Ort des Lebens – Ort des Segens
10 Gebote der Gelassenheit – Werkzeuge der geistlichen Kunst
ein Weg durch unseren Alltag
eine Einladung zum Verweilen im Eilen
„Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten: an jedem Tag, zu jeder Stunde, ohne Übertreibung, mit Geduld.“ ( hl. Papst Johannes XXIII.)
Leben
„Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“

Herr,
schenke mir Augen, die weiter sehen
schenke mir Ohren, die tiefer lauschen
schenke mir Gedanken, die unaufhörlich nach dir fragen
schenke mir Menschen, die dich mit mir suchen
und wenn wir dich gefunden haben,
dann blüht unser Mauerwerk auf
im Atemwind deines Geistes
wachsen Trost und Segen,
weil du überall auf uns schaust
Werkzeug
Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut. RB 4,49
apertis oculis nostris
ad deificum lumen
adtonitis auribus audiamus
divina cottidie clamans
HODIE
Sorgfalt
„Nur für heute werde ich mit größter Sorgfalt auf mein Auftreten achten. Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur mich selbst“

sed magis benedicere
Herr Keuner ging in ein Lebensmittelgeschäft, das sich gleich um die Ecke seines Hauses befand. „Gott zum Gruße“, sagte er beim Eintritt, doch man schenkte ihm nur ein müdes Lächeln. Er habe die Perle im Acker gefunden und wolle ein kleines Fest geben, ob die Herrschaften nicht kommen wollen, fragte er, jeder sei willkommen. Doch man
runzelte nur die Stirn und tat zugleich so, als habe man seine Worte nicht gehört. Mönch zu werden, ja, darüber habe er schon häufiger nachgedacht, mehr theoretisch als praktisch, aber plötzlich habe es ihn dann ergriffen und es lasse ihn nicht mehr los; nein, besser: ER lasse ihn nicht mehr los. Ob jemand der Anwesenden auch so eine beglückende Erfahrung gemacht habe, wollte er wissen, doch man schrie ihn an, er möge endlich still sein. Totenstille trat ein – und Herr Keuner trat aus, um schließlich woanders schweigend einzutreten. Die Perle aber, die ließ er im Acker.
Werkzeug
Von der Liebe nicht lassen. Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern – mehr noch – sie segnen. RB 4,26.32
einmalig
unersetzbar
ähnlich und doch verschieden
zum Verbinden und Ergänzen geschaffen
Geduld ist gefragt und Ausdauer
Sorgfalt
mit dir und mit mir
Puzzleteile im Acker unseres Lebens
Glück
„Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich geschaffen bin, glücklich zu sein, nicht nur für die andere, sondern auch schon für diese Welt.“

jubelnde Seele
streck deine Hände aus
grab nach der Quelle
hier ist der Garten
Ölberg und Eden
auch deines Lebens Rosen
wollen hier blühen
Dornwald und Wüste
Manna und Tränen
der Mächtige tut Grosses an uns
heute
hier
auch jetzt
und in der Stunde unseres Todes
stell dich in den Segen
lobpreise den Herrn
Werkzeug
Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben. RB 4,46f.
Realismus
„Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen.“

UM-WÖRTER
In unserem Alltag benutzen wir viele
Wörter, die mit „um“ beginnen.
Manche dieser „Um-Wörter“ wollen eine
Veränderungen andeuten: Um-zug, Um-schwung, Um-wandlung.
Andere „Um-wörter“ verweisen auf
neue Wegstrecken (Um-wege) und längere Prozesse, die mitunter schmerzhaft verlaufen können: um-gehen, um-biegen, um-erziehen, um-pflanzen, um-leiten.
Aber es gibt auch „Um-wörter“, die selbst in scheinbar un-um-stößlichen Situationen neue Perspektiven eröffnen: Um-verteilung, Um-widmung.
Um-orientierung gelingt freilich nur, wenn aus der neuen Um-schreibung nicht sofort wieder ein neuer Um-stand wird, den man lieber gleich um-schiffen würde.
Ist in unserem Leben denn wirklich alles so vergebens und um-sonst?
Nein!
UM-KEHR – conversatio – ist nicht umsonst, aber dafür „gratis“ – eben voll der Gnade.
Jeden Tag neu!
Werkzeug
Nicht murren. RB 4,39
Lesen
„Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.“

Wie treffend, dass es von diesem „Gebot“ gleich zwei Varianten gibt: Lesen und Stille.
Beides liegt auch in unserem Kloster nah beieinander: Bibliothek und Oratorium.
Lectio und Oratio.
In das kleine Heftchen dürfen Empfehlungen geschrieben werden: Leseempfehlungen für das Leben der Seele.
