In der Heiligen Schrift begegnen uns an vielen Stellen – im Alten und im Neuen Testament – sog. ICH-BIN-Worte Gottes oder Jesu. Allein im Johannes-Evangelium finden wir 26 Mal solch ein Ich-bin-Wort aus dem Mund Jesu. Und oft ist dieses Ich bin verbunden mit einem Bild, mit einem zumeist ganz einfachen, urtümlichen und selbstverständlichen Bild. Wir kennen sie alle, diese ‚Ich bin-Worte‘: Ich bin die Tür, der Weg, das Brot, der Hirt. In diesen Ich bin-Worten steckt Dreierlei: Da geschieht zunächst einmal Offenbarung und Selbstoffenbarung. Jesus sagt in diesen Bildern etwas von sich, wer er ist. Aber das ist nicht einfach nur eine Information – nach dem Motto: wir fragen, bekommen Antwort und sind hinterher schlauer als zuvor.

Nein, das, was Jesus von sich sagt, das geht noch weiter, das geht uns direkt und ganz persönlich an. Und darum steckt in diesen Worten neben der Selbstoffenbarung zum zweiten immer auch eine Einladung an uns: Wie stehe ich zu dem, was Jesus mir da von sich sagt? Was bedeuten diese Bilder für mein Verständnis und mein Verhältnis zu Jesus Christus. Wie ist mein Gottes-verständnis durch diese Bilder geprägt? Das wäre die zweite Ebene. Und drittens schließlich enthalten diese Ich-bin-Worte auch eine Verheißung und Berufung und damit ein Stück Antwort auf die Frage: Wer bin ich? Wer bin ich und was soll ich eigentlich?

Jedem einzelnen von uns sind diese Ich-bin-Worte ganz persönlich zugesprochen. Wir sollen sie uns zu Eigen machen. Ich persönlich bin das Brot, die Tür, der Weg, der Hirt oder die Hirtin. Es könnte also spannend sein, den Ich-bin-Worten einmal nachzugehen, sie in mir, in uns, in meinem und in unseren Leben konkret Wirklichkeit werden zu lassen.

Versuchen wir es jetzt einmal bei einigen ausgewählten Ich-bin-Worten :

Ich bin … das Alpha und das Omega

Gott ist der Urgrund allen Seins und das Ziel der ganzen Schöpfung. Er hält unser Leben umfangen – vom Anfang bis zum Ende. Das ist eine tröstliche Gewissheit, gerade in schweren Zeiten, zugleich aber auch eine Heraus-forderung an unseren Glauben. Glauben wir wirklich daran, dass er, Gott allein, das Alpha und das Omega ist, dass er den Anfang setzt und auch das Ende bestimmt? Wie steht es mit meiner Bereitschaft, Gott als den Herrn meines Lebens und der Geschichte anzuerkennen und nicht selbst über alles bestimmen zu wollen? Bin ich bereit, mich einzusetzen für die in Gott begründete Würde des Menschen – vom ersten bis zum letzten Atemzug?

Ich bin … der Ich-bin-da

Welch‘ ein Name ist das. Ich bin der Ich-bin-da. Gott ist immer und überall gegenwärtig. Er ist da, wo immer ich auch bin. Er ist über mir, er ist unter mir und er ist neben mir. Er steht hinter mir, er begleitet mich und geht mir voraus. In allen Begebenheiten meines Lebens, in allen Begegnungen und Widerfahrnissen spricht er mich an. Wenn wir daran wirklich glauben, dann eröffnen sich neue Horizonte und neue Perspektiven. Dann lernen wir unser Leben als ein von ihm geführtes ganz neu kennen und lieben. Dann werden wir dankbare Menschen und können auch unbegreifliche Wege und uns fremd erscheinende andere Menschen annehmen. Denn der Ich-bin-da spiegelt sich in jedem Antlitz und in allem, was geschieht.

Ich bin … das Licht der Welt

Licht spendet Leben. Ohne das Licht, ohne die Sonne, würde kein Leben wachsen und reifen. Ohne das Licht können wir weder mit unseren äußeren Augen sehen noch mit unserem inneren Auge verstehen und begreifen. Denken wir an die Blindenheilungen in der Bibel. Jesus öffnet den Blinden die Augen im doppelten Sinn. Sie können wieder sehen und sie erkennen in Jesus Christus den menschgewordenen Sohn Gottes und folgen ihm nach. Mit wie viel Blindheit sind auch wir oftmals geschlagen. Nicht selten müssen wir ganz neu sehen lernen. Menschen und Ereignisse erscheinen dann in ganz neuem Licht. Ihr seid das Licht der Welt. Wenn wir uns das gesagt sein lassen, dann verändert sich unsere Sichtweise, dann wird die Welt in uns und um uns herum heller und neu.

Ich bin … der Weg

Gegen dieses Wort könnten wir innerlich rebellieren wollen. Wir wollen ja eigentlich nicht in Abhängigkeit geraten, uns manchmal lieber verlaufen, als dass wir uns von einem anderen den Weg weisen lassen. Vom Weg reden, heißt immer auch von Bewegung sprechen. Wer sich auf den Weg macht, der gerät in Bewegung, der bleibt nicht, wo er ist, und der bleibt auch meist nicht, wie er ist. Das kann Angst machen, unbequem sein und mühsam. Andererseits gilt aber auch: wer sich nicht auf den Weg macht, kommt nicht weiter – innerlich und äußerlich. Ich bin der Weg. Niemand kommt zum Vater außer durch mich, so hat Jesus uns gesagt. Jesus macht es uns dabei nicht leicht. Er verspricht uns nicht einen geraden und einfachen Weg, einen Weg ohne Umwege, Kreuzungen, Gabelungen, Seitenwege und Stolpersteine. Aber er sagt uns zu: wenn wir IHM und unserer Sehnsucht folgen, den Weg unseres Lebens – wie immer er auch sein mag – unter die Füße nehmen, dann finden wir Gott. Dann finden wir auch uns selbst und den Sinn unseres Lebens.

