergelassen hatten. Nach dem Abitur studierte Mutter Dorothea Mathematik in Marburg und trat nach dem Diplom 1979 in unsere Abtei ein. 1985 legte sie ihre ewige Profess ab. Seit vielen Jahren leitet sie unsere klostereigene Restaurierungswerkstatt für kirchliche Archivalien; auch nach ihrer Wahl sieht sie dort noch täglich nach dem Rechten.
Philipp Schönborn – Punkt Omega
Kunstkeller„Der Punkt Omega ist bei Teilhard de Chardin der End- und Zielpunkt in der theologischen und philosophischen Betrachtung der Evolution. Dieser Endpunkt trägt den Namen Omega nach der Bibelstelle Offenbarung 22,13 „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Teilhard de Chardin sieht Leben und Kosmos in einer von Gott bewirkten kreativen Bewegung, die noch nicht an ihr Ziel gelangt ist. Kennzeichen dieser Bewegung ist die ständige Zunahme von Organisiertheit und organischer Einheit. Das Streben in diese Richtung, also der Motor der Evolution, ist für Teilhard die Liebe. Diese Liebe, die das letzte Ziel, nämlich die organische Einheit alles Seienden, bereits handelnd und leidend vorwegnimmt, war für Teilhard im Herzen eines einzigen Menschen vollkommen verwirklicht: nämlich in Jesus Christus. So benennt er Christus mit einem biblischen Hoheitstitel (Offb. 21,6) das Omega oder den Punkt Omega, das heißt Ziel, Richtung und Motor der Evolution.“ (Wikipedia)
In der Ausstellung ‚Punkt Omega‘ zeigt der Künstler Philipp Schönborn 80 Abbildungen von Christusköpfen aus allen Jahrhunderten. Ein Punkt auf der Stirn symbolisiert den nach Teilhard de Chardin benannten Punkt Omega, auf den die Evolution der Schöpfung zuläuft.
Schon für Hildegard von Bingen war Jesus Christus der Anfangs- und Endpunkt des Kosmos, der Guten Ordnung. Mit der Skulptur ‚Für Hildegard von Bingen‘ zeigt Philipp Schönborn eine freie fotografische Umsetzung des Reliquienschreines aus der Wallfahrtskirche in Rüdesheim/Eibingen. Eine zweite Skulptur in Schreinform ist der heiligen Elisabeth von Thüringen gewidmet.
Philipp Schönborn, geb. 1943 in Prag, in Österreich aufgewachsen, lebt seit 1964 in Deutschland. Als freier Photograph hat er Architektur, Gartenarchitektur und ab 1983 zeitgenössische Kunst dokumentiert. Seit 1990 arbeitet er künstlerisch mit den Themen Natur, Religion, Licht und Farbe. Sein bevorzugtes Mittel ist Photographie in Leuchtkästen oder Aluminiumrahmen (48 x 32 cm), meist mehrteilig und zu einem Bildobjekt verbunden. www.philippschoenborn.de
Ausstellungsdauer 14. August – 06. November 2016
Begleitprogramm zur Ausstellung:
Samstag, 05. November 2016, 14.30 bis 16.00 Uhr
Annette Philp, Kunsthistorikerin, Kunstpädagogin und Filmemacherin
In der Reihe ‚Deutschlandlieder‘ zeigt die Autorin Kurzfilme über spirituelle Orte, darunter auch Filme zu den Heiligen Elisabeth von Thüringen und Hildegard von Bingen.
Kunstkeller der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard
Öffnungszeiten Mi – So, 15.00 bis 17.00 Uhr
www.abtei-st-hildegard.de
Predigt beim Auferstehungsgottesdienst
aebtissinam 9. Juli 2016
Sehen, um zu gehen – Gehen, um zu sehen
Wir haben zwei bekannte, fast möchte ich sagen: berühmte Perikopen gehört – die Berufungsvision des Propheten Jesaja (6,1-8) und die Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdala (Joh 20,11-18). Der alttestamentliche Text ist für den heutigen Samstag in der Leseordnung vorgesehen. Auf den Abschnitt aus dem Johannesevangelium fiel die Wahl, weil Mutter Clementia sich einen österlichen Totengottesdienst gewünscht hat. Diese beiden Lesungen sind somit ungeplant und scheinbar zufällig zusammengetroffen. Doch beim näheren Hinhören wird deutlich, wie sehr sie einander entsprechen und einander ergänzen. Zwei gemeinsame Leitworte verbinden beide Texte: sehen und gehen.
Jesaja sieht den Herrn. Es ist ein im wahrsten Sinn des Wortes majestätischer Anblick: Thron und Tempel, die geflügelten Serafim über dem Herrn und ihr dreifacher Huldigungsruf, der die Herrlichkeit Gottes besingt, das Beben der Türschwellen und der Rauch im Tempel.