Manchmal liest sie sich spannender als das Buch, das man sich gerade ausleihen möchte: die Leihkarte mit den Namen derer, die schon vor einem dieses Buch gelesen haben.
Leseempfehlungen der stillen Art.
Welcher Reichtum liegt hier verborgen.
Werkzeug
Heilige Lesungen gern hören. RB 4,55
Stille
„Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele.“

Werkzeug
Sich oft zum Beten niederwerfen. RB 4,56
Vorübergang des Herrn
tritt einfach ein
bete
und lass die Welt
vorübergehen
simpliciter intret et oret
Handeln
„Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.“

keine Schatten
sondern Licht wirfst du in unser Leben
malst bunte Farbe auf grauen Stein
verwandelst finstere Ecken
in helles Leuchten
zart
verspielt
für Achtsame
nur einen Augenblick
wie leises Säuseln
o Schöpfer der Welt
wie staunenswert
ist dein Blick
für uns
ist dein Atem
in uns
ist dein Antlitz
unter uns
Licht ist gesät
schon keimt es
seht ihr es nicht?
nur einen Augenblick
und das Angesicht der Erde
wird neu
Werkzeug
Arme bewirten.
Nackte bekleiden.
Kranke besuchen.
Tote begraben
Bedrängten zu Hilfe kommen.
Trauernde trösten. RB 4,14-19
Überwinden
„Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.“

Mittagshore
erhitzte Gemüter
neigen das Haupt
die Stirn trägt Wunden
dein Wort lässt heilen
was Worte verletzten
zur Ruhe kommen
die Stille finden
Mitten am Tag
notwendig
Not wendend
heilend
die Stille gefunden
zur Ruhe gekommen
vergebende Worte
dein Wort, das vergibt
alle Schuld dieser Welt
als du dein Haupt neigtest
über erhitzte Gemüter
zur Mittagszeit
Werkzeug
Nicht stolz sein,
nicht trunksüchtig,
nicht gefräßig,
nicht schlafsüchtig,
nicht faul sein. RB 4,34-38
contentus sit monachus
Planen
„Nur für heute werde ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht genau daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.“

Danke,
Herr, dass du unser Wollen in ein anderes Licht stellst
und voller Sanftmut
einen zarten Strich
durch unsre Pläne machst.

in aller Gelassenheit und im Gehorsam
cum omni mansuetudine et oboedientia
Werkzeug
Gottes Weisungen täglich durch die Tat erfüllen. RB 4,63
Mut
„Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, und mich an allem freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.“

Werkzeug
Vor allem: Gott den Herrn, lieben
mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit ganzer Kraft.
Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst. RB 4,1f.
wie klopfte mir damals das Herz
bei den ersten Schritten
Einsamkeit und Gemeinschaft
„lass dich nicht sofort von Angst verwirren
fliehe nicht vom Weg des Heils
er kann am Anfang nicht anders sein als eng
folge mir nach“
Heimsuchung Gottes
Zeitenwende in seinem Zelt
Hände in Hände gelegt
welch unsagbares Glück:
hier brennt der Dornbusch
und das Herz schlägt mir noch heute
Vertrauen
„Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.“

GEMEINSCHAFT ausbuchstabiert (mit RB 72)
G ott fürchten
e inander selbstlos
m it glühender Liebe
E igenwillen aufgeben
i m gegenseitigen Gehorsam
n ichts vorziehen
s o gibt es den guten Eifer
c harakterliche Schwächen mit unerschöpflicher Geduld ertragen
H ilfe des Herrn erbitten
a uf die Weisung des Meisters hören
F ührung des Evangeliums
t äglich durch die Tat erfüllen
ecce quam bonum
Wurzel und Stamm
Grundstock für Generationen
im Vertrauen auf Gott
wachsen neue Triebe
getragen und gestützt
habitare in unum
Werkzeug
Seine Hoffnung Gott anvertrauen. RB 4,41
Von Sr. Raphaela Brüggenthies OSB
Besucher
Gast im KlosterGästehaus
Gast im KlosterGottesdienstzeiten
GottesdienstzeitenMusik aus dem Kloster
KlosterDie Hauptwerke der heiligen Hildegard
Geistliche Impulse / Hildegard von Bingen, Werk und WirkenDankgebet am Donnerstag
ArchivSeit fünf Jahrenb beten immer donnerstags Menschen in verschiedenen Ländern das Donnerstagsgebet «Schritt für Schritt» um Reformen in der Kirche. Inzwischen ist ein großes Gebetsnetz entstanden, an dem sich auch viele benediktinische Klöster beteiligen. Das Gebet schenkt den Teilnehmenden Mut und Zuversicht, eine weitere Woche den Weg in und mit der Kirche zu gehen – Schritt für Schritt. Seit Pfingsten 2024 ist nun auch ein «Dank am Donnerstag» entstanden. Nach fünf Jahren Bittgebet, ist es Zeit zu danken: mit einem Gebet, das den freien, zukunftsweisenden Raum im Geist weitet.