Ich bin … die Tür

Jeden Tag gehen wir durch ungezählte Türen. Türen sind etwas Selbstverständ-liches und zugleich Denkwürdiges, ja Merkwürdiges. Sie sind im wahrsten Sinn des Wortes ein Zwischending. Weder ist da einfach eine Mauer, noch ist da einfach ein grenzen- und schrankenloser Übergang. Diese eine Stelle, nämlich die Tür, ist es, die uns den Durchlass gewährt. Türen ermöglichen allerdings das Hindurchgehen in zwei Richtungen: hinaus aus dem Raum, dem Haus, dem Gehäuse, aus der Enge und Begrenztheit ins Freie und in die Weite. Oder umge-kehrt:  aus der Weite, aus der Zerfahrenheit auch, aus dem Herumschweifen in die Begrenzung, Überschaubarkeit und Geborgenheit. Es kommt darauf an, dass wir beide Richtungen kennen- und unterscheiden lernen. Manche Komödie und manche Tragödie unseres Lebens entsteht nämlich aus der Verwechselung der Richtungen: dass wir hinausstürmen und meinen, es geht ins Freie, und setzen dabei die Geborgenheit aufs Spiel; oder dass wir hineindrängen, weil wir es draußen in der Freiheit nicht aushalten, und damit zurückkehren in die Enge und damit die Weite aufs Spiel setzen. Ich bin die Tür, sagt uns Jesus. Und ich denke, dass er für beide Richtungen gleichermaßen steht. Aber eines sagt er uns eben auch: „Wählt die schmale Tür“, die „enge Pforte“.  Das breite Portal wäre uns sicher oft viel lieber. Und er sagt uns auch: Ihr seid die Tür: Öffnet die Türen eures Herzens, eures Denkens und eures Tuns für Neues, für Unerwartetes, für die anderen und auch für Gott, den oft ganz anderen.

Ich bin … der wahre Weinstock

Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige“ sagt. Andererseits heißt es in der Heiligen Schrift: „Ich bin der Weinstock und der Vater ist der Winzer.“ Da ist also die Rede von einem Beziehungsgeflecht. In diesem ist Jesus der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Indem Jesus uns als die Rebzweige bezeichnet, ist gleich mit gesagt, dass es um Fruchtbarkeit geht, und dass die Voraussetzung dieser Fruchtbarkeit das Bleiben ist. „Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht.“ Bleiben, um Frucht zu bringen – das ist die Lebensaufgabe, die Gott jedem von uns zugedacht hat. Nur wer bleibt, kann wachsen, und nur wenn wir wachsen, erfüllt sich das Bleiben – nämlich im Fruchtbringen. Es gibt Menschen, die sich viel mühen und viel arbeiten, aber ihre Arbeit bringt nur wenig Frucht. Sie drehen sich oft nur um sich selbst – beziehungslos, ohne Ziel und ohne Sinn. Und wenn’s schwierig wird, dann ergreifen sie auf die eine oder andere Weise die Flucht. Standhalten im Leben, mit allem, was es gibt und was es bringt –  in der Hoffnung, dass wir an allem wachsen und reifen können. Das wäre eine Lebensaufgabe. Das ganze Abenteuer des Wachstums ist darauf angewiesen, dass wir mit Ihm, mit Christus, verbunden bleiben, dass wir mit ihm rechnen, immer und überall, dass wir mit ihm in Beziehung bleiben – in guten und in schweren Zeiten: „Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen.“

Ich bin … das Brot

Brot gehört zu unseren Grundnahrungsmitteln. Es ist uns tägliche Nahrung und nährt uns ganz elementar. Lassen wir einmal vor unserem geistigen Auge den Prozess des Brotwerdens und Brotbackens Revue passieren. Dieser Prozess trägt Züge einer Leidensgeschichte. Alles beginnt mit dem Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss. Nach der Ernte müssen die Körner gemahlen werden. Die Körner werden aufgerieben, zermalmt, kurz und klein gemacht. Das Mehl für sich wiederum ist nicht genießbar und noch kein Brot. Was jetzt noch fehlt, sieht wieder schlimm und schmerzlich aus: die Glut des Ofens, in dem das Brot gebacken wird. Die Geschichte des Brot-Werdens gleicht der Passionsgeschichte Jesu. Niemand ist so in die Erde gefallen, in die dunkle Einsamkeit wie Er. Niemand ist so aufgerieben worden wie Er. Und niemand hat das Feuer des Leidens so erfahren wie Er. Aber darum ist auch seine Fruchtbarkeit einzigartig und unvergleichlich. Niemand ist so Brot für die Menschen geworden wie Er. Und wie steht es mit uns, mit mir? Bin ich bereit, mich aufreiben zu lassen und auf dem Weg meiner eigenen Selbstwerdung, aber unter Umständen auch für andere durchs Feuer zu gehen? „Ihr seid Brot“ – das ist eine Einladung zu gemeinsamen Leben, zum Teilen, dazu, Nahrung zu sein für andere. Gleichwohl aber auch in dem Wissen, dass letztlich kein Mensch – auch kein uns noch so nahestehender – uns in unserer tiefsten Sehnsucht wirklich satt machen kann. Deshalb bleibt das Wort Jesu „Ich bin das Brot“ allezeit gültig. Denn nur in ihm haben wir Anteil am Brot des Himmels, am ewigen Gastmahl der göttlichen Liebe.

Ich bin … der gute Hirt

Dieses Wort zu hören, ohne sich gleich wie ein dummes Schaf zu fühlen, das nur dem Herdentrieb folgt, ist eine Herausforderung. Denken wir daran, was ein Hirte tut: er führt die Schafe auf gute Weiden, er kümmert sich um sie, er sorgt für sie, er beschützt sie, er kennt jedes einzelne ganz genau. All dies bedeutet also Hirte-sein. Hirte-sein kann aber auch Hingabe und Ernstfall bedeuten: einstehen für jemanden, hinstehen, das Leben geben. All dies ist in Jesus in einzigartiger Weise verwirklicht. Niemand kennt uns so wie er, und niemand kann jede einzelne von uns so beim Namen rufen wie er. Keiner kann uns so auf die Weide führen wie er, und niemand hat so sein Leben für uns hingegeben. Andererseits gilt aber auch: Ihr seid, d.h. wir sind Hirtinnen und Hirten füreinander – eine Einladung, auch selbst schöpferisch, kreativ, zu werden, eben weil die Sorge umeinander und Liebe zueinander erfinderisch macht. Stellen wir uns ruhig einmal ganz konkret vor, wie Leben sein kann, wenn wir wirklich füreinander Hirten und Hirtinnen sind. Und tauschen wir dabei in Gedanken ruhig auch mal die Rollen, so dass einmal ich das Schaf bin und der oder die andere der Hirt, und das andere Mal ich die Hirtin und der oder die andere das Schaf.

