Darstellungen zum Buch der Lebensverdienste Hildegards von Bingen
Die Werke Hildegards verdanken ihre Berühmtheit nicht zuletzt den Bildern, die die Visionen auf beeindruckende Weise darstellen. Die großartigen Miniaturen zu Scivias und zum Buch der göttlichen Werke sind weithin bekannt. Man soll an das Bild des sogenannten Lucca-Kodex denken, auf dem der Mensch in der Mitte des Kosmosrades steht, oder an die minuziöse Ausarbeitung der Engelchöre sowie an das mandalaförmige Gebilde des Weltalls in der Rupertsberger Prachthandschrift. Während diese Illustrationen bereits im Mittelalter entstanden sind, hat man zum Buch der Lebensverdienste, zum zweiten Hauptwerk Hildegards, bis lang keine Darstellungen geschaffen. Weiterlesen

Die Aufforderung zum Hören ist das Signalwort der Regula Benedicti (RB). Es eröffnet und strukturiert den gesamten Regelprolog und bringt programmatisch zum Ausdruck, wie der Mönch die Heilige Schrift lesen und lernen soll: als lauschender Hörer des Wortes, der das Ohr seines Herzens neigt (obsculta et inclina aurem cordis tui, RB Prol. 1). Überblickt man die Struktur des Regelprologs, so gruppieren sich um dessen Sinnmitte zwei Psalmenerklärungen: der Weg zum Leben (Psalm 34) und der Weg zum Wohnen im Zelt (Psalm 15).

Im Prolog der Regel steht Psalm 34 an exponierter Stelle und gibt dem eigentlichen Berufungsdialog (RB Prol. 9-18), der ganz und gar vom Hören geprägt ist, allein in diesem Abschnitt wird siebenmal das Wort audire/hören genannt, seine besondere Gestalt. Der Ordensvater Benedikt will ein flüchtiges Lesen verhindern und stellt darum an den Anfang seines Psalmenkommentars ein klangmalerisches Signal. Er mahnt dazu, mit „angedonnerten Ohren“ (adtonitis auribus, RB Prol. 9) auf die laut rufende Stimme Gottes zu hören und fügt subito piano nachforschend hinzu: „Und was sagt er?“. Die Frage „Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ (34, 13), wird in der Benediktusregel zu einer persönlichen Motivationsfrage, die vitale Bedürfnisse anspricht, die tieferen Beweggründe hinterfragt und herausfordernd ergänzt: „Wenn du wirkliches und ewiges Leben haben willst, dann …“ (RB Prol. 17). Der Mensch wird hier als homo viator vorgestellt, dem Psalm 34 als Kompass auf dem Lebensweg dient: „Ecce pietate sua demonstrat nobis dominus viam vitae“ (RB Prol. 20). Vor jeder menschlichen Initiative steht die Erfahrung, dass Gott es ist, der zuerst gesucht, angesprochen und herausgerufen hat. Zwischen Berufung und Zumutung liegt nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Lust und die Last der Freiheit, sich dieser unausweichlichen Grundentscheidung zu stellen, und sie persönlich zu beantworten.

Beachtenswert ist besonders der letzte Vers des Psalmenkommentars der Benediktusregel, der sinngemäß der Nukleus des Prologs ist: „Gürten wir uns [a] also mit Glauben und Treue [b] im Guten [c], und gehen wir unter der Führung des Evangeliums seine Wege [d], damit wir gewürdigt werden [c‘], ihn, der uns in sein Reich gerufen hat [b‘], zu schauen [a‘]“ (RB Prol. 21). Dieser kunstvoll gestaltete Vers, den man als kleinen Chiasmus darstellen kann, fasst Psalm 34 prägnant zusammen: Am Anfang steht der Aufbruch, das sich Gürten (34, 5). Am Ende das Ziel, das Sehen (34, 9). Der Glaube kommt aus dem Hören, dem Ruf und der Berufung (34, 3.12) und konkretisiert sich in der Übung guter Werke (34, 14f). Im Zentrum steht der homo viator, der der Führung und Schulung bedarf. Die Ausgangsfrage (34, 13) wird im Regelprolog mit dem Hinweis beantwortet, sich der Unterweisung der gesamten heiligen Schrift, die hier personifiziert wird, anzuvertrauen. Der Weg des Gehorsams, der Demut, der Gottesfurcht, des Lobpreisens, des Schweigens, des Leidens und der Liebe erweist sich als Weg konkreter Nachfolge. Im Kontext der Benediktusregel ist Christus selbst der Lehrer, der hier ruft und mahnt, und der sich unter der Chiffre des Weges an die Seite des Armen und Suchenden stellt. Vers 21 des Prologs veranschaulicht in nur einem Satz die zeitliche und existenzielle Erstreckung dieser lebenslangen Pilgerschaft: Vergangenheit: vocavit (er hat uns gerufen), Gegenwart: pergamus (lasst uns gehen), Zukunft: ut mereamur videre (damit wir gewürdigt werden, zu sehen).

Der kleine Psalmenkommentar der Benediktusregel zu Psalm 34 skizziert die Voraussetzungen, um das in Aussicht gestellte Ziel auch erreichen zu können. Er appelliert und ermutigt aber zugleich, möglichen Widerwertigkeiten zum Trotz, in dieser Schule (dominici scola servitii, RB Prol. 45) auszuharren und auf dem Weg der Gebote Gottes (viam salutis, RB Prol. 48) mutig voranzuschreiten; wissend, dass sich dadurch zwar nicht die Wegstrecke, wohl aber das Herz weitet. Die dialogische Dimension (Frage-Antwort, Anruf-Aufnahme) verdeutlicht zudem, dass ein persönliches Bekenntnis ein Ich und ein Du voraussetzt, das sich in einem Wir, in einer Gemeinschaft, erschliesst. Psalm 34 erschöpft sich nicht in Belehrungen und Entscheidungshilfen; die Weisung des Psalms ermöglicht ein Hineinleben in eine gesättigte Lebenserfahrung und Lebensform. Die persönliche Antwort vollzieht sich als ein Einstimmen, ein Aufnehmen und Aufgenommenwerden in die Entscheidung, die bereits als Gabe vorgegeben ist. In der Mitte des Psalms und im Zentrum des Regelprologs wird deutlich, dass dies ein immerwährender Lernprozess ist. Und mehr noch: Das Mitlernen und Mitfragen mit dem suchenden Menschen übersteigt jeden bloß organisatorischen Rahmen. Aus Paränese (I) und Theorie (II) will ein achtsamer, gereifter und lebendiger (Mit-)Vollzug werden.

Hüte deine Zunge!