Dankgebet am Donnerstag
Gott, für uns wie eine Mutter und ein Vater, Du hast die Welt geschaffen und am
Ende gesehen: alles war sehr gut. Du sendest uns immer wieder deine Geistkraft, die
unsere Herzen öffnet und Wandlung möglich macht hin zum noch Besseren. Vieles ist
schon geschehen. Für vieles braucht es Mut und vieles ist noch möglich.
Wir vertrauen auf die Geistkraft und singen:
Veni creator, veni creator, veni creator spiritus! V/A
Wir danken Dir:
Für alle, die trotz allem in der Kirche bleiben, weil sie sie lieben
Für alle, die die Strukturen von innen verändern wollen
Für alle, die sich über Regeln der Kirche hinwegsetzen, wenn sie der Menschenwürde
widersprechen
Veni creator…
Für alle, die sexuellen und spirituellen Missbrauch zur Sprache bringen
Für alle, die aufhören, zu vertuschen
Für alle, die über das sprechen, was ihnen widerfahren ist
Veni creator…
Für alle, die sich für Menschenrechte in der Kirche einsetzen
Für alle, die den Mut haben, sich in der Kirche zu outen
Für alle, die die Türen der Kirche für alle weit offenhalten
Veni creator…
Für alle, die den je eigenen Reichtum der Ortskirchen nutzen und weiterentwickeln
Für alle Priester und Diakone, die die Anliegen des Gebets am Donnerstag mittragen
und unterstützen
Für alle, die auf die Geistkraft hören und ihr Raum geben
Veni creator…
Für alle, die Deinen Ruf hören und ihm folgen, trotz aller Widerstände
Für alle, die sich als Diakoninnen ausbilden lassen und sich auf ihre Weihe
vorbereiten
Für alle, die sich weihen lassen, obwohl das Kirchenrecht es verbietet
Veni creator…
Für alle, die Brot und Wein miteinander teilen
Für alle, die Kinder taufen, Kranke segnen, mit anderen um Vergebung beten
Für alle, die sakramental handeln
Veni creator…
Für alle, die sich ihrer Taufwürde bewusst sind
Für alle, die priesterlich, königlich und prophetisch wirken
Für alle, die das Wort Jesu weitergeben, damit andere sich öffnen und sich von ihm
heilen lassen können
Veni creator…
Für alle die Jesu Botschaft in ihrem Handeln weitertragen und am Leben erhalten
Für alle, die Macht teilen
Für alle Frauen, die das Bild der Kirche verändern, indem sie predigen und hinter dem
Altar stehen
Veni creator…
Für alle Frauen, die zum priesterlichen und diakonischen Dienst berufen sind und das
aussprechen
Für alle, die ihre anerkannte priesterliche Berufung schon leben in den anglikanischen
und altkatholischen Kirchen
Für alle, die ihre Talente und Charismen einsetzen, um die Welt im Sinne Jesu zu
gestalten
Veni creator…
Für alle, die in den Klöstern Schritt für Schritt vorwärtsgehen und Wandlung möglich
machen
Für alle, die verstummt sind und deren stilles Gebet trotzdem wirkt
Für alle, die im Gebet am Donnerstag miteinander verbunden sind
….
Du unser Gott. Was bei Menschen unmöglich scheint, ist schon möglich bei Dir. Wir
danken Dir für alles, was Deine Geistkraft inspiriert. Heute und alle Zeit bis zu unserer
Ewigkeit. Amen.
©Dorothee Becker, Priorin Irene Gassmann, Jeanine Kosc
Die Bibel: Vom Lese- zum Lebensbuch
FastenzeitEin Weg, die Heilige Schrift vom Lese- zum Lebensbuch werden zu lassen
Die Frage des Apostels Philippus an den äthiopischen Kämmerer: „Verstehst du auch, was du da liest“ (Apg 8,30), ist die ‚Gretchenfrage‘ schlechthin. Der Dialog, den wir mit der Lektüre der Heiligen Schrift pflegen möchten, gerät durch diese Frage immer wieder auf den Prüfstein, vor allem dann, wenn wir eben nicht oder nicht sofort verstehen, was wir da lesen. Unterscheiden wir zunächst zwischen dem äußerem und dem inwendigen Verstehen. Das äußere Verstehen, d.h. die philologischen Fragen, die Quellen, Hintergründe, Zusammenhänge und Zeitbedingtheiten eines Textes können uns durch gute Bibelkommentare (die es auch im Internet gibt) verdeutlicht werden. Sie können helfen, das Äußere zu verstehen, zu deuten und richtig einzuordnen. Deshalb sind sie wichtig und notwendig, und wir sollten uns nicht scheuen, solche Kommentare ganz bewusst und regelmäßig zur Hand nehmen. Doch ein noch so guter Kommentar kann das Eigentliche, das Wesentliche nicht ersetzen. Der Kern des Ganzen spielt sich auf einer anderen Ebene ab, auf der, die uns existentiell und in unserer ganzen Person erfassen möchte.