Ich bin … dein Arzt

Wann gehen wir zum Arzt? In der Regel dann, wenn es uns schlecht geht, wenn wir krank sind. Es kann auch seinen Sinn haben, zum Arzt zu gehen, wenn wir noch nicht krank sind – zur Vorsorge nämlich. Der kluge Patient beugt vor. Wir sollten uns nicht erst dann auf Gott besinnen, wenn es uns schlecht geht. Not lehrt zwar beten, heißt es. Besser ist es aber wohl, immer alles im Gebet Gott hinzuhalten – auch in guten Zeiten. Zu welchem Arzt geht man? Zum Allgemein­mediziner oder zum Facharzt. Wenn wir uns Gott als unseren Arzt vorstellen, sollten wir wissen: Der Herr ist der aller-allge­meinste Allgemein­mediziner, den es geben kann. Denn er ist nicht nur für die Seele und für unseren Geist zuständig, sondern eben auch für unseren ganzen Leib. Er kann uns in jeder Hinsicht heil machen – wobei das Heil, das er uns schenkt, nicht unbedingt mit unseren landläufigen Vorstellungen von Gesundheit übereinstimmen muss. Auch eine Krankheit kann uns im übertragenen Sinne heil machen, kann eine Herausforderung sein und uns neuen und ganz anderen Sinn finden lassen. Wie heilt Gott? Wie hat Jesus geheilt? Schauen wir hier z.B. auf die Heilung des blinden Bartimäus. Am Anfang steht immer die Frage: Willst Du gesund werden? Wollen wir wirklich gesund werden, wollen wir uns heilen lassen von unseren Gebrechen aller Art – seien sie körperlich, seelisch, geistig oder auch moralisch? Trauen wir Gott überhaupt zu, dass er uns heilen kann? Glauben wir daran? Erst wenn wir das für uns geklärt haben, greift Gott hilfreich ein – allerdings dann eben auch oft anders, als wir das erwartet haben. Machen wir ihm keine Vorschriften, sondern bleiben wir offen für sein heilendes Wort und sein heilendes Wirken an uns.

 

Ich bin … die Auferstehung und das Leben

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf – Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht – Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvoller Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Dieses Gedicht von Marie Luise Kaschnitz spricht von der Auferstehung mitten im Leben. Ja, es gibt sie: Kleine, alltägliche Ostererfahrungen: Leuchtende Kinderaugen. Ein Anruf von einem guten Menschen. Eine gute Nachricht, die den Tag bunt und ganz neu macht. Mitten im Gewohnten. Die Weckuhren, die in dem Gedicht so treffend den Alltag beschreiben mit seinen Zwängen und Vorgegebenheiten, sie ticken einfach weiter. Und trotzdem erscheint alles einen Moment lang „in geheimnisvoller Ordnung“. Wir sind hineingenommen in ein „Haus aus Licht“. Auch die Auferstehungsberichte der Evangelien erzählen davon, dass das ewige Leben schon jetzt beginnt – mitten im Leben. Wir dürfen gewiss sein, dass Gott selbst den Tod umfasst und verwandelt. Dass er stärker ist als alles Dunkle, alles Böse, alle negativen Kräfte. Und dass wir das schon hier und jetzt erfahren können: In den „kleinen Auferstehungen“ in unserem Leben. Ihren tiefsten Grund haben sie in der einen „großen“ Auferstehung: Denn Gott hat uns in Jesu Auferstehung ein „Haus aus Licht“ bereitet, dessen Trost und Kraft uns schon jetzt gegenwärtig ist. So setzt die eine „große“ Auferstehung unsere vielen kleinen Auferstehungserfahrungen ins rechte Licht.

 

Ich bin … bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt

Mit diesem Satz endet das Matthäus-Evangelium. Nach seiner Kreuzigung und nach seiner Auferstehung trifft Jesus seine Jünger in Galiläa, in ihrem Alltag, und spricht ihnen diese Worte zu: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Das ist sein Testament. Zusage und Verheißung, die nie wieder zurückgenommen wird, auf die wir uns verlassen dürfen, die gültig bleibt – immer und ewig. Er verlässt uns nicht, er ist immer da, er geht alle Wege mit uns. Darauf dürfen wir vertrauen – heute und alle Tage.

 

Von Sr. Philippa Rath OSB

 

Liebe Gottesdienstbesucher,

Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation haben wir unsere Gottesdienstzeiten geändert und werden die einzelnen Gottesdienste in angemessener Form gestalten.

Daher gilt für die Feiertage folgende Regelung:

Es besteht eine generelle Maskenpflicht in der Kirche. Wer an einem Gottesdienst oder einer der Gebetszeiten teilnehmen möchte, muss sich dazu vorher verbindlich anmelden. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich, da in unserer Kirche nicht mehr als 38 Plätze zur Verfügung stehen. Darum gibt es entsprechend abgezählte „Eintritts-Karten“.

Diese können per Mail: sr.thekla@abtei-st-hildegard.de angefordert werden.

Sollten sich mehr Gottesdienstteilnehmer/Interessenten anmelden als Plätze vorhanden sind, gilt: wer sich zuerst meldet, bekommt eine „Eintrittskarte“.

 

24.12.            15.00 Uhr      Weihnachtsvesper

                       17.00 Uhr      Vigilien von Weihnachten

                        21.00 Uhr      Christmette

 

25.12.            09.00 Uhr      Eucharistiefeier

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Weihnachtsvesper

 

26.12.            08.15 Uhr      Eucharistiefeier

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Vesper

 

31.12.             07.30 Uhr      Eucharistiefeier mit integrierter Laudes

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Vesper

1.1.2021        08.15 Uhr      Eucharistiefeier

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Vesper

 

Achten wir aufeinander und bleiben Sie wohl behütet!