Der Psalm dreht sich buchstäblich um den Spruch: Hüte deine Zunge! (Nezor LeSchoncha). Zum Lohn dafür verspricht David langes Leben und gute Tage. An diese erstaunliche Unverhältnismäßigkeit von Tun oder vielmehr Unterlassen und Ergehen hat einer der Tora-Riesen unserer Zeit, Rabbi Israel Meir HaKohen Kagan (1883-1933) aus Radin in Polen, mit einem umfassenden Regelwerk angeknüpft, das er nach Psalm 34, 13 unter dem Titel Sefer Chofez Chajim, Buch des Lebenbegehrenden veröffentlichte. Da Tora-Meister gewöhnlich nach ihrem Hauptwerk genannt werden, ruft man den Verfasser eines der bedeutendsten zeitgenössischen rabbinischen Kodizes (Mischna Brurah) allgemein Chofetz Chajim, Lebenbegehrender. Die Regel des heiligen Benedikt zählt 73 Kapitel, das 6. Kapitel befasst sich mit der Schweigsamkeit (De taciturnitate). Der Chofez Chajim widmet allein diesem Punkt 19 Prinzipien (Klalim) und 180 Regeln. In seinem Buch vom Zungenhüten (Sefer Schmirat HaLaschon) begründet er jene Disproportion von Imperativ und Sanktion mit drei moraltheologischen Überlegungen. Erstens ist die scheinbar lässliche Sünde der bösen Zunge (Laschon HaRa) ein folgenschwerer Anfangsfehler, der mehr als jede andere Sünde einen Rattenschwanz von weiteren Sünden nach sich zieht. Wer umgekehrt seine Zunge im Zaum hält, wird sich daran gewöhnen, nicht nur den Ruf, sondern auch das Eigentum und das Leben des Nächsten zu respektieren, so dass er sich mit der Zeit überhaupt keine Pflichtverletzungen mehr gegen ihn zuschulden kommen lassen wird (Tor der Erinnerung 1). Die Gesetze gegen üble Nachrede, Verleumdung, Beleidigung, Verhetzung, Anzeigen, Anklagen und dgl. erfüllen also auch einen wichtigen erzieherischen Zweck: sie lehren die Unantastbarkeit des Anderen. Der zweite Grund dafür, dass die Zunge das Organ der schlimmsten Sünde wie der größten Tugend sein kann, schöpft der Chofez Chajim aus der Lehre der Elemente. Betrachtet man nämlich die vier Elemente (Erde, Wasser, Luft, Feuer), dann erkennt man sofort, wie sehr die spirituellen Elemente die materiellen überwiegen, so dass die Letzteren geradezu als quantité negligeable erscheinen. Naturgemäß überwiegen deshalb auch Gebote und Strafen, die mit Wort und Geist zu tun haben, bei weitem sämtliche Gebote und Strafen, die mit dem Körper verbunden sind (ebd.). Der dritte Grund rührt aus den schweren Folgen, die auch gerechte Urteile haben können. Um es kurz und, anders als der Chofez Chajim, ohne kabbalistische Umschweife zu sagen: Urteile vergiften auch dann, wenn sie zu Recht fallen die Atmosphäre. Sie fallen keineswegs nur auf ihre Urheber zurück, sie setzen vielmehr Strafverfolgungen in Gang, die letztendlich allen Schaden zufügen und ein Gemeinwesen zerstören können. Es ist eigenartig, diesen strengen Rabbiner dem Übersehen der Fehler und Sünden, der Versöhnung und dem Frieden das Wort reden zu hören (Tor der Erinnerung 2). Aber gerade damit wird er unserem Psalm gerecht: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“

Martyrium

Während Psalm 34 im Officium per annum eher selten vorkommt, einzig Vers 9 als wohl ältester Kommuniongesang, wird er in der Liturgie für die Gedenktage der Märtyrer auffallend häufig vertont. Zum Introitus (Eingangsgesang) und als Graduale (Antwortgesang auf die erste Schriftlesung) deuten ausgewählte Verse und zentrale Begriffe den Zusammenhang von Bekenntnis und Verfolgung: beständiger Lobpreis (2), Gottesfurcht (10), Gottsuche (11), Errettung aus Ängsten (18), Leiden des Gerechten (20), Schutz (21).

Die Taufspiritualität der Alten Kirche greift diese Dynamik auf und deutet Psalm 34 in vielen Taufkatechesen für Taufbewerber und Neugetaufte als Lehrstück für ein entschiedenes Christsein. Die beständige Gottsuche (V. 5.11), die auch im benediktinischen Mönchtum fortwährendes Kriterium für die Echtheit einer Berufung bleibt (vgl. RB 58,7), wird Lernziel und Lerninhalt der Unterweisung. Der Aufruf zur Umkehr, zu der jeder Getaufte seiner Taufwürde entsprechend bleibend aufgefordert ist, verwirklicht sich in dem persönlichen Bekenntnis der Glaubenszusage und in der entschiedenen Passion für Gott: Leidenschaft und Leidensbereitschaft gehen Hand in Hand. Die mystagogischen Katechesen sehen daher eine Analogie zwischen Taufe, Mönchsprofess und Martyrium. Tauf- und Professriten tragen zunehmend einen personalen Sendungscharakter. So beginnt der Professdialog mit dem zentralen Vers 12 „Venite filii audite me timorem Domini docebo vos“, worauf der Profitent seine brennende Taufkerze zur Hand nimmt und mit einem Vers aus dem Buch Daniel antwortet: „Nun folge ich dir aus ganzem Herzen. Ich fürchte dich und suche dein Antlitz zu schauen. Herr, verlass mich nicht, sondern handle an mir nach deiner Güte und nach deinem großen Erbarmen“ (Dan 3,41f.). Der Wandel vom blutigen Martyrium der ersten Jahrhunderte zum sogenannten „weißen Martyrium“ des Mönchtums, führt damit zu einer neuen Lesart der Taufmotivation und auch der Psalmen. Der Lebensweg der entschlossenen Hingabe erschließt sich nun als beständige Ausrichtung des Lebens coram Deo: in lobpreisender Nachfolge und in einer konkreten Gemeinschaft (vgl. Ps 34, 1-11). So wird das Zeugnis (Griechisch: martyrion) auf Dauer gestellt, und die Gottsuche zur lebenslangen Aufgabe.

Psalm 34 prägt als Leitmotiv die Gesänge der Märtyrerfeste und verbindet Nachfolge und Hingabe des Einzelnen mit der Indienstnahme für alle. Wer ein glückliches Leben sucht (13), wird dies in der Gottesfurcht finden. Nicht fern aller Bedrängnis, sondern durch sie hindurch (20) ist die Güte des Herrn mit allen Sinnen zu erfahren (kostet, seht, 9). Die Gottesfurcht hat nichts mit krankhafter Ängstlichkeit zu tun. Sie kennzeichnet vielmehr das Leben in Gottes Gegenwart als beständige Suche und Hinwendung des Herzens. Da die Herzensbildung grundlegend für ein geistliches Leben ist, erscheint sie in der Benediktusregel als erste Stufe der zwölfstufigen Demutsleiter: „Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und hüte sich, Gott je zu vergessen.“ (RB 7,10). Wer nicht schon auf der ersten Sprosse ins Straucheln geraten will, darf diese nicht voreilig und allzu zielstrebig überspringen wollen. Als indica, als Wegweiser und Zeichen, markiert die Gottesfurcht den Anfang und die Fortdauer jedweder Unterweisung, die zum Leben führt (Ps 34, 12).

