Lauschende
Sie wartet auf Botschaft, schon lange.
Jemand hat ihr gesagt: Sei wachsam, lausche, halte dich still und die Hand ans Ohr.
Irgendwo wird das Wort ausgesprochen. Irgendwo schlägt die Glocke an.
Irgendwann wird sich der Ton ausfiltern lassen aus dem Geräusch des Windes.
Auf diesen Ton bist du gestimmt, so lausche.
(Gertrud Fussenegger)
Das zweite Kriterium, das der heilige Benedikt nennt, um zu beurteilen, ob einer wirklich Gott sucht, ist der Gehorsam. An nicht weniger als 35 Stellen kommen die Begriffe „gehorchen“ und „Gehorsam“ in unserer Regel vor. Dies weist darauf hin, dass wir es hier mit einem Grundbegriff, besser gesagt mit einer Grundhaltung im benediktinischen Leben zu tun haben. Dem Gehorsam ist in späterer Zeit sogar ein eigenes Gelübde gewidmet worden – dem alten Mönchtum war ein Gehorsamsgelübde noch unbekannt.
In unserer Zeit, die durch eine tiefsitzende Autoritäts- und Gehorsamskrise gekennzeichnet ist, tut es vielleicht gut, einmal in die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Lumen Gentium“ hineinzuschauen. Dort wird der Gehorsam als einer der drei evangelischen Räte in Nr. 43 als „donum divinum“, als göttliche Gabe, bezeichnet. Ist das nicht ein wunderbarer Gedanke? Der Gehorsam als Geschenk Gottes an uns, an die Kirche. Ein Geschenk ist immer Zeichen der Liebe des Schenkenden zum Beschenkten. Ein Geschenk will Freude machen. Wie sehr hebt sich von dieser Betrachtungsweise die landläufige Meinung ab, Gehorsam habe nur mit Verzicht und Einschränkung zu tun, enge uns ein in unserer Freiheit und in unserem Recht auf Selbstbestimmung.
Dem heiligen Benedikt hätte die Definition des Konzils sicher sehr gefallen. Am Ende der Regel in Kap. 71,1 nennt er den Gehorsam ein Gut, ein „bonum“, das Gott uns anvertraut, um uns zu sich zu führen. Um den Wert dieses Gutes zu verstehen, braucht es die Sicht des Glaubens. Es reicht also nicht, den Gehorsam nur anthropologisch, psychologisch und soziologisch zu betrachten. Wir müssen unseren Blick auf die geistlich-theologische Dimension hin weiten. Sonst werden wir den Gehorsam niemals verstehen, geschweige denn leben können.
Zu Beginn des Kapitels über den Gehorsam (RB 5,2) kommt Benedikt gleich zum Kern: “Der Gehorsam ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht.“ Letztlich geht es also um die Freiheit zur Liebe, um die Nachfolge dessen, der selbst gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz, wie es der Philipperhymnus (Phil 2,8) sagt. Nur wenn wir den Gehorsam aus dieser Glaubensperspektive heraus verstehen, können wir ihm gerecht werden.
Wo aber liegen für uns die Wurzeln eines solchen religiös motivierten Gehorsams? Jeder von uns erfährt als unvollständig und ergänzungsbedürftig, ja als erlösungsbedürftig. Wir stehen als geschaffene Wesen immer schon unter einem Ruf. „Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1) – dieses Wort ruft uns zur Ant-wort. Karl Rahner hat den Menschen einmal als „Hörer des Wortes“ definiert. Wir sind also vom Ursprung her auf das Wort und auf das Hören und Gehorchen hin angelegt. Wir können nur dann voll und ganz Mensch werden, wenn wir diesem Anruf folgen – so wie Christus selbst ganz unter dem Anspruch des Willens Gottes stand. Der Gehorsam Jesu war Ausdruck seines tiefsten Wesens selbst, seiner wesenhaften Verankerung im Vater. Und auch wir wollen uns dort verankern, wenn wir beten: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ In diese Schule will uns der heilige Benedikt führen und begleiten.
Nicht umsonst lauten die ersten Worte seiner Regel: “Höre, mein Sohn, auf die Lehren des Meisters und neige das Ohr deines Herzens“ (Prol 1). Hören ist das Grundwort und der Grundvollzug unseres benediktinischen Lebens. Am Anfang eines jeden Lebens der Nachfolge steht ja eine Berufungsgeschichte, bricht das Bewusstsein in uns durch, dass Gott sein Wort ganz persönlich an mich richtet und auf eine Ant-Wort wartet. Deshalb spielt das Hören und Gehorchen auch im Prolog unserer Regel, der ja eine Berufungsgeschichte in Form eines Dialogs ist, eine so herausragende Rolle. Dieses erste Wort „Obsculta“, „Höre“ greift die biblische Tradition auf, die mit dem Wort „Höre Israel“ (Audi, Israel) die Verkündigung der Tora auf dem Sinai beginnt. Mit dem „Hören“ wird auch die Theophanie auf dem Berg der Verklärung – dem neutestamentlichen Sinai – beschlossen. Dort, auf dem Tabor, sagt die Stimme aus der Wolke: „Auf Ihn sollt ihr hören“ (Ipsum audite). Hier schließt sich der Kreis, und wir beginnen zu ahnen, dass im Hören und Gehorchen das dialogische Geschehen zwischen Gott und Mensch seinen Anfang nimmt und zugleich seine Vollendung findet.