Ihre Schwestern von St. Hildegard

 

Liebe Mitschwestern und Mitbrüder,

liebe Verwandte und Freunde!

In diesem für uns alle so besonderen Jahr haben wir uns entschlossen, keine größere Chronik, sondern einen Rundbrief zu schreiben, der mit dem Totengedenken für unsere am 06. Mai 2020 heimgegangene Sr. Christiane schließt.

Für vieles haben wir in diesem Jahr zu danken: für die Weggemeinschaft so vieler Menschen, die uns auf vielfältige Weise unterstützt haben, sei es materiell oder ideell, durch treue Mitarbeit, durch gelebten Glauben, durch das Teilen von Hoffnung und Sorge. 

Begonnen haben wir den Advent 2019 mit dem Wort: „In deinem Licht schauen wir das Licht“ aus Ps. 35 (36), das uns das Jahr über begleitet hat und auffordert, alles mit dem Blick Gottes anzuschauen und in Hoffnung den Weg mit dem Herrn zu gehen in allen Situationen. 

 

Jahresrundbrief als PDF weiterlesen

+  Liebe Schwestern und Brüder in den benediktinischen Klöstern in aller Welt,

zur Fastenzeit wünsche ich Ihnen den Frieden und grüße Sie herzlich aus Sant’Anselmo in Rom. Ich danke aufrichtig all denen, die bereits geschrieben haben, dass Sie uns in ihr Gebet mit einschließen: die Mönche in Sant’Anselmo, alle Mönche der Benediktinischen Konföderation und die Schwestern und Nonnen der Communio Internationalis Benedictinarum (CIB). Wir erleben gerade gemeinsam eine Zeit beispielloser Veränderungen in vielen Bereichen unseres Lebens. Wir alle haben gesehen, wie vieles von einem Moment zum anderen zum Stillstand gekommen ist: lang geplante Veranstaltungen; unser guter Wille, anderen zu dienen; die Vorbereitungen für unsere Feiern in der Gemeinschaft. All unsere Bemühungen, gesund zu essen und zu leben, scheinen plötzlich nutzlos zu sein, wenn das Virus in unsere Gemeinschaft eindringt. Mit dem Zusammenbruch des Reise- und Geschäftsverkehrs sind viele unserer Einnahmequellen durch unsere Gästehäuser, unsere Kurse und unsere Kleinbetriebe und Werkstätten eingebrochen oder sogar ganz verschwunden. Während all dies enttäuschend, entmutigend, beunruhigend und beängstigend sein kann, erinnert uns unser Glaube doch daran, dass alle Menschen, alle Dinge und alle Ereignisse in den Händen Gottes liegen, der uns liebt, sich um uns kümmert und für uns sorgt. Wir können an den im Advent so oft gebrauchten Namen Gottes denken: Immanuel, Gott mit uns – es ist ein göttlicher Name, der jeden Tag unseres Lebens wahr ist; Gott ist in der Tat mit uns. Wir dürfen das nicht einfach nur sagen, wir müssen es glauben und es auf eine Weise in die Tat umsetzen, die uns selbst und denjenigen, mit denen wir zusammenleben und denen wir dienen, Leben schenkt. Das ist unsere Ermutigung und unsere Stärke, während wir im Glauben unseren Weg gehen.
Am vergangenen Dienstagabend vor der Vesper hatten wir eine Zusammenkunft für alle Hausbewohner hier in Sant’Anselmo. Der Prior informierte die Gemeinschaft über die aktuelle Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf der Basis von Dokumenten sowohl der Regierung als auch der Kirche. Danach war Zeit für Fragen und Gespräch. Wir haben das Glück, dass einer unserer Mönche Arzt ist, der also die Situation gut versteht und auf Bedenken und Fragen antworten kann. Es ist Dom Alfio Catalano aus der Abtei Praglia in der Nähe von Padua. Ich schloss das Treffen mit einem geistlichen Impuls ab. An diesem Abend wollten wir bei der Vesper Psalm 125 beten. In diesem Psalm gibt es einen schönen Vers, der uns eine alte Wahrheit vermittelt, die auch heute noch für uns relevant ist. Der Text lautet in Vers 2: „Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk / von nun an bis in Ewigkeit.“ Das ist ein starkes Bild, über das wir nachdenken sollten. Tatsächlich sagt uns der Psalmist, dass wir in der Umarmung von Gottes liebevoller Fürsorge leben, die unser ganzes Sein umfängt. Gottes lebensspendender Schutz und seine Fürsorge umgeben uns, auch wenn wir sie nicht spüren. Aber wie die Berge, die fest an ihrem Platz stehen und Jerusalem umgeben, so bleiben Gottes zuverlässige und starke Arme ein Bild für die göttliche Kraft, die den Lauf der Weltereignisse lenkt, und dies gilt auch die Ereignisse, die wir jetzt alle erleben.

In diesen Tagen wurde mir die Frage gestellt, ob das Coronavirus eine Strafe Gottes für unsere heutige Welt sei. – Nein, das ist er sicher nicht. Wenn solche Katastrophen passieren, ist es ganz natürlich zu fragen: „Warum ist das passiert, woher kommt das, wer ist schuld daran?“ Dieselbe Frage findet sich im Lukas-Evangelium, als man Jesus nach den 18 Menschen fragte, die beim Einsturz des Turmes von Schiloach erschlagen wurden. Jesus antwortete: „Meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch.“ (Lk. 13,4-5a). Die Antwort Jesu an das Volk zeigte, dass ihre Interpretation falsch war. Es ist doch so, dass wir vieles einfach nicht wissen oder erklären können, und unsere menschliche Existenz ist angefüllt mit vielen unbeantworteten Fragen. Ein weiteres Beispiel findet sich im JohannesEvangelium, als die Jünger Jesus fragten: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt.“ (Joh 9, 2-3a) Jesus sagt den Jüngern, dass sie auf sich selbst schauen und in dem Licht wandeln sollen, das Jesus ihnen zeigt, d.h. dass sie ihm treu folgen sollen.