Schabbat

Das Gebet des Vorbeters David in der Höhle ist zum festen Bestandteil der Gebete der Synagoge und der Kirche geworden. In der Synagoge gehört er zu den Psalmen des Morgengottesdienstes am Schabbat (Psuke DeSimra). Dort figuriert er in den meisten Gebetsordnungen an zweiter Stelle nach Psalm 19. Man kann sich fragen, was der Psalm 34 mit dem Schabbat zu tun hat. Anders als in Psalm 92 fällt das Wort Schabbat nicht und auch das Schöpfungslob des Ps 19 fehlt. Andererseits deutet vielleicht der obstinate Siebener-Rhythmus, der die drei Teile des Psalms durchzieht auf den Schabbat. Versteht man unter Schabbat nicht nur den 7. Wochentag, sondern einen Daseinszustand, eine alternative Lebensform, dann zeugt die Wahl des Psalms für die Schabbat-Liturgie von einem tieferen Verständnis. Die Veränderung (LeSchanot) des Verstandes, die die Überschrift von David berichtet, ist in einem gewissen Sinn auch am Schabbat erforderlich, eine Umstellung der profanen Denkungsart, ähnlich wie die bei frommen Juden zu beobachtenden Umschaltung der Gangart von presto auf lento, der sogennante „Schabbesgang“. Ja, das gleiche Wort, Schnui, ist ein Begriff des Schabbat-Gesetzes, der besagt, dass eine verbotene Arbeit nicht strafbar ist, wenn sie am Schabbat anders, gleichsam mit der „Rückhand“ (Kilachar Jad) ausgeführt wird. Es stimmt, der Psalm enthält keine schöpfungstheologischen Anknüpfungspunkte, wohl aber befreiungstheologische. Man darf nicht vergessen, dass der Schabbat, wenigstens nach der zweiten Version der 10 Gebote eine Fiesta de la libertad ist, die den Auszug aus dem Sklavenhaus kommemoriert und allen Hausgenossen, vom Hausherrn bis zum Vieh Frei gibt (Deut 5, 14-15). In dieser sozialrevolutionären Hinsicht entspricht das Haus der Freiheit, der Höhle Davids, sie sind Reservate des Gebets, des Lernens, der Ruhe und des Glaubens.

Lebensprogramm

In den Apophtegmata Patrum, den Vätersprüchen des frühen Wüstenmönchtums, findet sich folgende Erzählung: „Die Brüder bringen zu Abbas Abraham Pergament und bitten ihn, einen langen Text zu schreiben. Aber er schreibt nur den Vers Psalm 34, 15: ,Meide das Böse, und tu das Gute, suche den Frieden, und jage ihm nach.‘ Die Brüder sagen ihm: ,Schreibe uns doch den vollen Psalm.‘ Doch er antwortet: ,Wenn ihr euer ganzes Leben dem Programm dieses einen Verses angepasst habt, dann werde ich euch einen anderen Text schreiben“ (Coll. Arm. X, 67).
Programmatische und pointierte Worte: Wer wissen will, wie gläubiges Leben gelingen kann, der benötigt, so legt es Abbas Abraham nahe, nicht umfassende Information, sondern ein „Lehrstück“, das sich durch den Vollzug erklärt und das die Reifung des Erfahrenden ermöglicht. Teilgabe an einer lebendigen Tradition will performative Lehre sein. Denn ein Lebensprogramm, das nur gedacht, aber nicht vollzogen wird, wäre nur die halbe Wahrheit und bliebe auf halber Strecke stehen. Daher gilt: meide, tue, suche, jage nach (34, 15). Ein solch zunehmend verständiges Sich-Einüben buchstabiert Psalm 34 von A bis Z durch.

Von Sr.Raphaela Brüggenthies OSB

Gott, der Vater und Schöpfer aller Dinge, mit bärtigem Antlitz, überragt die ganze Welt. Er sprengt den Rahmen des Bildes, denn er ist der Herr über alles, was ist. An seiner Brust trägt er das gewaltige Schöpfungsrad, das von der Kraft der Liebe, einer feurigen Christus-Gestalt gehalten und gleichsam umarmt wird. Die gestaltgewordene Liebe sagt von sich: „Ich habe jeden Lebensfunken entzündet. Mit Weisheit habe ich das All geordnet. ich bin das heile Leben. Alles hat seine Wurzel in mir.“
In der Mitte des Kosmosrades steht der Mensch. Der Blick des Betrachters bleibt zunächst wie gebannt auf diese androgyne Gestalt gerichtet, die den Menschen schlechthin symbolisiert. DerMensch steht aufrecht, ganz aufgerichtet, mit ausgebreiteten Armen, mitten im Fadenkreuz des Kosmos. Durch seinen Leib ist er eingeästet in die gesamte Schöpfung wie die Zweige in einen Baum. Seine Fingerspitzen berühren einen der Kreise, die sich um ihn herum befindet.
Nur langsam nimmt man auch die anderen Dinge wahr. Blaue und weiße Kreise sind da zu sehen, Schichten, die von außen nach innen den Äther, das Wasser, die Luft mit Wolken und Regen symbolisieren. Nach mittelalterlicher Vorstellung waren dies die Urelemente der Schöpfung. Genau in der Mitte des Bildes sehen wir eine braune Kugel. Sie steht für die Erde, auf der alles Leben sich ereignet.
Dann sind da, feine, goldene Linien, die die Kreise und auch den Menschen durchziehen und die unterschiedlichen Bereiche und Teile des Bildes mitenander verbinden. Ein geheimes Netzwerk entsteht, das Himmel und Erde, Mensch und Natur – ja alles Leben miteinander in Beziehung setzt. Jedes Geschöpf, so sagt Hildegard, ist von einem anderen abhängig, alles ist miteinander verbunden und aufeinander angewiesen, alles antwortet einander und hält einander in Spannung. Das Geheimnis des göttlichen Schöpfungsplanes, nach dem jeder Mensch in einem dreifachen Beziehungsgeflecht steht: nach oben zu Gott, nach rechts und links zu den Mitmenschen und nach unten zur Tier- und Sachwelt.
Im Übergang von den blauen zu den beiden roten Kreisen ist symbolisch das Windsystem dargestellt. Aus allen vier Himmelsrichtungen entsteigen Tierköpfe: Leopard, Wolf, Löwe und Bär. Von den Sternen rundum gehen Strahlungen aus, die wiederum alle Elemente des Kosmos erfassen. Ein Lichtnetz durchdringt so die ganze Schöpfung. Der Mensch aber hält das Weltennetz in seinen Händen. Er ist Geschöpf, aber auch Mitschöpfer Gottes.
„O Mensch“, sagt Hildegard, „du bist mir verantwortlich“. Jeder einzelne ist also existentiell in diese Verantwortung gerufen. Durch sein unterscheidendes Wissen um Gut und Böse kann er die Welt gestalten und aufbauen – sie aber auch ins Chaos stürzen. Die Entscheidung liegt bei ihm. Die Kraft zum rechten Tun aber muß er sich von Gott erbitten.
Hören wir zum Schluß einen Auszug aus dem Originaltext Hildegards zum Bild des Kosmosmenschen:

„Mitten im Weltenbau steht der Mensch. denn er ist bedeutender als alle übrigen Geschöpfe. An Statur ist er zwar klein, an Kraft seiner Seele jedoch gewaltig. Sein Haupt nach oben gerichtet, die Füße auf festem Grund, vermag er alles in Bewegung zu setzen. Was er mit seinem Werk bewirkt, das durchdringt das All. Wie nämlich der Leib des Menschen das Herz an Größe übertrifft, so sind auch die Kräfte der Seele gewaltiger als die des Körpers, und wie das Herz des Menschen im Körper verborgen ruht, so ist auch der Körper von den Kräften der Seele umgeben, da diese sich über den gesamten Erdkreis erstrecken. So hat der gläubige Mensch sein Dasein im Wissen aus Gott und strebt in seinen geistlichen wie weltlichen Bedürfnissen zu Gott. Immer richtet sich sein Trachten auf Gott, dem er in Ehrfurcht entgegentritt. Denn wie der Mensch mit den leiblichen Augen allenthalben die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben überall den Herrn. Gott ist es, den der Mensch in jedem Geschöpf erkennt. Weiß er doch, daß Er der Schöpfer aller Welt ist.“