Stets bereit sein zu hören, das ist unsere Lebensaufgabe als Gottsucher. Dieses Hören ist ein Hören mit der ganzen Person, mit Leib und Geist, und fordert die Kräfte der Liebe wie auch des Verstandes. Dazu gehört eine Wachheit der Wahrnehmung, eine Offenheit und Achtsamkeit für die leisen Töne, für die Zwischentöne und für die Grundmelodien, die manchmal hinter den vordergründigen Akkorden liegen. Solches im wahrsten Sinne des Wortes diskretes, nämlich unterscheidendes, Hören will gelernt sein und erfordert lebenslange Einübung – ähnlich wie wir es beim Beten gesehen haben. In gewisser Weise fordert das Hören auch eine demütige Grundhaltung des Herzens. Nicht umsonst bezeichnet der hl. Benedikt den Gehorsam als „höchste Stufe der Demut“ (RB 5,1) Wir müssen lernen, im Hören von uns selbst abzusehen (uns selbst zu verleugnen – abnegare semetipsum), nur dann werden wir offen für das Wort und die Weisung Gottes, die uns auf so unendlich vielfältige Weise begegnen kann: in Seinem Wort selbst, in der Liturgie, in Begegnungen mit Menschen, im Ereignishaften und in den berühmten Zufällen unseres Lebens.
Solches Hören können wir allerdings nur dann, wenn wir auch schweigen gelernt haben, wenn wir den Lärm außen, aber auch den Lärm in unseren eigenen Herzen zur Ruhe bringen. Wir müssen uns deshalb in unserem Alltag immer wieder und immer neu kleine Räume der Stille schaffen und, so wir sie gefunden haben, sie hüten wie einen kostbaren Schatz.
Wichtig erscheint mir auch, dass wir uns mehr und mehr unabhängig machen davon, ob uns das Gehörte gefällt oder nicht, ob wir es hören wollen oder nicht. Fragen wir uns einmal ganz selbstkritisch: höre ich nicht oft nur das, was ich hören will? Kann ich überhaupt zuhören? Oder bin ich nur mit halbem Ohr dabei und warte nur darauf, das, was mich beschäftigt vorbringen oder meine Meinung äußern zu können?
Schon das richtige Hören ist schwer. Noch schwerer aber ist oft das Eigentliche. Denn vor allem gilt ja: wir müssen das Gehörte auch tun. Vom Hören (audire) zum Gehorchen (oboedire) ist es manchmal nur ein ganz kleiner Schritt. Dieser allerdings kostet nicht selten Selbstüberwindung und fordert von uns, unsere Ichbezogenheit hinter uns zu lassen und unseren Eigenwillen zu übersteigen.
Der Ernstfall des Gehorsams liegt dort, wo wir einwilligen in den Willen eines anderen – manchmal eben auch gegen unsere eigene Überzeugung, gegen unsere Pläne, Wünsche und Hoffnungen. Wir können dies nur, wenn wir daran glauben, dass Gott in allem, auch in dem, was uns schwerfällt, gegenwärtig ist (wir werden morgen bei den „Obprobria“ noch darüber sprechen). Es ist bezeichnend, dass der hl. Benedikt gerade diesem Ernstfall des Gehorsams ein eigenes Kapitel widmet (Kap. 68). Wenn einem Bruder Unmögliches aufgetragen wird, so heißt es dort am Schluss: „ … dann gehorche er aus Liebe, im Vertrauen auf die Hilfe Gottes“. Wer eine ähnliche Situation selbst schon einmal erlebt hat, der wird wissen, wie schwer dies sein kann, aber auch welche ungeahnten Kräfte uns zuwachsen können, wenn wir diesen Schritt über uns selbst hinaus einmal getan haben. Hier geschehen bisweilen wirkliche Wunder im Alltag. Wir müssen nur Augen haben, sie zu sehen.
Freilich, und darauf legt Benedikt besonderen Wert, soll der Gehorsam, auch wenn er schwer fällt, frohen und beschwingten Herzens geleistet werden. Halbherzigkeit ist seine Sache nicht. „Die Jünger müssen den Gehorsam mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber“ (RB 5,16). Wie oft passiert es uns, dass wir uns in unseren Plänen nur sehr ungern stören lassen, dass wir im Grunde unseres Herzens eigentlich wütend sind und murren, dass unser Gehorsam also nur äußere Fassade ist, hinter der es brodelt und bröckelt. Wir sollten dann ehrlich mit uns und mit den anderen sein und nicht mehr scheinen wollen als wir sind. Der Gehorsam darf schwer fallen, aber er muss um der Liebe willen ohne Murren geleistet werden, „sonst findet er kein Gefallen vor Gott“ (RB 5,18).