Gott führt und sorgt für uns weiterhin durch die engagierten Männer und Frauen in unseren Regierungen auf der ganzen Welt. Sie haben den Bedrohungen ins Auge geschaut, vor denen wir stehen und die wir durch die Ereignisse kennen, die sich von China über Italien und darüber hinaus ausgebreitet haben und weiter ausbreiten. Gott spricht zu uns durch sie und auch durch die Verantwortlichen in unserer Kirche, die uns aufgefordert haben, die Einschränkungen und Richtlinien zu befolgen, die die Ärzteschaft unseren Regierungen gegeben hat. Es sind Gesetze, die eingeführt wurden, um die Ausbreitung dieses krankmachenden Virus zu stoppen, Leben zu erhalten und diejenigen zu schützen, die am verwundbarsten sind – und im Grunde uns alle. Dieses Virus schaut nicht nach dem Alter, sondern bedroht uns alle. Die Einschränkungen setzen uns Grenzen in dem, was wir tun können, wohin wir gehen dürfen und wie wir miteinander umgehen sollen – alles zu unserem Nutzen. Diese Männer und Frauen sind ein Sprachrohr der Stimme Gottes, und in der menschlichen Kommunikation erkennen wir die göttliche Gegenwart. Wir dürfen glauben, dass unser Gehorsam und unsere Kooperation ein Beitrag zur Erlösung ist, wenn sowohl Leben gerettet werden als auch die Ausbreitung dieses Virus aufgehalten wird.

In einer italienischen Zeitung erschien dieser Tage ein Artikel über einen Arztes aus Norditalien, der Patienten behandelte, die am Coronavirus schwer erkrankt waren. Die Botschaft des Arztes kommt am besten zum Ausdruck, wenn ich seine Worte so weitergebe, wie sie der Journalist aufgeschrieben hat. In Italien darf niemand ein Krankenhaus zu betreten, um jemanden zu besuchen – kein Priester, keine Ordensschwester, kein Familienmitglied. Es ist also eine Geschichte über einen Priester, der ins Krankenhaus kam, weil er selbst an den Symptomen des Coronavirus erkrankt war. „Vor neun Tagen kam ein 75-jähriger Priester zu uns und bat um medizinische Hilfe. Er war ein freundlicher Mann, er hatte schwere Atemprobleme, aber er hatte eine Bibel bei sich, und es beeindruckte uns, dass er den Menschen, die im Sterben lagen, aus der Bibel vorlas und ihnen die Hand hielt. Wir Ärzte waren alle müde und entmutigt, psychisch und physisch erschöpft, und wir hörten ihm in dieser Verfassung auch zu. Wir sind an dem Punkt, an dem wir zugeben müssen: Als Menschen sind wir an unsere Grenzen gestoßen, wir können nichts mehr tun, und jeden Tag sterben mehr Menschen. Und wir sind erschöpft. Zwei unserer Kollegen sind gestorben, andere sind infiziert. Wir haben erkannt, dass wir die Grenzen dessen, was der Mensch tun kann, erreicht haben. Wir brauchen Gott, und wir haben begonnen, ihn um Hilfe zu bitten. Wir sprechen miteinander und können kaum glauben, dass wir, die wir überzeugte Atheisten waren, jetzt nach innerem Frieden suchen, indem wir den Herrn bitten, uns Kraft zu geben, damit wir uns um die Kranken kümmern können. Gestern starb der 75-jährige Priester. Trotz der Tatsache, dass in den letzten drei Wochen über 120 Menschen auf unserer Station gestorben sind und wir alle erschöpft sind und uns am Boden fühlen, ist es ihm gelungen, uns trotz seines eigenen Zustands und unserer eigenen Schwierigkeiten einen FRIEDEN zu bringen, den wir nicht mehr zu finden hofften. Der Priester ging heim zum Herrn, und bald werden wir ihm folgen, wenn es so weitergeht. Ich bin seit sechs Tagen nicht mehr zu Hause gewesen; ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal etwas gegessen habe; ich erkenne meine eigene Schwäche und mein Unvermögen auf dieser Erde, und ich möchte meinen letzten Atemzug der Hilfe für andere widmen.“1

Meine lieben Brüder und Schwestern, das Coronavirus stellt uns ein großes Geheimnis vor, ein Paradox, über das wir nachdenken müssen: im Leiden und im Tod gibt es Heilung und neues Leben. Der Gott, der unser Leben umgibt, ist in der Lage, Trauer, Leid und sogar Tod hinwegzunehmen und Seele und Leib zu heilen und zu einem neuen Leben zu bringen. Wir verstehen, dass aus den Worten dieses Arztes das Ostergeheimnis spricht; sein aufopferungsvoller Dienst hat Bedeutung in Gottes sich entfaltendem Plan für unser Heil und unsere Erneuerung. Die Verwandlung des menschlichen Herzens ist das Werk Gottes, und oft benutzt Gott uns als Werkzeuge der göttlichen Gnade, um das Leben der Menschen neu werden zu lassen. Deshalb können wir sicher sein, dass Gott inmitten aller Ereignisse der menschlichen Geschichte steht. Das heißt nicht, dass er sie herbeigeführt hat, sondern dass er der Herr der menschlichen Geschichte ist und wir nie weit von der erlösenden Hand Gottes entfernt sind.
Im Buch des Propheten Jesaja gibt es einen Moment, in dem das Volk und die Stadt Jerusalem von den assyrischen Truppen belagert werden. Der Feind steht schon vor den Toren und ist bereit zum Angriff. Als Israel überlegt, ein Bündnis mit Ägypten einzugehen, um die assyrischen Truppen abzuwehren, sendet Gott durch den Propheten Jesaja ein Wort als Gegenimpuls, das auch auf unsere heutige Situation bezogen werden kann. „So spricht Gott der Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillhalten und Vertrauen liegt eure Kraft.“ (Jes. 30,15) Rettung und Befreiung liegen nach wie vor in den Händen Gottes; unsere Aufgabe ist es, gelassen zu bleiben und zu vertrauen. Das ist keine leichte Aufgabe. Die Arbeit von Wissenschaftlern, Chemikern, Ärzten und Forschern haben in den letzten Jahrhunderten große Fortschritte möglich gemacht, um Katastrophen einzudämmen und drohenden Schaden von uns fernzuhalten. Gut und schön, aber wir haben jetzt gesehen, dass selbst die klügsten Köpfe und die qualifiziertesten Mediziner ratlos sind und darauf warten, dass sich eine Besserung abzeichnet. Jetzt ist also ein Moment für einen großen Glauben und für ein herausforderndes Vertrauen, während wir warten, wie Gott uns vorwärts führen wird. Der Psalmist sagt es anders: „Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin: erhaben über die Völker, erhaben über die Erde“ (Ps. 46:11). Gott erleuchtet den Verstand und die Herzen der Fachleute, so dass sie die Dinge auf neue Weise sehen und neue Entdeckungen machen können. Die Herausforderung für uns besteht darin, darauf zu vertrauen, dass Gott mitten in allen Geschehnissen gegenwärtig ist und uns vorwärts führen wird.
Für uns Benediktiner und Benediktinerinnen bleibt unser tägliches Gebet eine Quelle der Ermutigung, wenn unsere Gemeinschaften zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören und die Psalmen zu beten. Die Texte der Heiligen Schrift und der Psalmen vereinen uns, so dass wir in einer Stimme zu Gott schreien, und zwar nicht nur für uns selbst, sondern für alle, die in irgendeiner Weise Verluste erlitten haben. Manchmal haben mir Menschen gesagt, dass sie sich mit den harten