Einen wichtigen Schritt näher kommen wir diesem Kern, wenn wir das Glück haben, erfahrenen Meistern des geistlichen Lebens zu begegnen, die das Evangelium vorleben und uns auch ihr eigenes inneres Ringen mit dem Text und seinem Anspruch nicht vorenthalten. Solche geistlichen Mütter und Väter gab es zu allen Zeiten und gibt es Gott sei Dank auch heute. Doch sie erwachsen nicht von selbst. Um es mit einem Wort von Heinz Schürmann zu sagen: „Gott lässt begnadete Seelenführer in dem Maße erstehen, wie sie gesucht und gebraucht werden.“ Schon die alten Wüstenväter zur Zeit des heiligen Antonius haben sich nicht selbst zum Lehrer ernannt, sondern wurden gesucht und gezielt um Weisung gebeten. Haben wir also ruhig den Mut, aktiv auf die Suche zu gehen nach einem Menschen, der im Geist der Bibel zu leben versucht und darin bereits eine gewisse Erfahrung hat. Und haben wir umgekehrt auch den Mut, Zeugnis zu geben von unserem eigenen geistlichen Weg, wenn andere uns darum bitten.
Schließlich und keineswegs zuletzt sei auf eine, wenn nicht die untrügliche Hilfe zum Verstehen der Heiligen Schrift hingewiesen: das Gebet. Schon der große Origines schrieb einst in seinem Brief an Gregor Taumaturgus, 4: „Wer nicht findet, was er sucht, wer den gelesenen Text nicht versteht, muss Gott anrufen und ihn bitten, ihn erkennen zu lassen; so wird die Lesung zum Gebet, denn es ist absolut notwendig zu beten, um die göttlichen Dinge zu verstehen. Nur Gott selbst kann unsere tauben Ohren öffnen und unsere verhärteten Herzen geschmeidig machen. Nur er selbst kann uns auch im Tiefsten den Sinn und die Bedeutung eines Textes für unser persönliches Leben eröffnen. „Effata“ – öffne dich. Das ist der Ruf, dem wir uns Tag für Tag anschließen sollten, wenn wir mit der Lesung beginnen
Mein Weg mit dem persönlichen Bibel-Tagebuch
Ich möchte nun von einem ganz persönlichen Weg berichten, der für mein geistliches Leben prägend geworden ist. Es ist der Weg eines Tagebuches mit der Heiligen Schrift, der uns lehren kann, hinter dem Buchstaben den Geist zu entdecken – jenen Geist, der uns bewegt und der die Worte der Bibel zu Worten des Lebens, zu Worten meines ganz persönlichen Lebens macht. Lesen und Leben gehören zusammen. Die Bibel will vom Lese-Buch zum Lebens-Buch werden. Dies gelingt allerdings nur dann, wenn die Lesung zweckfrei und absichtslos geschieht und allein darin besteht, die Botschaft wirklich mit wachem inneren Ohr zu hören und zu schmecken. Es geht dabei mehr um Verkosten als um Studieren, mehr um Staunen als um Erörtern, mehr um Weisheit als um Wissen. Man sieht nur mit dem Herzen gut – sagte der große Antoine de Saint-Exupéry. Man darf dieses Wort wohl auch abwandeln: man liest nur mit dem Herzen gut.
Wie so oft im Leben entstand bei mir die Idee, ein Bibel-Tagebuch zu führen, eher „zufällig“. Irgendwann in meinem Leben begab ich mich auf die Suche nach einem Geländer, das mir Halt und Orientierung geben konnte, nach einem Weg, der mir die Heilige Schrift ganz persönlich erschließen und nahe bringen konnte. Was lag da näher als ein Bibel-Tagebuch zu schreiben? Schon nach kurzer Zeit bildete sich ein fester Ablauf heraus, den ich bis heute weitgehend beibehalten habe. Zunächst besorgte ich mir eine Tagebuch-Kladde. Dann begann ich, täglich zu einer bestimmten immer gleichen Zeit und an einem bestimmten Ort, den ich mir einmal für immer gewählt habe, die Heilige Schrift zur Hand zu nehmen. Zunächst lese ich das jeweilige Tagesevangelium(z.B. aus dem TeDeum oder aus dem Schott) als Ganzes langsam, Wort für Wort, halblaut vor mich hin. Ich betrachte den Text und denke zunächst darüber nach, was der Kerngedanke und die Grundaussage dieses Abschnitts sein könnte.