Es ist bezeichnend, dass Benedikt nicht nur den „sozialen“ Gehorsam dem Oberen oder den Älteren gegenüber einfordert, sondern seinen Schülern auch den gegenseitigen Gehorsam besonders ans Herz legt. Im 72. Kapitel steht sogar der wuchtige Satz: “Sie sollen sich in gegenseitigem Gehorsam überbieten“. Hier werden alle Autoritätsverhältnisse transzendiert. Und genau an dieser Stelle kommen wir dann auch zum wichtigsten Deutungspunkt des Gehorsams. Der Gehorsam ist Ausdruck unserer Liebe. An vier Stellen verbindet der hl. Benedikt den Gehorsam und die Liebe miteinander: RB 5,2; RB 7,34; RB 68,5 und RB 71,4. Keine Befehle also oder Entgegennehmen von Befehlen, aber eine Kultur des gegenseitigen Wohlwollens und der brüderlich-schwesterlichen Dienstbereitschaft: die Erziehung zu einer offenen, wohlwollenden Hörbereitschaft untereinander. Hier wird Gehorsam zu gegenseitiger Dienstbarkeit in Liebe. Solche Liebe ahmt den liebenden Gehorsam Christi nach, wie er vor allem im Johannesevangelium immer wieder bezeugt wird.
Von der christlichen Ethik her kennt der Gehorsam, wie wir wissen, nur eine Grenze: wenn ein Auftrag unvereinbar ist mit dem persönlichen Gewissen – Gewissen, nicht persönliche Einsicht, die wir ja gerne fürs Gewissen halten. Der Gehorsam, wie der heilige Benedikt ihn versteht, ist kein Kadaver-Gehorsam. Er stellt hohe Anforderungen an unsere Verantwortung. Dabei bleibt er aber immer personal auf Gott hin ausgerichtet: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh 6,38; RB 7,31). Wer sich auf den Weg der Christusnachfolge macht, der wirft sein ganzes Leben in die Waagschale. Billiger ist es nicht zu haben. Wir dürfen aber fest darauf vertrauen, dass Gott uns einlädt aufgrund unserer Berufung, uns in diesem Gehorsam preiszugeben, um uns zutiefst zu befreien. Denn, so sagen die Väter, der Gehorsam ist befreiend wie nichts sonst. Diese Verheißung gibt uns auch die Benediktsregel, wenn es dort im Prolog 49 heißt: „Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem weitet sich das Herz, und er geht den Weg der Gebote Gottes in unsagbarer Freude der Liebe.“
Am Schluss möchte ich noch ein etwas längeres Zitat eines modernen Kirchenvaters vorlegen. Es stammt von Karl Rahner und ist bereits so etwas wie ein Klassiker geworden. Meines Erachtens fasst es all das zusammen, worüber wir gemeinsam nachgedacht haben.
„Was kann man tun, um am Ende seines Lebens vor Gott bestehen zu können? Nichts kann natürlich bei ihm bestehen, als was er in seiner Gnade als seiner würdig aus reinem Erbarmen geschenkt hat … Man kann sich aber einem Größeren ausliefern; man kann dafür sorgen, dass dieses Größere nicht nur Ideal und Theorie bleibt, die man im Grunde doch immer selbst in der Hand und Gewalt hat und die man nach eigenem Gutdünken formen kann, so dass man sie von den bloßen Götzen unseres Herzens nicht mehr deutlich unterscheiden kann … Und dies geschieht, wo das Größere, dem wir uns ausliefern, eine reale greifbare Macht eigener, von uns aus unberechenbarer Größe wird: wenn das Wort der befehlenden Forderung an uns ergeht – und wenn wir gehorchen. Schweigend gehorchen, in einem wahren Sinn fraglos gehorchen, wenn wir dienen und uns von der Forderung, die wir nicht selbst ausgedacht haben, verbrauchen lassen… Vielleicht glückt es uns dann, Person zu werden, die ist, in dem sie sich vergisst, und opfert, in dem sie gehorsam ist. Vielleicht muss man, um gehorsam zu werden, damit man sich selbst überschreite und verliere – die einzige Möglichkeit, sich wahrhaft zu gewinnen – sogar am Gehorsam gar nichts Besonderes finden, gar nicht an ihn denken, sondern an die Wirklichkeit, der man dient, der man dient, selbstverständlich dient, weil sie allen Dienst und alle Liebe verdient, weil sie letztlich keine Sache ist, sondern die Person schlechthin: Gott. Vielleicht ist der wahrhaft Gehorsame einfach der Liebende, dem das Opfer der Hingabe süß ist und ein seliges Müssen.“
Friends of the Abbey of St Hildegard
Monastic Life at our AbbeyWe would like to invite you to join our circle of friends. We are open to anyone, for „where two or three are gathered in my name, there am I (Christ) in the midst of them.“ (Mt 18:20)
The Friends of the Abbey regularly organize talks, group discussions, concerts and other events. These events always offer opportunities to meet and exchange views. We would be pleased to send you the annual programme and – should you wish to become a member – the necessary application form. Please contact Sr Simone Weinkopf on:
ph: ++49 6722 499-155 or by e-mail: sr.simone@abtei-st-hildegard.de
Our Oblate Community
Our oblates are a group of men and women – married and single – who, within the framework of their daily lives in the world, find direction for their individual situations in the Rule of St Benedict. With an act of oblation they promise to affiliate themselves with our monastic community and share in our prayer and mission.