1 Marco Tosatti, “THE CRY OF A DOCTOR IN LOMBARDY. ABOUT THE VIRUS, DEATH AND GOD.” (Der Schrei eines Arztes in der Lombardei. Über das Virus, den Tod und Gott), 20. März 2020. Link zum englischen Original: https://www.marcotosatti.com/2020/03/21/the-cry-of-a-doctor-in-lombardy-about-the-virus-death-andgod/

und gewalttätigen Worten der Psalmen schwer tun, insbesondere mit denen, die in den Klagepsalmen zu finden sind. In diesem Augenblick, in dem so viele unter den Schmerzen eines fremden Feindes leiden, der in den menschlichen Körper eindringt und ihn schwächt, geben uns die Worte der Klagepsalmen eine Sprache der Solidarität mit denjenigen unserer Brüder und Schwestern in der Menschheitsfamilie, die Tod, Krankheit und Not erlitten haben und erleiden. Die Worte der biblischen Klagen verbinden unsere Stimmen mit jenen Menschen, die den erlebten Schmerz kaum ausdrücken können; wir können ihre Stimme zu Gott werden und um Gnade bitten oder nach einem Ende ihrer Gefangenschaft oder ihres Exils rufen. Ein tiefes Gefühl der Solidarität verbindet uns mit ihnen, denn gemeinsam bestürmen wir den Himmel sowohl mit unseren Worten als auch mit unseren Opfertaten. Wenn wir die Opfer, die von uns verlangt werden, mit Bereitschaft und einem Geist echter Nächstenliebe annehmen können, erfüllen wir die Worte Gottes, die uns durch den Propheten Jesaja gegeben wurden: „Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillhalten und im Vertrauen liegt eure Kraft.“ (Jes. 30,15) Die tägliche Praxis der lectio divina taucht uns in das Wort Gottes ein, in dem eine göttliche Stimme zu uns spricht und uns um eine Antwort bittet. Mögen wir mit offenem Herzen auf das hören, was Gott uns in den stillen Momenten sagen will, wenn wir in der Schrift seine Stimme voller Mitleid, Hoffnung und Frieden hören. In dieser täglichen geistlichen Übung kommen wir mit dem lebendigen Gott in Kontakt, der mit uns in Gemeinschaft und Austausch treten möchte. Lasst uns treu und hoffnungsvoll zuhören.
Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass mir bewusst ist, dass viele unserer benediktinischen Frauenklöster ohne Priester sein werden, um die Liturgie des Triduum zu feiern; und das gilt ebenso für viele unserer engagierten Laien, deren Pfarreien aus Sicherheitsgründen geschlossen sind, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Ich weiß nicht, wie genau die einzelnen Länder betroffen sind, in denen unsere Klöster liegen, aber es gibt Gemeinsamkeiten, die wir alle teilen. Unsere tägliche Feier des Stundengebetes bietet uns reiche geistliche Nahrung für unsere Gedanken und Meditationen und hat so den Glauben der Kirche seit Jahrhunderten gestützt. Die Psalmen wie auch die biblischen und die nichtbiblischen Lesungen erzählen die Geschichte des Geheimnisses, das wir in den Tagen des Triduums feiern, in einer Sprache, die uns die Größe des Ostergeheimnisses offenbart. Ich habe gelesen, dass einige Männerklöster ihre Liturgie live übertragen, damit die Schwestern, Oblaten und Oblatinnen sowie alle, die ihnen in ihrer Region verbunden sind, auf diese Weise an der Liturgie des Triduums teilnehmen können. Eine Oblatin aus meinem Heimatkloster schrieb mir, wie nahe sie sich den Mönchen von Conception Abbey fühlt, wenn sie jetzt jeden Tag die Laudes, die Vesper und die Messe am Bildschirm live mitfeiern kann. Die modernen Technologien geben uns eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten an die Hand, um die Liturgien des Triduums zu gestalten. Für uns alle, auch für die Mönche, wird das diesjährige Osterfest eine ganz neue Erfahrung sein, an die wir uns noch viele Jahre lang erinnern werden. Auch die Isolation, die wir alle erleben, kann zu einer Gelegenheit werden, tiefer nach innen zu schauen. Wir alle wissen, dass das lateinische Wort monachus/monacha sich auf jemanden bezieht, der allein ist. In der Erfahrung der Einsamkeit liegt die Gnade und die Chance, in uns einen tiefen Brunnen des Glaubens zu graben, in dem eine reiche Quelle sprudelt, und zwar in einem jeden von uns. Und wie klein unsere Gemeinschaft auch sein mag, wir können uns als Gemeinschaft versammeln, die von Christus zusammengeführt wird, denn er sagt uns, dass er dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, mitten unter uns ist. (Mt. 18,20)