Sr. Philippa Rath OSB

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen!“ Mit dem heutigen Fest beginnt die Zeit des Abnehmens. Die Tage werden kürzer und kürzer, bis dann ab Weihnachten, der Wintersonnenwende, das Licht, Christus, wieder wächst. Die auf Johannes veranstalteten volkstümlichen Sonnwendfeuer, bei denen auch Küchenreste und Gerümpel aller Art verbrannt wurden, sagen ein gleiches: „Ihr werdet das Alte wegwerfen, wenn das neue kommt.“ (Lev 26,10)

Eine Zeit des Abnehmens und Sterbens, der Bedrängnis auch nach dem Zeugnis des Martyrologiums: Die Feste der Martyrer der Urkirche liegen alle in der Zeit vom 24. Juni (64) bis 25. Dezember (303). In der Kirche, in der Liturgie und ihren Bräuchen inkarniert sich das Geheimnis: wir müssen das Abnehmen spüren, sehen (- das Nachlassen des Lichtes, das Sterben der Zeugen), damit wir wirklich mit unserem ganzen Sein, Christus, das Leben, erwarten.

Johannes sagt das auf anderer Ebene noch einmal: „Ich bin die Stimme, er ist das Wort.“ Ich bin die Hülle, er ist der Inhalt, das Wesen der Verkündigung. Um dieses Bild der Stimme, Stimme des Rufenden in der Wüste, ranken dann auch die Texte des Festes. Und auch hier zur Verdeutlichung um das Gegenteil: die Stummheit. Der Unglaube des Zacharias führt zur Stummheit, die Geburt des Johannes öffnet seinen Mund wieder – es ist jetzt die Zeit des Zeugnisses. Jetzt in dieser Zeit geschieht es: bereitet dem Herrn den Weg.

Der wichtigste Text des Propriums ist wohl der Hymnus Ut quéant laxis. So wie das Datum des 24. Juni ein zentrales für die Liturgiegeschichte ist, ist dieser Hymnus zentral für die Musikgeschichte, seit Guido von Arezzo (†1050) vor ungefähr tausend Jahren die Töne in aufsteigender diatonischer Folge nach den jeweils ersten Silben der einzelnen Halbverse der ersten Strophe benannte.[1] Dieser, die Musik so prägende Text heißt übertragen: Dass unsre Stimmen frei und hell erklingen / von deines Lebens Wundertaten singen / löse die Fesseln unsrer stummen Zungen, / heilger Johannes. Zeit des Zeugnisses – auch unsere Stimme ist gefragt – Johannes löse die Fesseln. Paul Diakon, ein Mönch von Monte Cassino hat diesen Hymnus im 8. Jh. verfasst. Die Legende erzählt, er sei auserwählt worden, das Exsultet zu verkünden, und merkte dann plötzlich, dass seine Stimme völlig versagte. So rief er den heiligen Johannes um Hilfe an, der seine Stimme heilte und zum Dank verfasste er den heutigen Hymnus.

Der lateinische Matutinhymnus wiederholt das Motiv, indem er singt: … dass nicht die Tugend scheitere an den Klippen strafbarer Lippen. Es ist für die Entwicklung der Welt notwendig, die Dinge beim Namen zu nennen. Seien es der Name des Johannes, die Namen der Töne, die Phänomene unserer Zeit.

Johannesgestalten zu werden, lädt das Fest uns ein. Stimme eines Rufers in der Wüste unserer Zeit: „Bereitet dem Herrn den Weg.“ Keine Posaune, sondern sacht und anklopfend wie das „parare vias eius“ in der Communio. Das Beitragsbild zeigt die Melodie…

 

Text: Sr. Klara Antons OSB

[1] Der fehlende Ton, das si (aus Sancte Johannes) wurde 1482 von Bartolomeo Ramis de Pareja eingeführt.

Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10, 30)
Mit anderen Worten, Jesus sagt: Gott und ich, wir sind ein Herz und eine Seele. Und es ist für uns gleich ob wir sagen „Mein Gott“ oder „Mein Herr Jesus“ – dahinter steht ein Herz voll Liebe für uns.
Das große Christusbild hier in unserer Kirche zeigt uns diese Offenheit. Kurz vor Beginn der Ausmalung dieses Gotteshauses hatte Papst Leo XIII 1899 die Welt dem Herzen Jesu geweiht. Sollte man nun nicht mit der angesagten Andachtsform mitgehen und den geplanten Christus mit einem großen, von Liebe strahlenden Herzen malen? Man entschied sich dagegen – nicht die moderne Form wurde gewählt, sondern eine zeitlose, bleibend gültige: Christus, Mensch und Gott, mit offenen, einladenden Händen. Wie man ja auch von einem guten Menschen sagt: Er trägt sein Herz in der Hand. Sein Tun offenbart, wie es in seinem Herzen aussieht.
Ursprünglich hatte aber das Untergewand des Christus eine Art Knopfleiste in der Mitte, deren unteres Ende vierpassförmig verbreitert war. Genau an der Stelle, wo die Darstellung des Herzens Jesu zu erwarten gewesen wäre. Wer es wollte, konnte das Herz Jesu darin sehen.
Wer es will, kann es auch heute noch sehen – das verwundete Herz Gottes, das uns zur Liebe, zur Barmherzigkeit ruft.
Denn wenn auch Barmherzigkeit ein sperriger Begriff ist, der nicht mehr unserer Alltagssprache angehört – inhaltlich ist die Rede vom Herzen, auch die vom Herzen Gottes nicht leer geworden. Als bei den Anschlägen in Paris 2015 ein junger Familienvater seine Frau und das kleine Kind die Mutter verlor, schrieb er, was um die Welt ging: „Ihr bekommt meinen Hass nicht!“ Bemerkenswert ist aber auch wie dieser Text weitergeht: „Wenn dieser Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Bild geschaffen hat, dann muss jede Kugel, die meine Frau getroffen hat, ein Wunde in sein Herz gerissen haben.“ Die Rede vom Herzen Gottes ist nicht tot. Und sie ist nicht eng.
Teilhard de Chardin erkennt genau das vor einem Herz-Jesu-Bild und betet: „So wird in plötzlicher Umkehrung sichtbar, dass Du, Jesus, durch die Offenbarung Deines Herzens unserer Liebe vor allem das Mittel geben wolltest, dem zu entkommen, was allzu eng, allzu scharf umrissen, allzu begrenzt an dem Bild war, das wir uns von Dir machten. Im Zentrum Deiner Brust bemerke ich nichts anderes als einen Glutofen; und je mehr ich dieses brennende Feuer ansehe, um so mehr scheint es mir, dass überall um es herum die Umrisse Deines Leibes zerschmelzen, dass sie über alles Maß hinaus größer werden, bis ich in Dir keine anderen Züge mehr erkenne als die Gestalt einer entflammten Welt.
Und weiter betet er: „Du, Der Du das Viele knetest, um ihm Dein Leben einzuhauchen, senke, ich bitte Dich, auf uns Deine mächtigen Hände, Deine zuvorkommenden Hände, Deine allgegenwärtigen Hände herab, diese Hände, die nicht hier oder dort berühren (wie es eine menschliche Hand tun würde), die vielmehr in die Tiefe sich hineinbegeben und uns gleichzeitig durch all das erreichen, was es in uns und um uns herum gibt. Bereite mit diesen unsichtbaren Händen zu dem großen Werk das irdische Bemühen, das ich Dir in diesem Augenblick darbringe.
Mag sich die bildliche Darstellungsweise des Herzens Jesu überlebt haben, der Inhalt ist aktuell. Wir suchen in unserer Welt nach Liebe, nach Barmherzigkeit, nach Wärme. Diese Liebe wird wachsen, wenn wir mehr lieben. Um uns herum wird es wärmer werden, wenn wir ein offenes Herz und ein offenes Ohr haben.
Wenn wir in die Worte des Evangeliums, in die Worte Jesu hineinwachsen: Ich und der Vater sind eins. Und dann beten: „Jesus, bilde unser Herz nach deinem Herzen.“ oder: „Jesus, bilde unsere Hände nach deinen Händen.