According to their circumstances, oblates participate in as much of the daily office as is possible for them. Our monastery offers retreat days to our oblate community three times a year, regular contact with newsletters and continuous spiritual direction by our Oblate Director, Sr Lydia Stritzl. If you are interested in finding out more about our oblate community, please contact Sr Lydia Stritzl on:
ph: ++49 6722 499-114 or by e-mail :oblatengemeinschaft@abtei-st-hildegard.de
„Ob er/sie Eifer hat für den Gehorsam“
NoviziatLauschende
Sie wartet auf Botschaft, schon lange.
Jemand hat ihr gesagt: Sei wachsam, lausche, halte dich still und die Hand ans Ohr.
Irgendwo wird das Wort ausgesprochen. Irgendwo schlägt die Glocke an.
Irgendwann wird sich der Ton ausfiltern lassen aus dem Geräusch des Windes.
Auf diesen Ton bist du gestimmt, so lausche.
(Gertrud Fussenegger)
Das zweite Kriterium, das der heilige Benedikt nennt, um zu beurteilen, ob einer wirklich Gott sucht, ist der Gehorsam. An nicht weniger als 35 Stellen kommen die Begriffe „gehorchen“ und „Gehorsam“ in unserer Regel vor. Dies weist darauf hin, dass wir es hier mit einem Grundbegriff, besser gesagt mit einer Grundhaltung im benediktinischen Leben zu tun haben. Dem Gehorsam ist in späterer Zeit sogar ein eigenes Gelübde gewidmet worden – dem alten Mönchtum war ein Gehorsamsgelübde noch unbekannt.
In unserer Zeit, die durch eine tiefsitzende Autoritäts- und Gehorsamskrise gekennzeichnet ist, tut es vielleicht gut, einmal in die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Lumen Gentium“ hineinzuschauen. Dort wird der Gehorsam als einer der drei evangelischen Räte in Nr. 43 als „donum divinum“, als göttliche Gabe, bezeichnet. Ist das nicht ein wunderbarer Gedanke? Der Gehorsam als Geschenk Gottes an uns, an die Kirche. Ein Geschenk ist immer Zeichen der Liebe des Schenkenden zum Beschenkten. Ein Geschenk will Freude machen. Wie sehr hebt sich von dieser Betrachtungsweise die landläufige Meinung ab, Gehorsam habe nur mit Verzicht und Einschränkung zu tun, enge uns ein in unserer Freiheit und in unserem Recht auf Selbstbestimmung.
Dem heiligen Benedikt hätte die Definition des Konzils sicher sehr gefallen. Am Ende der Regel in Kap. 71,1 nennt er den Gehorsam ein Gut, ein „bonum“, das Gott uns anvertraut, um uns zu sich zu führen. Um den Wert dieses Gutes zu verstehen, braucht es die Sicht des Glaubens. Es reicht also nicht, den Gehorsam nur anthropologisch, psychologisch und soziologisch zu betrachten. Wir müssen unseren Blick auf die geistlich-theologische Dimension hin weiten. Sonst werden wir den Gehorsam niemals verstehen, geschweige denn leben können.
Zu Beginn des Kapitels über den Gehorsam (RB 5,2) kommt Benedikt gleich zum Kern: “Der Gehorsam ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht.“ Letztlich geht es also um die Freiheit zur Liebe, um die Nachfolge dessen, der selbst gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz, wie es der Philipperhymnus (Phil 2,8) sagt. Nur wenn wir den Gehorsam aus dieser Glaubensperspektive heraus verstehen, können wir ihm gerecht werden.
Wo aber liegen für uns die Wurzeln eines solchen religiös motivierten Gehorsams? Jeder von uns erfährt als unvollständig und ergänzungsbedürftig, ja als erlösungsbedürftig. Wir stehen als geschaffene Wesen immer schon unter einem Ruf. „Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1) – dieses Wort ruft uns zur Ant-wort. Karl Rahner hat den Menschen einmal als „Hörer des Wortes“ definiert. Wir sind also vom Ursprung her auf das Wort und auf das Hören und Gehorchen hin angelegt. Wir können nur dann voll und ganz Mensch werden, wenn wir diesem Anruf folgen – so wie Christus selbst ganz unter dem Anspruch des Willens Gottes stand. Der Gehorsam Jesu war Ausdruck seines tiefsten Wesens selbst, seiner wesenhaften Verankerung im Vater. Und auch wir wollen uns dort verankern, wenn wir beten: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ In diese Schule will uns der heilige Benedikt führen und begleiten.
Nicht umsonst lauten die ersten Worte seiner Regel: “Höre, mein Sohn, auf die Lehren des Meisters und neige das Ohr deines Herzens“ (Prol 1). Hören ist das Grundwort und der Grundvollzug unseres benediktinischen Lebens. Am Anfang eines jeden Lebens der Nachfolge steht ja eine Berufungsgeschichte, bricht das Bewusstsein in uns durch, dass Gott sein Wort ganz persönlich an mich richtet und auf eine Ant-Wort wartet. Deshalb spielt das Hören und Gehorchen auch im Prolog unserer Regel, der ja eine Berufungsgeschichte in Form eines Dialogs ist, eine so herausragende Rolle. Dieses erste Wort „Obsculta“, „Höre“ greift die biblische Tradition auf, die mit dem Wort „Höre Israel“ (Audi, Israel) die Verkündigung der Tora auf dem Sinai beginnt. Mit dem „Hören“ wird auch die Theophanie auf dem Berg der Verklärung – dem neutestamentlichen Sinai – beschlossen. Dort, auf dem Tabor, sagt die Stimme aus der Wolke: „Auf Ihn sollt ihr hören“ (Ipsum audite). Hier schließt sich der Kreis, und wir beginnen zu ahnen, dass im Hören und Gehorchen das dialogische Geschehen zwischen Gott und Mensch seinen Anfang nimmt und zugleich seine Vollendung findet.