Danach lese ich den Text ein zweites Mal – diesmal leise. Ich verkoste den Text in aller Ruhe und stoße meist schon hier auf ein Wort oder auf einen Gedanken, der mich persönlich in besonderer Weise anspricht oder herausfordert. Dort verweile ich. Dann schreibe ich den entsprechenden Satz, Teilsatz oder auch nur ein einziges Wort des Textes in mein Tagebuch. Hinzu füge ich das Datum des jeweiligen Tages.
Nun lasse ich mich von diesem ausgewählten Text tief in meinem Inneren ansprechen. Was will Gott mir mit diesem Text sagen? Was bedeutet dieses Wort hier und heute für mein ganz persönliches Leben? Kann ich es einlösen oder steht es in Spannung zu mir? Fühle ich mich bestätigt oder herausgefordert? Was kann und sollte sich ändern in meinem Leben, wenn ich dieses Wort oder diesen Text ernst nehme?
Dann schreibe ich auf, was in mir gewachsen oder auch nur hochgekommen ist. Dabei gibt es für mich keine Tabus – ich möchte radikal ehrlich sein vor Gott und auch vor mir selbst. Manchmal ist es ein Ringen und ein Kämpfen, manchmal eine Ermutigung und ein Trost, manchmal eine Entdeckung oder auch eine ganz neue Erfahrung mit mir selbst. Zumeist mündet mein Tagebuch-Eintrag dann ein in ein selbstformuliertes Gebet: in Lob oder Dank, Klage, Schrei oder Fürbitte. Auch hier gilt: alles darf sein, alles darf zum Gebet werden. Mit diesem Gebet endet meine Schrift-Lesung.
Erfahrungen und Einsichten
Wenn ich Ihnen nun in einem dritten Schritt von meinen Erfahrungen mit dem Bibel-Tagebuch berichte, so könnte ich diese in einem Wort zusammenfassen: das Tagebuch ist mir zum Lebensatem geworden. Es hilft mir zu leben. Es schenkt mir den Sauerstoff, den ich brauche, um mein tägliches geistliches Leben zu leben. Es verleiht mir Kraft, Ausdauer und Ruhe. Es befruchtet mein Herz und meinen Geist und gibt mir immer neue Nahrung für den Alltag.
Vor allem aber hat mich das Tagebuch – darauf möchte ich vertrauen – Gott ein Stück näher gebracht. Es hilft mir, täglich neu zu versuchen, in Seiner Gegenwart zu leben, alles aus Seiner Hand entgegen zu nehmen. Vielleicht, so hoffe ich, hat es mich auch ein kleines Stück wahrhaftiger werden lassen und mir Schritt für Schritt ein Gespür dafür vermittelt, wer ich bin vor Gott und andererseits, wer Gott ist für mich.
Das Tagebuch hat mich schließlich auch mir selbst ein Stück nähergebracht. Es hat mich eigene, längst vergessene oder auch ganz aktuelle Lebenserfahrungen besser verstehen lassen. Es hat Freuden, aber auch Lebenswunden ans Licht gebracht und sie einem langsamen Prozess der Heilung unterzogen. So hat das Bibel-Tagebuch mein Leben verändert. Es hat sicher auch mein Verhältnis zu den anderen, zu meiner Gemeinschaft, zu meinen Freunden und zu den mir anvertrauten Menschen geprägt.
Dies alles will nicht heißen, dass der Weg nicht oft auch mühsam war. Aller Anfang ist und war auch bei mir schwer. Nicht selten überkommt einen das Gefühl des Längst-Bekannten. Manch leere Seite oder leere Daten zeugen heute noch davon. In solchen Zeiten war und ist es wichtig, trotz aller inneren Widerstände dabei zu bleiben – nicht aufzugeben. Nicht jede Frucht kann man sofort ernten. Wenn ich heute mein Bücherregal anschaue, dann finde ich darin viele vollgeschriebene Kladden. Dahinter verbirgt sich mein geistiger und geistlicher Lebensweg – mit all seinen Kreuzungen, mit seinen Umwegen, mit seinen Stolpersteinen, mit seinen Wüsten, aber auch mit all seinen Oasen und Höhenerfahrungen, mit Freudenzeiten und unverdienten Glücksmomenten.
Manchmal blättere ich auch zurück, nehme eine alte Kladde zur Hand, um zu schauen, was ich mir zu einer Stelle vor zwei Jahren, vor fünf Jahren oder gar vor zehn Jahren notiert habe. Eine lineare Entwicklung findet sich da nicht, wohl aber ein hauchdünner roter Faden, der den Sinn all dessen, was ich erlebt und erfahren habe, erahnen lässt. Das macht mich froh und auch dankbar.