Text: Sr. Klara Antons OSB
Bild: Aquarellentwurf für die Ausmalung der Abteikirche von. P. Paulus Krebs

„Was stellen Sie sich unter Auferstehung vor?“

Diese Frage richtete 1981 im Wintersemester Prof. Karlheinz Müller an die Erstsemester in Würzburg. Nach einigen Antworten wurde die Studentengruppe immer stiller. Seitdem begleitet mich diese Frage und geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

1983 im Gemeindepraktikum sagte mir Pfarrer Siegfried Bauer in der Fastenzeit: Es gibt zwei Predigtmöglichkeiten für dich: Karfreitag oder Ostersonntag. Such dir eine aus. Ich halte nur eine! Nach anfänglichem Entsetzen und Protest wählte ich die Osterpredigt. Den Slogan, „Es gibt keinen Tod ohne Auferstehung“ entnahm ich damals der Überschrift einer Zeitschrift, die Taize herausgab. Später kam mir, dass es auch einen Slogan für den Karfreitag gibt: Es gibt keine Auferstehung ohne Tod!

Corona-Ikone

Februar 2021 – 2. „Corona-Februar“: Ich beginne eine Ikone zu schreiben. Das Motiv hatte ich mir schon lange vorgenommen: Maria Magdalena und der Auferstandene. Auch dazu gibt es Biographisches. Mein Taufname ist Maria. Während der Ausbildung zur Pastoralreferentin gab es einmal im Jahr Exerzitien bei der Mentorin des Geistlichen Zentrums in Würzburg, Heide Firnkes. In diesen Tagen wurde auch das Evangelium Joh 20,1.2.11-18 vorgelesen: die Begegnung Maria Magdalenas mit dem auferstandenen Jesus, den sie zunächst für den Gärtner hielt.  Bei der Stelle, als Jesus den Namen „Maria!“ rief, fühlte ich mich persönlich angesprochen und gerufen. Da hat Jesus „von innen“ angeklopft, wie es Kardinal Bergoglio am Vorabend seiner Papstwahl sagte, um dann hinauszugehen, und wir müssen ihm folgen, um allen zu sagen: „Ich habe den Herrn gesehen“. Nach so einer Erfahrung konnte ich plötzlich glauben, dass ER lebt. Die Ergriffenheit beim Hören des Evangeliums wiederholte sich immer wieder, bis dann die Erinnerung an die Ergriffenheit und der bloße Glaube blieb. Nun bin ich damit erst einmal in einer monastisch-kontemplativen Gemeinschaft gelandet. Da ist nichts mit „hinausgehen“. Oder doch? Soll vielleicht in diesem Jahr die Ikone ohne Worte etwas in dieser Pandemiezeit verkünden? Beim Schreiben der Ikone kam mir, dass es sich um eine „Rühr-mich – nicht – an –Ikone“ handelt, eine Corona-Ikone. Als Maria von Magdala nämlich auf den Ruf ihres Namens mit der erstaunten Anrede “Rabbuni! “ antwortet, sagt dieser zu ihr: „Rühr mich nicht an!“ Also Abstand! Nur keine Berührung! AHA-Regeln! Aber er sagt es nicht wegen eines Virus. Jesus erklärt, dass er noch nicht ganz beim Vater ist, den er jedoch seinen, aber auch unseren Vater nennt, seinen Gott und unseren Gott. Es ist, als wollte er damit ihn uns noch einmal zum Vater geben, zum Gott, der das Leben schenkt und das Leben ist, durch jeden Tod hindurch. Das muss auch Maria erkannt haben. Sie hat Gethsemani und Golgotha miterlebt. Und sie kann nun sagen, dass sie den Auferstandenen „gesehen“ hat, erlebt, gespürt hat, wie auch immer, sicher aber mit den Augen ihrer Seele, ihres Herzens. Und mit einem erfüllten Herzen wird sie nun zur Verkündigerin, zur Apostolin der Apostel. Sie weiß aber auch, dass ihre Vorstellungen sterben mussten. Ihre Ostererfahrung ist überwältigend anders als sie es erhofft hatte.

Und sie soll nicht bei ihr stehen bleiben, sondern weitergehen. Geh zu meinen Brüdern! Das Grab, zu dem sie sich aufgemacht hatte, ist leer. Jesus ist eben nicht im leeren Grab, wie er auch nicht in unseren leeren Kirchen zu sein scheint. Wir sollen ihn woanders suchen, in Galiläa! Dieses Galiläa von heute ist neu zu suchen.

Tomás Halik, der jetzt am 23. April 2021 vor den Zentralkomitee der Deutschen Katholiken eine sehr beachtenswerte Rede * gehalten hat über die Situation von Kirche und Glauben in der Pandemie, fragt darin auch: „Wo ist das Galiläa von heute? …Ich bin tief überzeugt, das Galiläa von heute ist die Welt der Suchenden, die in den Kirchen marginalisiert sind, die von der „organisierten Religion“ oftmals enttäuscht und verletzt wurden..“ Einen Baustein seiner Theologie nennt er den „Gedanken der resurrectio continua (der sich fortsetzenden Auferstehung) – eine Fortsetzung des Sieges Jesu über den Tod, über die Angst und die Schuld als ein lebensspendender Fluss, der in bestimmten Augenblicken in den persönlichen Lebensgeschichten der Gläubigen sowie der Geschichte der Kirche aus der Tiefe an die Oberfläche tritt – in den Augenblicken von Konversionen und Reformen, die durch Krisen und Prüfungen angekündigt werden.“

In meiner Osterpredigt damals als junge Studentin vor 38 Jahren sprach ich von der Auferstehung im Großen und im Kleinen und meinte damit diese sich in unsere Zeit hinein sich fortsetzende Auferstehung, die auch jetzt in dieser schwierigen und leidvollen Pandemiezeit Wirklichkeit ist. Die große Auferstehung, das Ostergeheimnis, die Realität des lebendigen Christus’, Gott und Mensch, und damit die Auferstehung des Menschen strahlt hinein in unser Leben, in das Leben jedes Einzelnen, jedes getauften Christen, aber auch hinein in unsere ganze Welt.