Stets bereit sein zu hören, das ist unsere Lebensaufgabe als Gottsucher. Dieses Hören ist ein Hören mit der ganzen Person, mit Leib und Geist, und fordert die Kräfte der Liebe wie auch des Verstandes. Dazu gehört eine Wachheit der Wahrnehmung, eine Offenheit und Achtsamkeit für die leisen Töne, für die Zwischentöne und für die Grundmelodien, die manchmal hinter den vordergründigen Akkorden liegen. Solches im wahrsten Sinne des Wortes diskretes, nämlich unterscheidendes, Hören will gelernt sein und erfordert lebenslange Einübung – ähnlich wie wir es beim Beten gesehen haben. In gewisser Weise fordert das Hören auch eine demütige Grundhaltung des Herzens. Nicht umsonst bezeichnet der hl. Benedikt den Gehorsam als „höchste Stufe der Demut“ (RB 5,1) Wir müssen lernen, im Hören von uns selbst abzusehen (uns selbst zu verleugnen – abnegare semetipsum), nur dann werden wir offen für das Wort und die Weisung Gottes, die uns auf so unendlich vielfältige Weise begegnen kann: in Seinem Wort selbst, in der Liturgie, in Begegnungen mit Menschen, im Ereignishaften und in den berühmten Zufällen unseres Lebens.
Solches Hören können wir allerdings nur dann, wenn wir auch schweigen gelernt haben, wenn wir den Lärm außen, aber auch den Lärm in unseren eigenen Herzen zur Ruhe bringen. Wir müssen uns deshalb in unserem Alltag immer wieder und immer neu kleine Räume der Stille schaffen und, so wir sie gefunden haben, sie hüten wie einen kostbaren Schatz.
Wichtig erscheint mir auch, dass wir uns mehr und mehr unabhängig machen davon, ob uns das Gehörte gefällt oder nicht, ob wir es hören wollen oder nicht. Fragen wir uns einmal ganz selbstkritisch: höre ich nicht oft nur das, was ich hören will? Kann ich überhaupt zuhören? Oder bin ich nur mit halbem Ohr dabei und warte nur darauf, das, was mich beschäftigt vorbringen oder meine Meinung äußern zu können?
Schon das richtige Hören ist schwer. Noch schwerer aber ist oft das Eigentliche. Denn vor allem gilt ja: wir müssen das Gehörte auch tun. Vom Hören (audire) zum Gehorchen (oboedire) ist es manchmal nur ein ganz kleiner Schritt. Dieser allerdings kostet nicht selten Selbstüberwindung und fordert von uns, unsere Ichbezogenheit hinter uns zu lassen und unseren Eigenwillen zu übersteigen.
Der Ernstfall des Gehorsams liegt dort, wo wir einwilligen in den Willen eines anderen – manchmal eben auch gegen unsere eigene Überzeugung, gegen unsere Pläne, Wünsche und Hoffnungen. Wir können dies nur, wenn wir daran glauben, dass Gott in allem, auch in dem, was uns schwerfällt, gegenwärtig ist (wir werden morgen bei den „Obprobria“ noch darüber sprechen). Es ist bezeichnend, dass der hl. Benedikt gerade diesem Ernstfall des Gehorsams ein eigenes Kapitel widmet (Kap. 68). Wenn einem Bruder Unmögliches aufgetragen wird, so heißt es dort am Schluss: „ … dann gehorche er aus Liebe, im Vertrauen auf die Hilfe Gottes“. Wer eine ähnliche Situation selbst schon einmal erlebt hat, der wird wissen, wie schwer dies sein kann, aber auch welche ungeahnten Kräfte uns zuwachsen können, wenn wir diesen Schritt über uns selbst hinaus einmal getan haben. Hier geschehen bisweilen wirkliche Wunder im Alltag. Wir müssen nur Augen haben, sie zu sehen.
Freilich, und darauf legt Benedikt besonderen Wert, soll der Gehorsam, auch wenn er schwer fällt, frohen und beschwingten Herzens geleistet werden. Halbherzigkeit ist seine Sache nicht. „Die Jünger müssen den Gehorsam mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber“ (RB 5,16). Wie oft passiert es uns, dass wir uns in unseren Plänen nur sehr ungern stören lassen, dass wir im Grunde unseres Herzens eigentlich wütend sind und murren, dass unser Gehorsam also nur äußere Fassade ist, hinter der es brodelt und bröckelt. Wir sollten dann ehrlich mit uns und mit den anderen sein und nicht mehr scheinen wollen als wir sind. Der Gehorsam darf schwer fallen, aber er muss um der Liebe willen ohne Murren geleistet werden, „sonst findet er kein Gefallen vor Gott“ (RB 5,18).