Unser Charisma der Gastfreundschaft hat jetzt eine besondere Bedeutung, wenn wir liebevoll und kreativ denken und handeln. Für viele von uns ist es nicht möglich, Gäste aufzunehmen, andere zu unserem gemeinsamen Gebet einzuladen, oder unseren Mitarbeitern zu erlauben, bei uns zu arbeiten. Wie das Sprichwort sagt: „Nächstenliebe beginnt zu Hause.“ Unsere Offenheit und unsere Freundlichkeit gegenüber unseren Brüdern oder Schwestern in der
Gemeinschaft kann jetzt zu einem echten Ausdruck der Gastfreundschaft werden. Wenn jemand in der Gemeinschaft einsam oder ängstlich aussieht, wird ein freundliches Wort, ein Gruß oder ein einfaches Zeichen der Freundschaft zu einer Möglichkeit, unsere gegenseitige Fürsorge auszudrücken. Wenn wir innerhalb unserer Häuser verschiedene Bereiche haben, können wir uns Zeit nehmen, um einander zu besuchen, natürlich unter Wahrung der empfohlenen Distanz, und dies ist eine Weise sich zusammen dafür einzusetzen, die Krankheit zu bekämpfen und die Bande der brüderlichen oder schwesterlichen Wertschätzung zu stärken. Auch der Kontakt mit denen, die wir kennen und die vielleicht allein sind, ist eine weitere Möglichkeit, unsere Wertschätzung für unsere Verbindung als Freunde oder Mitglieder einer Familie auszudrücken. Gastfreundschaft lässt uns liebevoll die Hand ausstrecken, wo immer wir sehen oder wissen, dass jemand in Not ist.

Hier in Sant’Anselmo haben wir einige zusätzliche Gebetszeiten eingeführt: die Anbetung des Allerheiligsten, das Rosenkranzgebet und das Gebet für die besonders betroffenen Menschen in Italien. Unser gemeinsames Gebet schafft Vertrauen, baut Ängste ab und lässt uns eine Solidarität spüren, die uns alle in den Zwängen dieser Situation stärkt. Es sind Momente wie diese, in denen uns unsere menschlichen Besitztümer wenig bedeuten und in denen unser Glaube ein hochgeschätztes Geschenk ist, das uns befähigt, jederzeit selbstlos, großzügig und gütig zu sein. Wir bleiben stark in der Umarmung Gottes. Unser Gebet besitzt eine Kraft, die stärker ist als wir voll und ganz verstehen können, also lasst uns diesem täglichen Flehen an Gott für ein Ende dieser furchtbaren Krankheit treu bleiben. Und lasst uns aufmerksam auf die Stimmen hören, die Gott durch die Regierung und die Kirche zu uns sendet und die versuchen, einen guten Weg zur Überwindung dieser gegenwärtigen Situation zu weisen.
Was die Veranstaltungen betrifft, die hier in Sant’Anselmo in diesem Sommer geplant sind, werden wir in der Karwoche eine Entscheidungen treffen: sowohl über den Kurs „Kulturelle Dimensionen der christlichen Spiritualität“ als auch über das Programm „Leadership nach der Regel des heiligen Benedikt“; wir werden dies allen unseren Klöstern dann mitteilen. Weiterhin haben mir eine Reihe von Äbten geschrieben, um nach dem für Anfang September geplanten Äbtekongress zu fragen. Wir haben beschlossen, bis zum Monat Mai zu warten, da wir eine genauere Vorstellung davon brauchen, wie sich weltweit die Lage entwickelt, denn es handelt sich bei dem Kongress um eine internationale Veranstaltung. Sobald wir einen besseren Überblick haben, wie das Coronavirus weiter die Nationen der Welt beeinflusst, werden wir sehen, ob die Fachleute uns Hinweise für unsere Entscheidung geben können, was das Beste für uns ist; der Äbtekongress ist ein internationales Treffen, und das muss mit berücksichtigt werden. Wir arbeiten zunächst weiter auf den Kongress hin, aber eine Entscheidung wird erst Mitte Mai getroffen.

Lasst uns nicht aufhören, für diejenigen beten, die vom Coronavirus ernsthaft betroffen sind, für diejenigen, die einen Impfstoff suchen, um seine Ausbreitung zu verhindern, und für alle, die unter den physischen und psychischen Auswirkungen der aktuellen, vom Virus verursachten Krisensituation leiden. Wir blicken auf Maria, deren mütterliche Liebe und Fürsorge für uns alle eine sichere Hoffnung auf Heilung und Wiederherstellung ist. Und während wir mit dem Fest der Verkündigung des Herrn seine Menschwerdung feiern, werden wir daran erinnert, wie nahe uns Jesus Christus ist, der unser menschliches Fleisch annimmt, um eine zerbrochene Welt von innen heraus zu heilen. Lasst uns weiterhin mit Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung auf Christus schauen.

Mit herzlichen Grüßen in Christus, unserer großen Hoffnung,

Abtprimas Gregory Polan OSB

Rundbrief des Abtpräses der Beuroner Benediktinerkongregation, Dr. Albert Schmidt OSB, zum Benediktsfest am 21. März 2020. Für alle Schwestern und Brüder in den Klöstern der Beuroner Kongregation und für alle, die sich unseren Klöstern verbunden wissen.   

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Corona-Pandemie verändert und verunsichert die Welt, auch die Kirche und die Klöster. In dieser Situation, die manches bisher Selbstverständliche außer Kraft setzt, möchte ich Ihnen ein Wort schreiben. So unterschiedlich unsere Klöster auch sind, viele Herausforderungen und Sorgen teilen wir in diesen Tagen und Wochen; ich erwähne nur das Ende des öffentlichen Gottesdienstes, die Schließung unserer Gästehäuser und Klosterläden, die Einschränkung der Kontakte von und nach außen.

Die Oberen und die Seniorate sowie die in der Verwaltung und in den Krankenstationen Tätigen sehen sich in besonderer Weise grundsätzlichen und organisatorischen Fragen gegenüber, deren Rahmenbedingungen sich ständig wandeln. Jede und jeder einzelne muss sich auf die staatlichen, kirchlichen und örtlichen Entscheidungen einstellen. Ich wünsche Ihnen allen „den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ und danke Ihnen für alle Verantwortung und allen Verzicht, die Sie persönlich und gemeinsam auf sich nehmen. Dieser Dank gilt auch den Angestellten der Klöster und den Angehörigen der Pflegedienste, die zu uns kommen.