Wir befinden uns mitten im Garten mit einem leeren Grab! Der liebevolle, gütige Blick des Auferstandenen, des Rabbunis, möge auf allen Menschen spürbar, heilend, neues Ansehen gebend und segnend ruhen.

Sr Francesca Redelberger OSB

 

 *https://www.zdk.de/veroeffentlichungen/reden-und-beitraege/detail/Situation-von-Kirche-und-Glauben-in-der-Pandemie-Tomas-Halik–452y/

Ein Wort der Hoffnung können wir uns niemals selbst zusprechen. Hoffnung muß ein anderer uns zusagen, einer, der es gut mit uns meint, einer, der die Grundmelodie unseres Herzens kennt und sie uns zuruft, wenn wir sie vergessen haben. Einem verzweifelten, orientierungslosen und suchenden Zeitgenossen rief Hildegard von Bingen vor 900 Jahren zu: „Schau auf zum Herrn, und die Welt wird neu!“
„Schau auf zum Herrn, und die Welt wird sich verändern, weil du sie mit neuen Augen siehst“ – das ist, meine ich, ein wahrhaft prophetisches Wort: zeitlos gültig und heute so aktuell wie damals. Ein Wort, das Richtung weist, auch uns. Vielleicht ist dieses Wort sogar der Schlüssel zu einer neuen Hoffnung. Denn ohne Hoffnung können wir nicht leben. Wo keine Hoffnung ist, da stirbt Leben, da öffnen sich keine Türen mehr, da bleibt alles verschlossen und versinkt in einem Sumpf von Resignation und Verzweiflung. Wir erleben solches heute, doch seien wir getrost: auch zur Zeit Hildegards waren solche Gefühle und Stimmungen keineswegs unbekannt.

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Liebe Gottesdienstbesucher!

Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation gelten für  die Feiertage gelten folgende Regelungen:

Es besteht eine generelle Pflicht, in der Kirche medizinische Masken zutragen; die „AHA“-Regeln sind zu beachten.

Wer an einem Gottesdienst oder einer der Gebetszeiten teilnehmen möchte, istz gebeten, sich vorher verbindlich anzumelden. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich, da in unserer Kirche nicht mehr als 38 Plätze zur Verfügung stehen.

Eine Anmeldung kann per Mail: sr.thekla@abtei-st-hildegard.de

oder schriftlich erfolgen.

Sollten sich mehr Gottesdienstteilnehmer/Interessenten anmelden als Plätze vorhanden sind, gilt: wer sich zuerst meldet, bekommt einen Platz.

 

Palmsonntag:  8.15 Uhr   Choral-Hochamt mit Palmenweihe (Beginn ist in der Kirche!)

12.00 Uhr   Mittagshore

17.30 Uhr   Vesper

 

Gründonnerstag:  6.00 Uhr   Laudes

8.15 Uhr   Terz

18.30 Uhr   Abendmahlsamt

Anschließend Komplet (Vesper entfällt)

 

Karfreitag:            6.00 Uhr   Matutin

8.00 Uhr   Laudes

9.00 Uhr   Terz

12.00 Uhr   Mittagshore

15.00 Uhr    Gedächtnisfeier des Herrenleidens

19.20 Uhr    Komplet (Vesper entfällt)

 

Karsamstag:          6.00 Uhr   Matutin

7.30 Uhr   Laudes

8.45 Uhr   Terz

12.00 Uhr   Mittagshore

17.30 Uhr   Vesper

21.00 Uhr   Osternachtfeier (Beginn ist in der Kirche)

 

Ostersonntag:       7.00 Uhr   Laudes

9.00 Uhr   Choral-Hochamt

12.00 Uhr   Mittagshore

17.00 Uhr   Vesper

19.00 Uhr   Komplet

 

Ostermontag:         8.15 Uhr   Terz/Choral-Hochamt

12.00 Uhr   Mittagshore

17.30 Uhr   Vesper

 

 

Einleitende Gedanken zu den Ich-Bin-Worten

Sobald ein Kind sagen kann: “Ich bin Paula…“, hat es einen entscheidenden Entwicklungsschritt in seinem Leben getan. Es hat erkannt, dass es eine eigenständige Person ist, ein ICH, unterschieden vom DU, das ihm gegenübersteht. Die auf den ersten Blick so unscheinbare Existenzaussage „Ich bin“ berührt den Mittelpunkt menschlichen Begegnens. Jede Begegnung mit einem Unbekannten zielt zunächst auf die direkte oder indirekte Frage: Wer bist Du? Wie bist Du? Das Sein des anderen, sein Ich, wird über die Entwicklung der Begegnung ebenso entscheiden, wie die Art und Weise der Begegnung. Viele Mosaiksteinchen sind es, die die Formel „Ich bin“ inhaltlich füllen und mitteilbar machen. Menschen mühen sich seit jeher darum, denn vom Kontakt mit anderen, von der Begegnung leben wir. Kein Mensch mit seinem individuellen „Ich“ bleibt in einer Gemeinschaft ohne Wirkung, er prägt und gestaltet sie mit, jedes Ich bekommt in der Gemeinschaft eine zusätzliche Dimension. Dabei ersehnen wir Begegnungen bestimmter Art, andere meiden wir lieber. Jede Begegnung hat Konsequenzen unterschiedlicher Tragweite. Die einen verblassen nach einiger Zeit, andere prägen Menschen und Kulturen. So ist die Erkenntnis und der Austausch des „Ich bin“ von Menschen für das Gelingen menschlichen Lebens unabdingbar. Für uns Christen stellt sich darüber hinaus die Frage: „Gott – wer ist das? Wie ist er – auch: Ist ER? Sagt auch er von sich „Ich bin …“, damit Begegnung mit ihm stattfinden kann?

Das Alte Testament beantwortet diese Frage im Buch Exodus. EX 3,14: „Der brennende Dornbusch“. Gott offenbart sich Mose als der ICH-BIN-DA. Gottes Wesen ist es, da zu sein. Er ist der Seiende schlechthin und als dieser ist er auch für uns Menschen da. Durch diese Selbstoffenbarung wird es Mose möglich zu sagen, wer ihn gesandt hat. Erst durch die Offenbarung wird Gott „mitteilbar“. Alle weiteren Beschreibungen und Bilder für Gott in der Bibel (Wasser, Licht, Brot, Guter Hirte …) zeigen auf, dass es einen einzigen Gott gibt und wie er sich zur Welt verhält. Die verwendeten Bilder sind ein Versuch, etwas von Gottes Wesen zu offenbaren, auf die Frage nach dem Wer bist DU? zu antworten. Allen Bildern zu eigen ist, dass sie nur ein Bruchstück vom Wesen Gottes aufzeigen. Gott ist so, aber er ist zugleich auch der ganz andere, der Fremde und Unfassbare.

In der Person Jesu findet die Selbstoffenbarung Gottes als der ICH-BIN-DA und die Erwartung der Menschen auf das Kommen des verheißenen Retters ihre Vollendung. Gott kommt den Menschen in Jesus Christus in einer Art und Weise nahe, die nicht zu überbieten ist. Er wird Mensch, einer von uns. Dies erlebten die ersten Christen in der direkten Begegnung mit Christus, dies können auch wir heute erfahren: in der Begegnung mit Menschen, aus der Beschäftigung mit der Heiluigen Schrift.