Es ist bezeichnend, dass Benedikt nicht nur den „sozialen“ Gehorsam dem Oberen oder den Älteren gegenüber einfordert, sondern seinen Schülern auch den gegenseitigen Gehorsam besonders ans Herz legt. Im 72. Kapitel steht sogar der wuchtige Satz: “Sie sollen sich in gegenseitigem Gehorsam überbieten“. Hier werden alle Autoritätsverhältnisse transzendiert. Und genau an dieser Stelle kommen wir dann auch zum wichtigsten Deutungspunkt des Gehorsams. Der Gehorsam ist Ausdruck unserer Liebe. An vier Stellen verbindet der hl. Benedikt den Gehorsam und die Liebe miteinander: RB 5,2; RB 7,34; RB 68,5 und RB 71,4. Keine Befehle also oder Entgegennehmen von Befehlen, aber eine Kultur des gegenseitigen Wohlwollens und der brüderlich-schwesterlichen Dienstbereitschaft: die Erziehung zu einer offenen, wohlwollenden Hörbereitschaft untereinander. Hier wird Gehorsam zu gegenseitiger Dienstbarkeit in Liebe. Solche Liebe ahmt den liebenden Gehorsam Christi nach, wie er vor allem im Johannesevangelium immer wieder bezeugt wird.
Von der christlichen Ethik her kennt der Gehorsam, wie wir wissen, nur eine Grenze: wenn ein Auftrag unvereinbar ist mit dem persönlichen Gewissen – Gewissen, nicht persönliche Einsicht, die wir ja gerne fürs Gewissen halten. Der Gehorsam, wie der heilige Benedikt ihn versteht, ist kein Kadaver-Gehorsam. Er stellt hohe Anforderungen an unsere Verantwortung. Dabei bleibt er aber immer personal auf Gott hin ausgerichtet: „Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh 6,38; RB 7,31). Wer sich auf den Weg der Christusnachfolge macht, der wirft sein ganzes Leben in die Waagschale. Billiger ist es nicht zu haben. Wir dürfen aber fest darauf vertrauen, dass Gott uns einlädt aufgrund unserer Berufung, uns in diesem Gehorsam preiszugeben, um uns zutiefst zu befreien. Denn, so sagen die Väter, der Gehorsam ist befreiend wie nichts sonst. Diese Verheißung gibt uns auch die Benediktsregel, wenn es dort im Prolog 49 heißt: „Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem weitet sich das Herz, und er geht den Weg der Gebote Gottes in unsagbarer Freude der Liebe.“
Am Schluss möchte ich noch ein etwas längeres Zitat eines modernen Kirchenvaters vorlegen. Es stammt von Karl Rahner und ist bereits so etwas wie ein Klassiker geworden. Meines Erachtens fasst es all das zusammen, worüber wir gemeinsam nachgedacht haben.
„Was kann man tun, um am Ende seines Lebens vor Gott bestehen zu können? Nichts kann natürlich bei ihm bestehen, als was er in seiner Gnade als seiner würdig aus reinem Erbarmen geschenkt hat … Man kann sich aber einem Größeren ausliefern; man kann dafür sorgen, dass dieses Größere nicht nur Ideal und Theorie bleibt, die man im Grunde doch immer selbst in der Hand und Gewalt hat und die man nach eigenem Gutdünken formen kann, so dass man sie von den bloßen Götzen unseres Herzens nicht mehr deutlich unterscheiden kann … Und dies geschieht, wo das Größere, dem wir uns ausliefern, eine reale greifbare Macht eigener, von uns aus unberechenbarer Größe wird: wenn das Wort der befehlenden Forderung an uns ergeht – und wenn wir gehorchen. Schweigend gehorchen, in einem wahren Sinn fraglos gehorchen, wenn wir dienen und uns von der Forderung, die wir nicht selbst ausgedacht haben, verbrauchen lassen… Vielleicht glückt es uns dann, Person zu werden, die ist, in dem sie sich vergisst, und opfert, in dem sie gehorsam ist. Vielleicht muss man, um gehorsam zu werden, damit man sich selbst überschreite und verliere – die einzige Möglichkeit, sich wahrhaft zu gewinnen – sogar am Gehorsam gar nichts Besonderes finden, gar nicht an ihn denken, sondern an die Wirklichkeit, der man dient, der man dient, selbstverständlich dient, weil sie allen Dienst und alle Liebe verdient, weil sie letztlich keine Sache ist, sondern die Person schlechthin: Gott. Vielleicht ist der wahrhaft Gehorsame einfach der Liebende, dem das Opfer der Hingabe süß ist und ein seliges Müssen.“
„Ob er/sie Eifer hat für den Gottesdienst“
Benediktinisches Leben, Leben im Geist der Benediktusregel, NoviziatGott, du mein Gott, dich suche ich;
es dürstet nach dir meine Seele.
Nach dir verlangt mein Leib
Gleich einem dürren, lechzenden Land
ohne Wasser.
So schaue ich aus nach dir im heiligen Zelt,
deine Kraft und deine Herrlichkeit
möchte ich schauen.
Denn besser ist deine Huld als das Leben,
meine Lippen singen dir Lob.