Jesaja ist erschüttert bis ins Mark: Weh mir, ich bin verloren! Er erschrickt nicht nur über den Anblick, sondern vor allem über sich selbst. Zu groß ist der Abstand zwischen dem, den er sieht, und dem, der er ist: Ich bin ein Mann mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den Herrn gesehen. Er fühlt sich nicht überfordert, sondern sozusagen über-beschenkt. Sein Zögern im Blick auf die eigene Person wird nicht verharmlost, sondern ernstgenommen. Im Bild der glühenden Kohle, die seine Lippen berührt, erfährt er Reinigung und Vergebung.
Mit geläutertem Herzen hört er die Frage Gottes: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Er wagt zu antworten: Hier bin ich, sende mich! Jesaja hat etwas von der Herrlichkeit und von der Gnade Gottes gesehen. Darum will er jetzt für diesen Gott gehen und sich von ihm in Dienst nehmen lassen: Sehen und gehen.
Was Jesaja sehen durfte, war für zu viel für ihn. Maria von Magdala sieht zu wenig – weinend steht sie am leeren Grab, und die beiden Engel, die sie sieht, können ihr nicht über ihren Kummer hinweghelfen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie sich umdreht, sieht sie Jesus. Doch sie erkennt ihn nicht, denn was sie sieht, ist so unscheinbar, dass sie die Gestalt, die vor ihr steht, für den Gärtner hält. Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Erst als Jesus sie mit Namen anspricht, weiß sie, wen sie da sieht. Wie bei Jesaja wird die Begegnung zur Berufung und Sendung: Geh zu meinen Brüdern! Und als erste verkündet sie die Osterbotschaft: Ich habe den Herrn gesehen.
Sehen und gehen: In dieser Spannung steht auch unser Leben und unser Glaube. Wir sind Augen-Menschen, darauf angewiesen, dass wir etwas sehen. Manchmal ist zu groß, was wir zu sehen bekommen, und wir erschrecken darüber, weil wir uns dann so klein vorkommen. Manchmal sehen wir zu wenig oder gar nichts und verlieren den Sinn und den Mut. Doch auch uns fragt Gott: Wen soll ich senden? Auch uns ruft er beim Namen, und wir können antworten mit unserem Leben, dürfen ihn entdecken und bezeugen.
Mutter Clementia hat etwas geahnt vom herrlichen Geheimnis Gottes. Ein Zugang war für sie von Anfang an die Musik. Als ihr bei den Jugendwochen in Maria Laach etwas aufging von der Schönheit des benediktinischen Lebens, ist sie nach Eibingen gegangen. Schon früher hatte sie sich in Dienst nehmen lassen, als ihr nach dem frühen Tod der Mutter die Sorge für die jüngeren Geschwister zufiel. In Eibingen diente sie als Infirmarin ihren Mitschwestern und damit dem Herrn, der sich gerade in den Kranken und Hilfsbedürftigen verbirgt und zeigt.
Als sie in einer schwierigen Landschaft im Jahr 2000 zur Äbtissin gewählt wurde, hat sie noch einmal gesagt: Hier bin ich, sende mich! Wie Maria von Magdala hat sie Gott gesucht und gefunden in den oft unscheinbaren und manchmal auch aufreibenden Aufgaben und Begegnungen, die ihr Dienst mit sich brachte. Sie hat dabei die Spannung ausgehalten und auch erlitten, die schon ihr Name ausdrückt; denn in der Milde – lateinisch clementia – liegen ja eine Güte, die nicht schwach, und zugleich eine Kraft, die nicht hart ist.
In ihrer schweren Erkrankung hat Mutter Clementia ganz neu Ausschau gehalten nach dem Herrn. Sie hat gelernt, ihren Tod österlich zu buchstabieren. Sehen und gehen: Wir hoffen mit ihr und für uns, dass am Ende des Wegs die Reihenfolge sich umkehrt und der letzte Schritt vom Glauben hinüberführt zum Schauen: Gehen, um zu sehen.
Abtpräses Dr. Albert Schmidt OSB, Beuron
am 9. Juli 2016
Dorothea Flandera OSB
neue Äbtissin der Abtei St. Hildegard
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Der Konvent der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Rüdesheim/Eibingen hat am Dienstag, dem 2. August 2016, die bisherige Priorin des Klosters, Sr. Dorothea Flandera (63) zur neuen Äbtissin und damit zur 40. Nachfolgerin der heiligen Hildegard gewählt. Mutter Dorothea stand der am 2. Juli verstorbenen Äbtissin Clementia Killewald seit 2004 als Priorin und Stellvertreterin zur Seite. Sie trat 1979 in die Abtei St. Hildegard ein und legte dort 1985 ihre ewige Profess ab. Als gelernte Diplom-Mathematikerin leitet sie seit vielen Jahren die klostereigene Restaurierungswerkstatt für kirchliche Archivalien. Die Schwestern der Abtei danken allen, die die Äbtissinnenwahl mit ihrem guten Gedenken begleitet haben und bitten auch weiterhin um das Gebet.
neue Äbtissin der Abtei St. Hildegard