Die sieben Ich-Bin-Worte im Johannesevangelium, um die es heute geht, wollen in besonderer Weise deutlich machen, wer und wie Gott zu uns Menschen ist. Bei Johannes geht es um eine Identifizierung Jesu Christi mit dem Inhalt des jeweiligen Bildes, nicht um ein bloßes Gleichnis für Christus. Der Inhalt ist bei allen Bildern derselbe: Das Leben und die Frage an jeden einzelnen: Wer ist Gott für dich! Das Ich-bin gibt dafür Glauben und Vertrauen. Wer erkannt hat, wer Jesus und wer damit Gott ist und für ihn ist, wie nah Gott uns ist und wie sehr er sich um uns sorgt, der muss diese Erkenntnis verlebendigen, in sein Leben umsetzen und andere daran teilhaben lassen.

Die Bilder stammen alle aus dem Alltagsleben Jesu und waren für die Menschen seiner Zeit eingängig und verständlich. Für uns heute sind einige verständlich, andere dagegen fremd, oder ihre Aussagkraft hat sich verändert. Gemeinsam ist den sieben Ich-bin-Worten ihr Aufbau: auf die Selbstvorstellung „Ich bin …“ (Ich bin der Weinstock) folgt die Konsequenz, d.h. eine Aufforderung zum Tun – Wer in mir bleibt. Diese mündet dann ein in eine Verheißung: bringt reiche Frucht.

Das Bild des Weinstocks ist sicherlich den meisten von uns fremd. Wer kennt sich schon im Weinbau aus, hat schon einmal einen Weinstock gesehen, weiß, welche Arbeit und Mühe für die Pflege eines Weinberges notwendig ist. Und doch verbindet jeder bestimmte Gedanken und Vorstellungen damit, wenn er dieses Wort hört. Wer schon einmal selbst im Weinberg gearbeitet hat, wird dieses Bild plötzlich ganz neu verstehen. Für mich, die ich bis zu meinem Klostereintritt nie etwas mit Weinbau zu tun hatte, begann das Weinstockbild sehr lebendig zu werden, als ich die verschiedenen Arbeiten zum ersten Mal selbst gemacht habe. Ich möchte Ihnen nun aus meinen eigenen Erfahrungen etwas über die Arbeiten im Weinberg erzählen.

Das Bild des Weinstocks und Weinbergs ist in der Bibel ein sehr wichtiges und zentrales. Es sind nicht wenige Stellen, gerade im Alten Testament, die davon sprechen. Nimmt man alle Wörter, die mit Wein zu tun haben, kommt man auf 513 Stellen, allein der Begriff Wein kommt 54 mal vor.

Was ich ihnen über die Weinbergsarbeit erzähle, beruht auf dem heutigen Stand. Vieles hat sich seit der Zeit Jesu leicht verändert.

Der Weinstock ist eine Kletterpflanze, die nach Möglichkeit ein Spalier oder eine andere Vorrichtung braucht, an der sie hochklettern kann. So pflanzte man zurzeit Jesu oft einen Feigenbaum und eine Rebe nebeneinander (1Kön: … und jeder saß unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum, solange Salomo lebte). Die Rebe besteht aus mehreren Teilen: Die Wurzeln, die den Rebstock mit Wasser versorgen, reichen oft metertief in die Erde. Auch in trockenen Gebieten oder in sehr trockenen Jahren, kann die Rebe somit gut überleben. Der Rebstamm, der 30-40 Jahre, sogar bis zu 80 Jahre alt werden kann, besteht aus sehr hartem Holz. An ihm wachsen die Reben, die dann die Trauben tragen.

Wird ein neuer Weinberg angelegt, muss zuerst der Boden bereitet werden. Die Fläche liegt ein, zwei Jahre brach. Dann wird die Fläche umgegraben, neue Erde aufgeschüttet, Steine entfernt und das Ganze fein säuberlich geebnet. Jeder Weinstock erhält den gleichen Standraum, genügend Platz, damit er alles Notwendige in ausreichendem Masse hat. (Jer 2,21: … ich aber hatte dich als Edelrebe gepflanzt, als gutes, edles Gewächs; Ez 17, 8: … er war doch auf guten Boden gepflanzt, an reichlich fließendem Wasser, um Zweige zu treiben und Früchte zu tragen und ein herrlicher Weinstock zu werden).

Ein Jungfeld braucht viel Pflege: Stöcke gießen, Unkraut hacken, Boden lockern. Die dünnen Stämmchen bindet man an Stützpfählen an, damit sie gerade wachsen und bei Sturm und Unwetter nicht abknicken. Alle Triebe, die am jungen Stock wachsen, werden bis auf zwei entfernt. Der Stock soll sich darauf konzentrieren, einen geraden, kräftigen Stamm zu bilden; Frucht zu bringen, ist erst später seine Aufgabe. Aus Holzpfählen und Draht wird eine Unterstützungsvorrichtung angelegt, die den Reben Halt bietet. Drei Jahre lässt man dem jungen Stock Zeit, sorgt sich um jeden Stock einzeln. Manche Winzer reden mit ihren Weinstöcken, damit sie gut gedeihen … (Ez 17,6: … und er wuchs heran und wurde zum üppigen Weinstock. Erst dann trägt er das erste Mal. Er darf aber nicht zu viele Trauben tragen, damit er seine Kraft für viele Jahre einteilt, überflüssige schneidet man ab.

Zurzeit Jesu war es oft üblich, den Weinberg mit einer Mauer zu umgeben, damit Tiere nicht die Früchte fraßen, aber auch, um vor Diebstahl der Trauben sicher zu sein. Zur Bewachung wurde eine Hütte oder gar ein Wachturm gebaut, in den zur Zeit der Traubenreife der Winzer zog und so seinen Weinberg bis zur Lese bewachte. Heute ist dies nicht mehr üblich.

Hat man nun alle Mühe und Sorgfalt bei der Pflanzung eines Weinberges angewandt, kann man sich nicht zur Ruhe setzen, vielmehr wiederholen sich Jahr für Jahr viele notwendige Arbeiten damit der Weinberg seinen Ertrag bringt (PS 80,5: … sorge für diesen Weinstock).

Im Winter, wenn die Reben ruhen, beginnt das Schneiden der Reben. Ohne beschneiden, würde der Rebstock wild wuchern und keine Trauben tragen. Bis auf einen Rebzweig, der ausgewählt wird, um die Frucht zu tragen, werden alle anderen abgeschnitten. Nach dem Schneiden erfolgt das sogenannte Ausheben. Alle übrigen Rebzweige müssen aus dem Stützdraht herausgezogen werden, damit die neuen Triebe Platz und Halt bekommen. Dies geschieht von Hand. Dafür braucht man oft Kraft und eine Schere, denn die Rebzweige klammern sich fest an den Draht. Die trockenen Rebzweige werden gesammelt, aus dem Weinberg herausgetragen und verbrannt. Das Holz ist zu nichts anderem zu gebrauchen.