Ich will dich rühmen mein Leben lang,
in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
(aus Psalm 63)
Wenn der hl. Benedikt als erstes Prüfungs-Kriterium für den neubeginnenden Novizen nennt, „ob er Eifer hat für das Opus Dei“ (Benediktusregel Kap. 58, 7), dann zeigt sich darin, dass er eben dieses Opus Dei als den vornehmsten Ausdruck der Gottsuche und ein jeder Berufung betrachtet. Das gilt keineswegs nur für den Anfänger. Für jeden, auch für die, die das Leben der Nachfolge im Geist des hl. Benedikt schon lange leben, bleibt die Frage, ob er wahrhaft Gott sucht, ein Leben lang gültig und entscheidend. In diesem Sinne bleiben wir Anfänger ein Leben lang. Weiterlesen
„Ob er Eifer hat für den Gehorsam“
Benediktinisches Leben, Leben im Geist der BenediktusregelLauschender
Er wartet auf Botschaft, schon lange.
Jemand hat ihm gesagt:
Sei wachsam, lausche,
halte dich still
und die Hand ans Ohr.
Irgendwo wird das Wort ausgesprochen.
Irgendwo schlägt die Glocke an.
Irgendwann wird sich der Ton ausfiltern lassen aus dem Geräusch des Windes.
Auf diesen Ton bist du gestimmt,
so lausche.
(Gertrud Fussenegger)
Das zweite Kriterium, das der hl. Benedikt nennt, um zu beurteilen, ob einer wirklich Gott sucht, ist der Eifer für den Gehorsam (Benediktusregel Kap. 58, 7). An nicht weniger als 35 Stellen kommen die Begriffe „gehorchen“ und „Gehorsam“ in der Benediktusregel vor. Dies weist darauf hin, dass wir es hier mit einem Grundbegriff, besser gesagt mit einer Grundhaltung im benediktinischen Leben zu tun haben. Dem Gehorsam ist in späterer Zeit sogar ein eigenes Gelübde gewidmet worden – dem alten Mönchtum war ein Gehorsamsgelübde noch unbekannt. Weiterlesen
„Ob er/sie Eifer hat, Widerwärtiges zu ertragen“
Benediktinisches Leben, Leben im Geist der Benediktusregel, NoviziatDieses Ich, das Wahrste meines Ichs, das Ich vor mir und das Ich über mir: Unruhe. Als Gott über meinen Erdenstand blies,um in ihn meine Seele einzupflanzen, muss er wohl zu heftig geblasen haben. Ich habe mich nie erholt von diesem Anhauch Gottes. Ich habe nie aufgehört, wie eine Kerze zu zittern,wie eine flackernde Kerze zwischen zwei Welten. Und doch …
(Marie Noël)
Das dritte O des 58. Kapitels der Benediktusregel fragt den Mönch, ob er Eifer hat für die „obprobria“. Der neue Regel-Text übersetzt das Wort mit „Widerwärtigkeiten“, während in alten Übersetzungen von „Verdemütigungen“ die Rede war. Wie immer man dieses in jedem Fall unbequeme Wort übersetzen mag, es geht um die Erfahrung, dass es in einem konsequent gelebten christlichen Leben manchmal hart und rauh zugehen kann. Der hl. Benedikt betont eigens: „Im voraus sage man ihm [dem Neuankommenden), wie rauh und schwierig der Weg ist, der zu Gott führt“(Benediktusregel Kap. 58,8). Diese Erfahrung trifft jeden von uns. Es kann sein, dass uns über lange Strecken unseres Lebensweges Gegen-wind ins Gesicht bläst. Wir geraten in die Feuerprobe, wie es in Psalm 66 heißt: „Gott, du hast uns geprüft und uns im Feuer geläutert, wie man Silber im Feuer läutert“. Solche Zeiten der Krise, in denen wir bisweilen an der Richtigkeit und Sinnhaftigkeit unserer Lebensentscheidungen zweifeln, sind oft nur schwer zu bestehen. Weiterlesen
Die Gelübde
Noviziat„Eins nur erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich:
im Hause des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
zu schauen die Freundlichkeit des Herrn
und nachzusinnen in seinem Tempel.“ (Ps 26/27)
Schon früh hat man zwischen der Taufe und der Profess auffallende Übereinstimmungen festgestellt. Die Profess wurde sogar oft als zweite Taufe dargestellt. Der Glaube, so sagte einst Tertullian, vollendet sich in der Taufe, dem „sacramentum fidei“. Durch die Taufe wird der Glaube in Worten und Gebärden gefeiert und erhält so seine Gestalt. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für das monastische Leben. Was die Taufe für den Glauben, das ist die Profess für dieses innere Ja-Wort. Auch im Ritus gibt es Übereinstimmungen. Die Taufhandlung ist begleitet von Tauffragen und Antworten. Auch die Profess kennt begleitende Fragen und Antworten, und man könnte vielleicht auch eine Parallele sehen zwischen dem Taufkleid und dem Mönchsgewand, der Kukulle, die bei der Profess überreicht wird. Weiterlesen
Plans for a New Foundation
The Abbey of St HildegardThe prince took up the idea enthusiastically, as it meant a lot to him to be able to restore the secularized estate, which had been awarded to his family by the Reichsdeputationshauptschluß of 1803, to the church in this way. His oldest daughter Benedicta, a nun at the Abbey of St Cécile at Solesmes in France, was to be the first abbess of the convent to be re-founded. When she died unexpectedly on July 2nd, 1896 at the age of only 36, Prince Löwenstein nevertheless continued with his project and spared neither expense nor personal sacrifice for the rebuilding of the monastery.