Ich möchte zum Fest des heiligen Benedikt und an der Schwelle zu Ostern eine Erfahrung dieser Tage und einige Gedanken mit Ihnen teilen. Beim Stundengebet erlebe ich, wie Worte aus den Psalmen in neuer Unmittelbarkeit sprechen, an Leuchtkraft und Wärme, aber auch an Wucht gewinnen. „Furcht und Zittern erfassten mich … mein Elend ist aufgezeichnet bei dir … an einen sicheren Ort möchte ich eilen … du hast mich gebeugt, weil du treu für mich sorgst … birg mich im Schatten deiner Flügel … von deiner Güte, Herr ist die Erde erfüllt“ – dieses vielstimmige Lied habe ich am vergangenen Dienstag allein bei der Morgenhore und Terz aus den Psalmen herausgehört.

Das gemeinsame und persönliche Beten vor Gott und für die Welt ist in der gegenwärtigen Situation mehr denn je unser Auftrag und für uns selbst ein „Anhaltspunkt“: Wir halten in unserem Tageslauf an, und wir halten und wenden uns an den lebendigen Gott. Selbst unsere unauffällige tägliche Bitte am Ende unserer Horen, Gottes Hilfe möge auch „mit unseren abwesenden Brüdern und Schwestern“ bleiben, erhält jetzt eine tiefere Bedeutung: Über die eigenen Mitbrüder und Mitschwestern hinaus können wir damit auch all jene Menschen Gott ans Herz legen, die wegen der notwendigen Nicht-Öffentlichkeit unserer Gottesdienste nicht mehr mit uns zusammen beten und feiern können.

Wir stehen vor dem Hochfest des heiligen Benedikt. Drei Szenen und Worte aus seiner Vita sind mir in diesen Tagen in den Sinn gekommen: Benedikt sieht in der nächtlichen Vision (Dialoge 2,35) kurze Zeit vor seinem Tod „die ganze Welt wie in einem einzigen Sonnenstrahl gesammelt“. Gregor deutet diese Erfahrung so: „Hat die Seele auch nur ein wenig vom Licht des Schöpfers erblickt, wird ihr alles Geschaffene verschwindend klein.“- In der globalen Corona-Krise erleben wir, wie die Welt zusammenschrumpft und zum Spielball eines Virus wird, der – aufgrund der menschlichen Mobilität – die Grenzen von Ländern und Kontinenten überspringt. Wenn wir durch spürbaren Verzicht auf die gewohnte Bewegungsfreiheit dazu beitragen, die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen, dann ist unser Glaube an den Schöpfer, vor dem alles Geschaffene, auch ein Virus, „verschwindend klein“ wird, keine billige Ausflucht, sondern Grund zu demütiger Hoffnung.

Etwa in der Mitte der Vita lesen wir von einem Besucher Benedikts, der ihn bitter und ohne Ende weinend antrifft – „nicht wie er es bisweilen beim Beten tat, sondern aus großem Kummer“. Benedikt sieht den Untergang des Klosters Montecassino voraus, das er erbaut hat, und sagt seinem Gast: „Nur mit Mühe habe ich erreichen können, dass mir das Leben der Brüder zugestanden wurde“ (Dialoge 2,17).- Die Pandemie führt die Menschheit an ihre Grenzen und in Erfahrungen der Ohnmacht; sie wirft Pläne über den Haufen, kostet Menschen das Leben oder bedroht ihre wirtschaftliche Existenz. In dieser Not ist unser fürbittendes Gebet, das keine Ansprüche stellt, aber nicht aufhört, Gott anzusprechen und anzurufen, ein unschätzbarer Dienst und Beitrag für die Welt und die Kirche.

Wir müssen unsere Sozialkontakte reduzieren, auf Reisen verzichten und uns auch auf Ausgangssperren gefasst machen. Der überwiegende Aufenthalt in den eigenen vier Wänden, der Verlust an geselligen Begegnungen und kulturellen, sportlichen und anderen sozialen Erlebnissen, bei den Familien die Sorge für die Kinder, deren Kindergärten und Schulen geschlossen sind: je nach den äußeren Umständen und den persönlichen Einstellungen tragen die Menschen unterschiedlich schwer daran. Für die Herausforderung und Fähigkeit, es mit sich selbst auszuhalten, kennen wir aus der Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt das Wort habitare secum, „wohnen in sich selbst“, wie er es nach seinem Scheitern in Vicovaro und der Rückkehr nach Subiaco geübt hat (Dialoge 2,2).

„Wohnen in sich selbst“: Könnte das eine konstruktive Umschreibung dessen sein, was die Worte „Quarantäne“ und „Ausgangssperre“ beim ersten Hören so bedrohlich und negativ klingen lässt? Machen wir uns nichts vor: Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit fällt auch uns nicht leicht, und die eigene Zelle erweist sich nicht immer als willkommene und friedvolle Zuflucht. Dass Benedikt nach den Worten Gregors „an die Stätte seiner geliebten Einsamkeit“ zurückkehrte und es dort aushalten konnte, ist nicht einfach die Leistung eines Lebenskünstlers. „Allein, unter den Augen Gottes, der aus der Höhe herniederschaut, wohnte er in sich selbst“: Diesen Blick zu suchen und zu erwidern, gibt unserem Leben auch in Zeiten der Krise Sinn und Grund.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, in drei Wochen feiern wir Ostern, diesmal ohne Gäste und ohne Gemeinde. Das Evangelium am Zweiten Ostersonntag werden wir dieses Jahr mit anderen Ohren hören: „Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: ‚Friede sei mit euch!‘“ (Joh 20,19). Im Vergleich zu den Jüngern zwingt uns eine ganz andere Furcht, die Türen zu unseren Kirchen zu verschließen. Doch derselbe Herr, der das Grab, die verschlossenen Türen und die Furcht seiner Jünger überwand, kommt auch in unsere Mitte und eröffnet uns und allen – drinnen und draußen – Seinen Frieden.

Wir teilen und verkünden diesen Glauben und diese Hoffnung. Begehen und gehen wir, ermutigt durch das Wort des heiligen Benedikt und durch sein Leben, den Weg unseres Herrn zum Kreuz und zur Auferstehung! Durch Seinen Geist sind wir im Gebet miteinander verbunden. Ich grüße Sie alle von Herzen.

Ihr fr. Albert

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