Am Schluss bleibt mir eigentlich nur noch der Wunsch an Sie, es selbst zu versuchen. Machen Sie sich auf den Weg und lassen Sie sich dabei ganz von Gottes Geist führen. Er selbst wird uns, wie verheißen ist, in die ganze Wahrheit einführen. Er selbst ist es, der uns auf dem lebenslangen Weg hinein in die Tiefen seines und unseres Geheimnisses begleitet.
Von Sr. Philippa Rath OSB
Ich bin der gute Hirt
Geistliches LebenIch bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. (Joh 10, 11-15)
Wären Sie nicht erstaunt, wenn jemand Ihnen sagte, dass der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier Sie persönlich kennt? Oder Thomas Gottschalk?
Sie wären sicher erstaunt, und nicht wenige würden sich geehrt fühlen.
Erstaunlich ist auch, was in der Bibel, im Buch Exodus, Gott zu Mose sagt: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.“ (Ex 3,7) Und etwas weiter: „Das, was du jetzt verlangt hast, will ich tun; denn du hast nun einmal meine Gnade gefunden und ich kenne dich mit Namen. (Ex 33,17)
Stellen Sie sich das einmal vor: Der Schöpfer der Welt, der Herr des Himmels und der Erde, wendet sich dem Menschen zu und sagt ihm: Ich kenne dich, ich kenne deine Not… Und wenn die Bibel vom „kennen“ spricht, meint sie nicht irgendein Wissen oder eine intellektuelle Erkenntnis, sondern das Kennen findet im Innenraum einer Beziehung statt, es ist Ausdruck dieser Beziehung.
Deutlich wird das, wenn wir auf den Text aus dem Johannesevangelium schauen, den wir eben gehört haben. Dort sagt Jesus: Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Hören wir einmal genau hin: Jesus sichert uns zu, uns so zu kennen, wie der Vater ihn kennt und er den Vater kennt. Jesus und sein Vater kennen sich ja nicht, wie man halt jemanden so kennt, wenn man von ihm gehört hat. Jesus wurde bei der Taufe und bei der Verklärung von seinem Vater feierlich als sein Sohn anerkannt und bezeugt. Jesus und der Vater kennen sich, wie ein Vater und ein Sohn sich kennen. Und Kennen bedeutet: lieben.
Jesus sagt also: Ich kenne und liebe euch so wie ich den Vater kenne und liebe. Das ist kein Vergleich, sondern eine Gleichsetzung: die innige Beziehung Jesu zum Vater ist die gleiche, wie zu uns: wir sind da hineingenommen, sind Teil davon. Wir dürfen Gott „Abba – lieber Papa“ nennen. Wir sind wirklich und wahrhaftig Töchter und Söhne des Vaters im Himmel, sind wirklich und wahrhaftig Schwestern und Brüder Jesu.
Und Jesus sagt weiter: „Die Meinen kennen mich…“ Die „Meinen“ – das sind wir – aber kennen und lieben wir Jesus, so wie der Vater ihn kennt und liebt? Wenn wir da Zweifel und Fragen haben, stehen wir nicht alleine; auch den Jüngern ging es so. Man kann fast das Seufzen Jesu hören in der Frage: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus?
Aber wir brauchen nicht verzagen: wir kennen Jesus, weil er selbst uns hilft, ihn kennen zu lernen. Seine Ostergabe an uns ist der Heilige Geist: SEIN Heiliger Geist, der uns alles lehren und in die ganze Wahrheit einführen will. Es ist der Geist der Liebe, die zwischen Vater und Sohn lebendig ist, es ist die Liebe selbst. Wir bräuchten nur offen zu sein, Sehnsucht nach ihm zu haben, „wahrhaft Gott suchen“, wie der Hl. Benedikt es ausdrückt. Das wäre das Entscheidende.
In dieser Zeit zwischen Ostern und Pfingsten werden wir in den Schriftlesungen der Liturgie darauf eingestimmt, den versprochenen Heiligen Geist zu erwarten, ganz sicher mit ihm zu rechnen. Und zugleich zu entdecken, dass er schon tief in uns lebendig ist und wirkt. Schon die Sehnsucht nach Gott ist eine Wirkung des Heiligen Geistes, wie Augustinus uns sagt.
Geben wir dieser Sehnsucht Raum, machen wir uns auf die Suche nach Gott, nach Jesus. Lesen wir in der Heiligen Schrift, um ihn besser kennenzulernen, und entdecken wir seine Spuren in unserem Leben. Wir können uns dabei jederzeit auf die Hilfe, die Stütze und das Feuer des Heiligen Geistes verlassen.