The Abbey of St Hildegard was to be built on the slopes above the village of Eibingen. The building material – sandstone interspersed with quartzite – was taken from the hill above the building site. Fr Ludger Rincklage, a monk of the Abbey of Maria Laach and former architect, headed the planning and building work. On July 2nd, 1900, Arch-Abbot Placidus Wolter of Beuron, who traveled to the banks of the Rhine in place of Bishop Dominikus Willi, who had been taken ill, laid the foundation stone of the new monastery.
New Beginnings of Monastic Life
The Abbey of St HildegardThe day after the consecration of the church, on September 8th, 1908, Regintrudis Sauter, who had been prioress, was solemnly blessed as the first abbess of the new monastic community. With this she became the 36th successor to St Hildegard, under whose patronage the Abbey and church had been placed. The number of nuns increased steadily in the years following. The community came through the First World War (1914-1918) and the post war inflationary period relatively well, thanks to the wise leadership of the house. During the time after the First World War (1918-1939) the east wing of the Abbey, which so far had been a shell, could also be completed. The novitiate wing and chapter hall were officially opened.
The Abbey of St Hildegard in the Second World War
The Abbey of St HildegardThe majority of the community was received by various orders of charity, notably the congregations of Waldbreitenbach and Dernbach as well as the Borromaean sisters of Bingen. The Eibingen nuns worked in hospitals, nursing homes and other areas for the remaining years of the war. A small group of the Eibingen convent remained at St Hildegard to care for the wounded as Red Cross helpers or to take care of domestic matters at the military hospital with its 100-130 patients. Rüdesheim was largely destroyed in a bombing raid in November 1944, but the abbey buildings were spared. However, since the main military hospital and the operating theatre at Eibingen had been destroyed by bombs, the number of beds at the hospital’s branch in the abbey buildings was raised to 325. A few weeks before the end of the war, on March 19th, 1945 the military hospital at Eibingen was closed down. A few days later American troops moved into Rüdesheim. Soon the estate was returned to the convent. Parts of the monastic buildings were made available to senior citizens of Rüdesheim, who had been made homeless by the bombing raid, and also to accommodate refugees from the East of Germany for the next 10 years.
The Development of the Abbey after 1945
The Abbey of St HildegardOn August 4th, 1955 Abbess Regintrudis Sauter resigned at the age of 90 after 47 years in office. Her successor, Fortunata Fischer, was elected on August 8th. On September 17th, 1955 she received the blessing as Abbess by Walther Kampe, Suffragan Bishop of Limburg. Abbess Fortunata Fischer’s time in office was characterized by some significant innovations. In 1967 the two separate convents of choir nuns and lay sisters were brought together in one community. In accordance with the liturgical reforms of the Second Vatican Council the church’s sanctuary and nuns‘ choir were re-designed. The solemn consecration of the new altar on September 7th, 1967 marked the completion of both projects. In the following year a new organ could be installed. The wrought iron gates, which until then had marked the enclosure’s boundary between choir and church as well as in the visiting rooms, were taken down.
On August 8th, 1978 Abbess Fortunata Fischer resigned from office. Sr Edeltraud Forster, who was elected by the community on August 17th, 1978, succeeded her as third abbess of the new Abbey of St Hildegard, becoming the 38th successor to St Hildegard. Bishop Dr Wilhelm Kempf of Limburg blessed her as Abbess on September 15th, 1978. One of the most important dates of her time in office was May 5th, 1988. On this day ten sisters of the Eibingen convent resettled the former Cistercian Abbey Marienrode near Hildesheim and after a break of 180 years took up an old monastic tradition in Lower Saxony again. 84 years after the new foundation of the Abbey of St Hildegard, Benedictine life and the spiritual world and thought of St Hildegard bore fruit again in our time. Ten years later, on May 5th, 1998, the daughter house of Marienrode became an independent house, and Sr Maria-Elisabeth Bücker was appointed prioress-administrator for a four-year term by Abbess Edeltraud Forster. In the same year, after the conclusion of the great, eventful and blessed jubilee year celebrating the 900th birthday of St Hildegard, Abbess Edeltraud Forster resigned from office for reasons of age. On October 1st, Sr Gisela Happ was elected prioress-administrator.
On August 23rd, 2000, Sr Clementia Killewald was elected abbess and 39th successor of St Hildegard. On October 3rd, 2000 she was blessed as Abbess by Bishop Dr Franz Kamphaus of Limburg. Her motto is „Dominus ipse faciet“ (The Lord himself brings it to fruition). And finally, on May 28th, 2002, the convent at Marienrode elected Sr Maria-Elisabeth Bücker to be the convent’s prioress for 12 years. We trust that Abbess Clementia’s motto has to some extent already begun to be fulfilled in both of these houses in the tradition of St Hildegard.