Beginnt der Fruchtsaft in die Rebzweige zu steigen, geht der Winzer zum Gerten in die Weinberge. Die Fruchtrute wird um einen der Drähte gebogen und festgebunden. Sinn dieser Arbeit ist es, die wachsende Rebe in eine Form zu bringen. Diese erleichtert es später die Trauben zu ernten und während des Jahres notwendige Arbeiten schneller zu erledigen. Wieder wendet sich der Winzer jedem einzelnen Weinstock zu. Er muss die Fruchtruten vorsichtig biegen, denn sie brechen schnell ab. Mitte bis Ende April beginnen die Reben auszutreiben. Tag für Tag kann man ihnen beim Wachsen zu schauen (Jes 24,17: Wie ein Weinstock trieb ich schöne Ranken, meine Blüten wurden zu prächtiger und reicher Frucht). Ca. 2-4 Wochen nach dem Austrieb beginnt das Ausbrechen. Man wundert sich, wie aus dem so tot wirkenden alten Stammholz, junge grüne Triebe wachsen können. Diese müssen entfernt werden, der Stock soll seine Energie nicht verschwenden, sondern in die Fruchtruten konzentrieren. Auch würde der Rebstock zu einem üppigen Strauch verkommen, an dem keine oder nur ganz kleine Trauben zu finden wären. Die Triebe werden von Hand entfernt. Da diese Arbeit nur in gebückter Haltung gemacht werden kann, ist sie gerade an heißen Tagen sehr anstrengend.

Sind die Triebe ca. 50 cm lang, werden sie geheftet. Die jungen Triebe werden von Hand in den Drahtrahmen eingesteckt. Zwei bis dreimal geht man durch die Weinberge, um den jungen Trieben durch das Einstecken Halt zu geben, denn gerade die grünen Triebe sind sehr empfindlich. Täte man dies nicht, würden sie bei Wind oder starkem Regen einfach abbrechen. Diese Arbeit ist zeitaufwendig, muss aber schnell geschehen, da zu dieser Jahreszeit plötzlich auftretende Gewitter einen ganzen Weinberg zerstören können (PS 78,47: … ihre Reben zerschlug er mit Hagel).

Im Sommer dann ist der einzelne Weinstock kaum vom anderen zu unterscheiden. Die Reben bilden eine grüne Laubwand, in der jeder Stock untergeht. Dieses Laub muss mehrfach geschnitten werden, damit die Rebe ihre Kräfte zur Ausbildung der Trauben gebraucht und nicht für ein unendliches Längenwachstum der Triebe. Der Winzer muss regelmäßig seine Weinberge mit wachen Augen kontrollieren, damit nicht Pilzbefall, Schädlinge oder Nährstoffmangel die Arbeit zu Nichte machen. Immer wieder muss der Boden aufgelockert, die Begrünung zwischen den Zeilen geschnitten, das Unkraut zwischen und unter den Stöcken kurz gehalten werden.

Dann blühen die Reben (Hld 2,13: … die blühenden Reben duften). Es ist eine risikoreiche Zeit, denn starker Regen oder Hagel gefährden die Blüte. Die Rebblüte selbst ist eigentlich unscheinbar, aber sie verbreitet einen feinen, intensiv süßlichen Duft ganz eigener Art. Nach der Blüte lässt sich das weitere Wachsen der Trauben gut verfolgen (Weish 51,15: … und wie nach dem Blühen die Trauben reifen). Haben die Beeren eine solch prächtige, geschlossene Traube gebildet, braucht es Sonne und trockenes Wetter, damit genügend Zucker in den Beeren entsteht. Das Wetter spielt eine wichtige Rolle, der richtige Lesezeitpunkt eine weitere. Er muss mit Glück und einem guten Blick auf die Qualität der Trauben gefunden werden. (Jes 62,9: Schick deine scharfe Sichel aus, und ernte die Trauben vom Weinstock der Erde; wer den Wein geerntet hat, soll ihn auch trinken). Jede Traube wird von Hand abgeschnitten, in einen Leseeimer geworfen. Dann kommt sie in den Legel und wird aus dem Weinberg getragen, dann auf den Traubenwagen geschüttet. Zu Hause wird der Wein gekeltert. Nach der Kelterung reift der Wein langsam heran und bedarf der ständigen Kontrolle und Umsorgung. Heute wird vermehrt maschinell gelesen. Die Arbeit der Lese und die damit verbundene Freude über die heimgebrachte Ernte, verliert ihren gemeinschaftlichen Charakter, gleichzeitig auch die Erfahrung, wie schwer es sein kann, in Kälte oder gar bei Regen zu lesen. Bei uns im Kloster ist die Lese, zu der immer viele Helfer und Freunde kommen, auch eine Art Fest. Es ist schön, die Ernte gemeinsam einzuholen und so die Mühe eines Jahres zu vollenden.

Der Weinstock hat nun seine Hauptaufgabe erfüllt. Die herbstlichen Tage mit Sonne und Wärme nutzt er, um Energien für den Winter im Holz einzuspeichern und für das nächste Jahr gerüstet zu sein. Langsam fällt der Fruchtsaft wieder, die Blätter fallen und bald schon kann der Winzer den Rebstock aufs Neue beschneiden, damit er im nächsten Jahr wieder reiche Frucht bringen kann.

 

Bibelarbeit zu Joh 15, 1-8

Fragen als Anregung, sich mit dem Text intensiver zu beschäftigen:

– Welche Verben werden genannt, von welchen Tätigkeiten wird gesprochen? (abschneiden, reinigen, wegwerfen, verbrennen, in ihm bleiben, Frucht bringen)

– Womit könnte ich sie in meinem/unserem Leben vergleichen, was bedeuten sie für mich?

– Was sagt mir das Bild des Weinstocks, des Weinberges? Wer ist Gott als Vater Jesu Christi für mich / für uns?

– Was wird über Christus gesagt und das Verhältnis zu seinen Jüngern?

– Wer ist Christus für mich im Hinblick auf das Bild des Weinstockes: hänge ich wirklich an ihm, bleibe ich in ihm? Wie sieht das konkret im Alltag aus?

– Stichwort bleiben: Was bedeutet dieses „Bleibt in mir“? Wie sieht das in meinem Leben aus? Wodurch geschieht Trennung von Christus?

– Versuchen Sie in einem Satz zusammenzufassen, worin für Sie die Hauptaussage des Textes besteht.

Stichworte für mich selbst:

  • Jesus allein ist der Erlöser gegenüber den vielen falschen Erlösergestalten, die nur vorgeben, es zu sein;
  • nur in Jesus selbst ist all das zu finden, was dem Menschen das Leben ermöglicht;
  • es geht um den Ursprung des Lebens schlechthin, der im Orient im Baum bzw. Weinstock als Urbild sichtbar und anschaulich wurde;
  • Gott allein ist der Winzer, er kontrolliert Wachstum und Fruchtbringen;
  • Fruchtbringen ist nicht aus eigener Kraft möglich, sondern nur in Verbundenheit mit Christus; Jesus als tragender Grund für ein fruchtbares Leben;
  • aus der geschenkten Gemeinschaft mit Christus erwächst eine Verpflichtung;
  • Wachstum, d.h. ein mehr an Glauben, ist mit Reinigen verbunden; Stillstand bedeutet abgeschnitten werden;
  • Mahnung zum Bleiben nicht als mystische Versenkung gemeint, sondern im Leben fruchtbar zu werden für … d. h. leben in Gemeinschaft mit Christus.

Von Sr. Thekla Baumgart OSB