Seien wir uns auch gegenseitig Ermutigung und Stütze auf diesem Weg, und machen wir uns die Worte des Hl. Paulus zu Eigen, der im Philipperbrief schreibt: Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit ihm; sein Tod soll mich prägen (Phil 3,14). Amen.
Von Sr. Petra Knauer OSB
Die Werkzeuge der geistlichen Kunst
Benediktinisches Leben, Geistliches Leben, Klösterliches Leben, Leben im Geist der BenediktusregelOrt des Lebens – Ort des Segens
10 Gebote der Gelassenheit – Werkzeuge der geistlichen Kunst
ein Weg durch unseren Alltag
eine Einladung zum Verweilen im Eilen
„Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten: an jedem Tag, zu jeder Stunde, ohne Übertreibung, mit Geduld.“ ( hl. Papst Johannes XXIII.)
Leben
„Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“
Herr,
schenke mir Augen, die weiter sehen
schenke mir Ohren, die tiefer lauschen
schenke mir Gedanken, die unaufhörlich nach dir fragen
schenke mir Menschen, die dich mit mir suchen
und wenn wir dich gefunden haben,
dann blüht unser Mauerwerk auf
im Atemwind deines Geistes
wachsen Trost und Segen,
weil du überall auf uns schaust
Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut. RB 4,49
apertis oculis nostris
ad deificum lumen
adtonitis auribus audiamus
divina cottidie clamans
HODIE
Sorgfalt
sed magis benedicere
Herr Keuner ging in ein Lebensmittelgeschäft, das sich gleich um die Ecke seines Hauses befand. „Gott zum Gruße“, sagte er beim Eintritt, doch man schenkte ihm nur ein müdes Lächeln. Er habe die Perle im Acker gefunden und wolle ein kleines Fest geben, ob die Herrschaften nicht kommen wollen, fragte er, jeder sei willkommen. Doch man
runzelte nur die Stirn und tat zugleich so, als habe man seine Worte nicht gehört. Mönch zu werden, ja, darüber habe er schon häufiger nachgedacht, mehr theoretisch als praktisch, aber plötzlich habe es ihn dann ergriffen und es lasse ihn nicht mehr los; nein, besser: ER lasse ihn nicht mehr los. Ob jemand der Anwesenden auch so eine beglückende Erfahrung gemacht habe, wollte er wissen, doch man schrie ihn an, er möge endlich still sein. Totenstille trat ein – und Herr Keuner trat aus, um schließlich woanders schweigend einzutreten. Die Perle aber, die ließ er im Acker.
Von der Liebe nicht lassen. Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern – mehr noch – sie segnen. RB 4,26.32
einmalig
unersetzbar
ähnlich und doch verschieden
zum Verbinden und Ergänzen geschaffen
Geduld ist gefragt und Ausdauer
Sorgfalt
mit dir und mit mir
Puzzleteile im Acker unseres Lebens
Glück
jubelnde Seele
streck deine Hände aus
grab nach der Quelle
hier ist der Garten
Ölberg und Eden
auch deines Lebens Rosen
wollen hier blühen
Dornwald und Wüste
Manna und Tränen
der Mächtige tut Grosses an uns
heute
hier
auch jetzt
und in der Stunde unseres Todes
stell dich in den Segen
lobpreise den Herrn
Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben. RB 4,46f.
Realismus
UM-WÖRTER
In unserem Alltag benutzen wir viele
Wörter, die mit „um“ beginnen.
Manche dieser „Um-Wörter“ wollen eine
Veränderungen andeuten: Um-zug, Um-schwung, Um-wandlung.
Andere „Um-wörter“ verweisen auf
neue Wegstrecken (Um-wege) und längere Prozesse, die mitunter schmerzhaft verlaufen können: um-gehen, um-biegen, um-erziehen, um-pflanzen, um-leiten.
Aber es gibt auch „Um-wörter“, die selbst in scheinbar un-um-stößlichen Situationen neue Perspektiven eröffnen: Um-verteilung, Um-widmung.
Um-orientierung gelingt freilich nur, wenn aus der neuen Um-schreibung nicht sofort wieder ein neuer Um-stand wird, den man lieber gleich um-schiffen würde.
Ist in unserem Leben denn wirklich alles so vergebens und um-sonst?
Nein!
UM-KEHR – conversatio – ist nicht umsonst, aber dafür „gratis“ – eben voll der Gnade.
Jeden Tag neu!
Nicht murren. RB 4,39
Lesen
Wie treffend, dass es von diesem „Gebot“ gleich zwei Varianten gibt: Lesen und Stille.
Beides liegt auch in unserem Kloster nah beieinander: Bibliothek und Oratorium.
Lectio und Oratio.
In das kleine Heftchen dürfen Empfehlungen geschrieben werden: Leseempfehlungen für das Leben der Seele.
Manchmal liest sie sich spannender als das Buch, das man sich gerade ausleihen möchte: die Leihkarte mit den Namen derer, die schon vor einem dieses Buch gelesen haben.
Leseempfehlungen der stillen Art.
Welcher Reichtum liegt hier verborgen.
Heilige Lesungen gern hören. RB 4,55
Stille
Sich oft zum Beten niederwerfen. RB 4,56
Vorübergang des Herrn
tritt einfach ein
bete
und lass die Welt
vorübergehen
simpliciter intret et oret
Handeln
keine Schatten
sondern Licht wirfst du in unser Leben
malst bunte Farbe auf grauen Stein
verwandelst finstere Ecken
in helles Leuchten
zart
verspielt
für Achtsame
nur einen Augenblick
wie leises Säuseln
o Schöpfer der Welt
wie staunenswert
ist dein Blick
für uns
ist dein Atem
in uns
ist dein Antlitz
unter uns
Licht ist gesät
schon keimt es
seht ihr es nicht?
nur einen Augenblick
und das Angesicht der Erde
wird neu
Arme bewirten.
Nackte bekleiden.
Kranke besuchen.
Tote begraben
Bedrängten zu Hilfe kommen.
Trauernde trösten. RB 4,14-19
Überwinden
Mittagshore
erhitzte Gemüter
neigen das Haupt
die Stirn trägt Wunden
dein Wort lässt heilen
was Worte verletzten
zur Ruhe kommen
die Stille finden
Mitten am Tag
notwendig
Not wendend
heilend
die Stille gefunden
zur Ruhe gekommen
vergebende Worte
dein Wort, das vergibt
alle Schuld dieser Welt
als du dein Haupt neigtest
über erhitzte Gemüter
zur Mittagszeit
Nicht stolz sein,
nicht trunksüchtig,
nicht gefräßig,
nicht schlafsüchtig,
nicht faul sein. RB 4,34-38
contentus sit monachus
Planen
Danke,
Herr, dass du unser Wollen in ein anderes Licht stellst
und voller Sanftmut
einen zarten Strich
durch unsre Pläne machst.
in aller Gelassenheit und im Gehorsam
cum omni mansuetudine et oboedientia
Gottes Weisungen täglich durch die Tat erfüllen. RB 4,63
Mut
Vor allem: Gott den Herrn, lieben
mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit ganzer Kraft.
Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst. RB 4,1f.
wie klopfte mir damals das Herz
bei den ersten Schritten
Einsamkeit und Gemeinschaft
„lass dich nicht sofort von Angst verwirren
fliehe nicht vom Weg des Heils
er kann am Anfang nicht anders sein als eng
folge mir nach“
Heimsuchung Gottes
Zeitenwende in seinem Zelt
Hände in Hände gelegt
welch unsagbares Glück:
hier brennt der Dornbusch
und das Herz schlägt mir noch heute
Vertrauen
GEMEINSCHAFT ausbuchstabiert (mit RB 72)
G ott fürchten
e inander selbstlos
m it glühender Liebe
E igenwillen aufgeben
i m gegenseitigen Gehorsam
n ichts vorziehen
s o gibt es den guten Eifer
c harakterliche Schwächen mit unerschöpflicher Geduld ertragen
H ilfe des Herrn erbitten
a uf die Weisung des Meisters hören
F ührung des Evangeliums
t äglich durch die Tat erfüllen
ecce quam bonum
Wurzel und Stamm
Grundstock für Generationen
im Vertrauen auf Gott
wachsen neue Triebe
getragen und gestützt
habitare in unum
Seine Hoffnung Gott anvertrauen. RB 4,41
Von Sr. Raphaela Brüggenthies OSB
Einführung in die Liturgie der Osternacht
Karwoche und OsternOSTERNACHT
Feier der Passion und der Auferstehung Jesu Christi. Mit dem gestrigen Karfreitagsgottesdienst wurden die Tiefen der Passion berührt, – jetzt stehen wir vor der Osternacht, die uns hinübergeleitet in das Fest der Auferstehung. Jemand hat einmal gesagt: „Auferstehung ist das Geheimnis aus dem wir leben, aber es ist unsäglich schwer, es in Worte zu fassen. Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen, es gibt allerdings auch Unaussprechliches, – es ist das Geheimnisvoll-Mystische . .“ Wir sind in diesen Tagen schon öfter darauf gestoßen. Das Geheimnis, so Guardini; ist ein Übermaß an Wahrheit, – eine Wahrheit, die meine Fassungskraft übersteigt. Und weil sich Worte hier so schwer tun, birgt die Osternacht eine Fülle von Bildern, die zum Sprechen kommen sollen. – Weiterlesen